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06.09.2013

10:47 Uhr

Porsche 911 Turbo S am Bilster Berg

Näher an den Grenzen der Physik

VonFrank G. Heide

Er spielt mit dem Wind, er segelt, komponiert den Motorsound und ist natürlich komfortabler, teurer, sicherer und stärker als je zuvor. Aber sein wahres Potenzial zeigt der neue 911er Turbo erst auf der Rennstrecke.

Seit seiner Präsentation 1963 wurde "der Elfer" mehr als 820.000 Mal gebaut. Er steht für die Symbiose aus Sport und Alltag. Die Spitze der Baureihe bilden für viele Fans die Turbo-Modelle. PR

Seit seiner Präsentation 1963 wurde "der Elfer" mehr als 820.000 Mal gebaut. Er steht für die Symbiose aus Sport und Alltag. Die Spitze der Baureihe bilden für viele Fans die Turbo-Modelle.

Bad Driburg/DüsseldorfWann immer ein neuer Porsche 911 vorgestellt wird, ist es der beste aller Zeiten. Bis der nächste vorgestellt wird. Was vom 901 im September 1963 bis zum aktuellen 991 am 15.9.2011 galt, ist auch für einen besonders wichtigen Ableger der Sportwagenikone wahr: Den Turbo. Den potenten Straßenrennwagen gibt es nun seit 40 Jahren, und Porsche hat ihn für das neue Modelljahr so umfassend überarbeitet, dass man schon von einem neuen Auto sprechen darf.

Der Turbo kostet als S-Version allerdings auch mindestens 195.256 Euro, dafür darf man schon etwas ganz besonderes erwarten. Und Porsche liefert. Nicht weniger als zwei Autos in einem: Einen besonders potenten Rennwagen, und ein komfortables Business-Coupe, dass City-Alltag und Langstrecke beherrscht. Gut, fast 100.000 Euro pro Auto, das ist rein rechnersich immer noch viel, aber ein echter Porsche hat nun mal seinen Preis.

Und für den bekommt man gerade beim neuen Turbo mehr hilfreiche Elektronik und Fahrer-unterstützende Technik geboten, als jemals zuvor in den bisherigen Modellgenerationen. Galten die Turbos aus Zuffenhausen mit ihren campingtischgroßen Proll-Heckflügeln früher als extrem eigenwillig, zickig, und schwer beherrschbar, so kann den neuen Turbo nun eigentlich jeder rüstige Rentner fahren.

Seine Bedienung ist nicht komplizierter als die eines VW Golf, denn im Prinzip kann man einsteigen, alle Systeme auf Automatik lassen und einfach losfahren. Allerdings in einem Spitzenporsche, der auch noch nie zuvor so lang, so breit und so schwer war.

Das liegt natürlich auch am eingebauten Luxus. Man greift auf Wunsch vom perfekt belederten Schalensitz (mit 18 Verstellmöglichkeiten) aus auf ein mehr als 5.000 Euro teures Multimedia-Infotainment-System zu, dessen 12 serienmäßige Sourround-Lauptsprecher mit Acht-Kanal-Verstärker und Aktivsubwoofer aufspielen. Das Auto kann Verkehrszeichen lesen, erkennt also Tempolimits, das Navi funktioniert natürlich tadellos und schnell, eine Automatik passt die neuen Voll-LED-Scheinwerfer stets richtig den Umständen und er Umgebung an. In anderen Worten ausgedrückt: Man verspürt nach den ersten Kilometern den dringenden Wunsch, weitere 900 folgen zu lassen.

Das wiederum liegt auch an den verschiedenen Fahrmodi, die blitzschnell auf Knopfdruck während der Fahrt gewechselt werden können, und die das Fahrzeug vom gemächlichen cruisenden Sportcoupé in einen heiser fauchenden Racer verwandeln. Aber lässt man alles im Normalmodus, so wechselt der Wagen unmerklich und spritsparend früh die Gänge, „segelt“ mit Zylinderabschaltung, erkennt selbständig Verkehrszeichen, entspannt den Fahrer, indem er anderen Autos automatisch per Abstandsregeltempomat folgt, und hilft ab Jahresende auch kameraunterstützt beim Parken.

Ab Ende September können sich die ersten Turbo-Jünger in den Sportsitz des jüngsten Turbo schmiegen und sich mit 520 PS - oder 560 im S - aus dem Stand auf Tempo 100 in 3,1 bzw. 3,4 Sekunden pressen lassen. Das ist natürlich kein billiges Vergnügen. Aber ein sehr sicher reproduzierbares. PR

Ab Ende September können sich die ersten Turbo-Jünger in den Sportsitz des jüngsten Turbo schmiegen und sich mit 520 PS - oder 560 im S - aus dem Stand auf Tempo 100 in 3,1 bzw. 3,4 Sekunden pressen lassen. Das ist natürlich kein billiges Vergnügen. Aber ein sehr sicher reproduzierbares.

Rund um den Präsentationsort Bilster Berg, Deutschlands neueste Natur-Rennstrecke, zeigte sich der Turbo S auf Autobahn und Landstraße durch den Teutoburger Wald (Check!) gewohnt souverän als Herr jeder Lage. Klar, an den 560 PS starken V6 mit doppelter Turbozwangsbeatmung und permanentem Allradantrieb werden ohnehin hohe Erwartungen in puncto Beschleunigung und Traktion gestellt. Aber der aerodynamisch stark verbesserte Turbo kann die meisten übertreffen, - und hält zudem einige Überraschungen bereit.

Als wichtigste fällt die mitlenkende Hinterachse auf. Sie erhöht die Wendigkeit des Fahrzeugs, wenn es in schnellen, engen Kurven darauf ankommt, möglichst wenig Geschwindikeit einzubüßen, und sie streckt auf gerader Strecke den gefühlten Radstand. Die zwischen 1,5 und 2,8 Grad automatisch einschlagenden Hinterräder machen den Turbo, der mit 1.600 Kilo auch ein wenig fülliger um die Hüften geworden ist, in der Praxis zum wendigen Kompakt-Racer.

Ausfahrt am Bilster Berg

Brachiales Luxuscoupé

Ausfahrt am Bilster Berg: Brachiales Luxuscoupé

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Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.09.2013, 14:05 Uhr

Das Problem bei einem Porsche aus meiner Sicht ist, dass man die Fahrzeuge aus Zuffenhausen mittlerweile schon an jeder Ecke - zumindest hier in Frankfurt-Westend -, inflationär sieht.

Daher hab ich mich im Frühjahr lieber für einen R8 V10-Spyder entschieden, und für die Wintermonate noch zusätzlich den V10-Plus gegen mein 911/991 Coupé eingetauscht (neben einem Cayenne Turbo und einem TT Roadster, die auch noch in der Garage stehen).

Der brachiale Sound des V10-Monsters ist einfach sensationell geil. Dagegen ist der Porsche V6 Boxer-Motor geradezu ein Kindergeburtstag - trotz Sportabgasanlage. Der dumpfe Turbo-Sound hat mir per se noch nie so richtig gefallen. Das letztlich kaufentscheidende Argument war aber die S-Tronic mit dem Facelift-Upgrade 2013. Entspricht dem technischen Stand der PDK. Und der R8 hat zum Glück (noch) Seltenheitswert.

Account gelöscht!

08.09.2013, 12:39 Uhr

Wenn schon einen Supersportwagen mit Seltenheitswert, dann doch bitte keinen R8. Auch dem begegnet man inzwischen häufiger. Aber wie häufig begegnen Sie denn einem SLS AMG. Noch nicht mal in FFM, weder als Coupé und erst recht nicht als Cabrio. Das ist ein Fahrzeug mit allem was das Herz begehrt.

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