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17.07.2014

10:49 Uhr

Peugeot RCZ-R im Test

Kraftklotz à la française

VonAlexander Möthe

Die trauen sich was: Erst wirft Peugeot mit dem RCZ ein gut designtes, aber leicht untermotorisiertes Sportcoupé auf den Markt. Dann spendieren die Franzosen ein „R“ und 70 PS mehr – und siehe, es wirkt.

RCZ-R, mit 270 PS: Dieser Peugeot hat Spaß am Spielen, lässt sich ohne Bocken und Murren – wenn auch mit ein wenig Übung – agil durch Kurven treiben. Sebastian Schaal

RCZ-R, mit 270 PS: Dieser Peugeot hat Spaß am Spielen, lässt sich ohne Bocken und Murren – wenn auch mit ein wenig Übung – agil durch Kurven treiben.

DüsseldorfOh, er ist eine Schönheit, der Peugeot RCZ-R. Natürlich liegt die immer im Auge des Betrachters, aber mal ehrlich: Diese Linienführung, diese Proportionen, diese Farbe - hier haben die Franzosen einen echten Hingucker geliefert. Das ist nicht ganz neu, schließlich gibt es die Basis, das Sportcoupé RCZ, bereits seit dem Jahr 2010.

Der Facelift im vergangenen Jahr wurde vom Kollegen ausführlich besprochen. Aber dieses „R“, dieser magische Buchstabe in der Tradition anderer sagenumwobener Buchstaben wie „GT“ oder „S“. Dieses „R“ macht aus einem leicht verschrobenen Exoten eine brüllende Bestie.

270 geschmeidige PS hat Peugeot dem RCZ-R verpasst. Das sind 70 PS mehr als im stärksten Basismotor, über 100 PS mehr als in der von Handelsblatt Online getesteten Dieselvariante. Und diese geballte Kraft wird ausschließlich über die Vorderachse gejagt. Spinnen die Gallier? Ein wenig vielleicht. Aber das hat beim 208 GTI auch ziemlich gut funktioniert. Beschließen wir also den nicht ganz üblichen Weg mitzugehen. Oder, wie im Fall des RCZ-R, zu spurten.

Eigentlich gehörten Franzosen, speziell Peugeot, nie zu meinem Beuteschema. Hier mal ein kurzer Traum vom Renault Alpine, dort eine Fantasie über eine Landpartie im Citroën DS. Mit Peugeot verband ich lange den von mir äußerst ungeliebten 106, der den Zivis seinerzeit für Dienstfahrten in der Altenpflege, nennen wir es, zur Verfügung gestellt wurde. Aufgrund der Erfahrungen mit dem GTI war ich bereit, dem RCZ eine Chance zu geben. Nein, faktisch war ich heiß auf dieses Auto.

Knackpunkt ist vielleicht die kindliche Faszination von Heckspoilern. Nichts versinnbildlicht Geschwindigkeit, Sportlichkeit so sehr. Der RCZ-R hatte mich mit seinem auffälligen, aber eleganten Heckfortsatz sofort in den Bann geschlagen. Das Testmodell glänzte in sattem Schwarz, das Interieur noch mit Nappaleder und rot abgesetzten Nähten verziert.

Optisch haben die Franzosen bei der in ihren Maßen leicht angeschwollenen Sportkarosse eigentlich alle richtig gemacht. Das mutige Design fällt auf, ohne deplatziert zu wirken. Die Verarbeitung ist solide, ohne Aufpreise für Edles nötig zu machen. Die Linienführung verfolgt das Peugeot-Gen und verfeinert es. Aber es ist, wie es immer ist: die inneren Werte entscheiden. Und das ist gut so.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Hmm. Muss ein Sport-Coupé alltagstauglich sein? Nein. Ist es der RCZ-R? Schon. Der kombinierte Normverbrauch von 6,3 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern ist zwar gewohnt schöngerechnet, aber ein 270-PS-Auto mit rund acht Litern in der Praxis völlig im Rahmen. Reißt nicht am Gasfuß, hat Platz im Kofferraum. Sensoren ermöglichen das Einparken. Allerdings hätte man sich die Rücksitze schlicht sparen können.

Das schönste Detail?

Dieser Heckspoiler. Wirklich. Also wirklich...

Enttäuschend?

Drei gestandene Redakteure haben sich die Zähne daran ausgebissen, Smartphones oder MP3-Player über Bluetooth oder Schnittstellen mit der Bordanlage zu verbinden. Dazu die völlig sinnfreie Rückbank und einige Probleme mit der Übersicht. Kleinere Ärgernisse.

Ist er`s wert?

41.800 Euro kostet die Basis – mit allen Extras, zum Beispiel dem schicken schwarzen Lack, liegt der Sportler noch einmal mehrere Tausend Euro drüber. Davon ist aber viel Spielerei und kaum etwas Muss. Das liegt noch unter dem vergleichbaren Audi TT. Man muss wissen, ob man Sport will. Wenn ja, ist das sicher nicht zu viel Geld für die ordentliche Verarbeitung und den Fahrspaß.

Sound?

Wieder einmal zurückhaltender, als er den Anschein macht. Es traut sich keiner mehr, die Nachbarn zu wecken. Was natürlich okay ist. Ein wenig mehr Wumms könnte. Auch bei der JBL-Anlage, trotz Aufpreis. Konnte leider nicht mit eigener Musik getestet werden.

Wie grün ist das Auto?

Der Verbrauch von 6,3 Litern ist für einen Sportler wenig, wird aber auch nur unter Bestbedingungen und folglich nicht auf der Straße erreicht. Die 145 Gramm CO2 pro Kilometer sind eher ungrün. Lässt sich bei 270 PS auch nicht erwarten und muss beim Kauf mit bedacht werden.

Vorbildlich?

Als Sport-Coupé? Ja. Macht Spaß. Ist ein Hingucker. Eine Schaltwippe wäre nicht schlecht, aber der alte Rührknüppel tut es auch.

Was sagt der Nachbar?

„Kommste aus der Kiste auch wieder raus?“ - Die Antwort lautet erstaunlicherweise „ja“.

Wer guckt?

Der RCZ ist per se Exot und französischer Beau zugleich. Als -R ist er etwas markanter, mancher möchte sagen: männlicher, als das Basis-Coupè. Es schauen viele Zielgruppen, weil er nicht nur auffällig, sondern auch nach viel Leistung aussieht. Der „Muskelkater“ verdreht auch Frauen den Kopf.

Wie fährt er sich?

Hart, aber gut. Nicht erbarmungslos, die Schläge am Heck sind aber mitunter etwas übertrieben. Da vermittelt das Schlagloch schon das Gefühl, die Hinterachse wäre abgerissen. Ansonsten hinterlässt der Vorderradantrieb einen interessanten Kontrapunkt, ohne unbeherrschbar zu werden. Regen gilt es zu vermeiden.

Wo gehört er hin?

Stadt, Land, Fluss. Seine große Stunde dürfte am ehesten bei der sonntäglichen Landpartie schlagen. Nichts für Familien. Nichts für Berufspendler.

Der Fahrer hat erstaunlich viel Raum im erstaunlich großen RCZ-R. Fast zwei Meter breit und rund 4,30 Meter lang ist der Löwe. Für die erste Sitzreihe bedeutet das Komfort. Für die zweite Sitzreihe bedeutet das: Verschwendung. Nicht einmal zierliche Personen können hier wirklich sitzen – wir haben es versucht. Cleverer wäre es gewesen, hier zusätzlichen Stauraum zu schaffen, wenn der Wagen schon die Vier-Meter-Marke passieren muss.

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