Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2013

08:36 Uhr

Porsche Cayenne S Diesel im Autotest

Der Porsche unter den Sparern

VonSebastian Schaal

Der Cayenne ist für Porsche-Traditionalisten ein Frevel: Groß, schwer, hoch und großteils Diesel-betrieben. Doch zwei typisch schwäbische Eigenschaften machen das teure Luxus-SUV sympathisch – und erfolgreich.

Von seinen Benziner-Kollegen oder dem kleineren V6-Diesel unterscheidet sich der Cayenne S Diesel optisch kaum. Sebastian Schaal

Von seinen Benziner-Kollegen oder dem kleineren V6-Diesel unterscheidet sich der Cayenne S Diesel optisch kaum.

DüsseldorfBei dem Stichwort „Porsche“ fällt selbst dem Autolaien sofort etwas ein: Boxermotor, Sechszylinder, die klassische Form des 911er. Kurzum: Es geht um Sportwagen. Doch bei Porsche selbst gilt das heute nur noch eingeschränkt. Die aktuellen Absatzrekorde verdankt der Autobauer nicht seinen Sportwagen, denn mehr als die Hälfte der Zuffenhausener Produktion hört auf den Namen Cayenne.

Kurz nachdem die Stuttgarter Mitte der 1990er Jahre den allenfalls belächelten Hausfrauenporsche Boxster auf den Markt gebracht hatten, folgte für die Traditionalisten schon der nächste, viel schwerwiegendere Tabubruch: Ein neumodisches SUV. Allradantrieb. Frontmotor. Fünf Sitze. In einem Porsche! Unvorstellbar.

Doch längst ist der anfangs von Traditionalisten verhöhnte Cayenne zum Herzstück des Autobauers geworden. Die Verkaufszahlen stimmten selbst die Kritiker milde, es schienen sich tatsächlich solvente Menschen für dieses Trumm von Auto zu interessieren.

Egal, ob damit Pferd samt Tochter zu Turnieren gezogen wird, die Gattin den Wocheneinkauf erledigt oder der Nachwuchs zum Internat chauffiert wird: Der Cayenne ist ein Erfolg. In geradezu ungeahnte Höhen schossen die Verkaufszahlen, als sich Porsche – nach langem Zögern – einen weiteren Tabubruch beging, sich einen V6-Diesel von Audi lieh und den Cayenne auch als Selbstzünder anbot.

Und auch dieser Plan ging auf: In China und Russland verkaufen sich die Benzin-Monster jenseits der 500 PS zwar weiter prächtig, aber der ach so vernünftige Deutsche greift zum Diesel. 2012 waren 73 Prozent aller verkauften Cayenne Diesel.

Die Rechnung ist einfach: Von außen bleibt er ein echter Porsche, den Innenraum stellt sich jeder selbst zusammen, und der 245-PS-Motor ist deutlich genügsamer als die Benziner. Nur eines kommt dabei nicht vor: Spaß.

An dieser Stelle hat ein ganz besonderer Motor seinen Auftritt: Der V8-Diesel mit 4,2 Litern Hubraum namens Cayenne S Diesel. Das 382 PS starke Triebwerk hat mit seinen Sechszylinder-Kollegen soviel gemein wie Mike Tyson mit Kunstturnen. Das wird schon beim Anlassen klar: Von Diesel ist hier nichts zu hören, stattdessen kommt ein scharfes, aber sattes Brabbeln aus den beiden Endrohren. Nicht ganz wie ein V8-Benziner, aber selbst Kenner müssen die Ohren spitzen, um den Selbstzünder überhaupt zu erkennen.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Porsche Cayenne S Diesel

Alltagstauglich?

Oft wird ja gewitzelt, der Cayenne ist der wahre Hausfrauenporsche, nicht der Boxster: Er bietet auch genügend Platz für den Einkauf und die Kinder. Das stimmt auch uneingeschränkt. Doch leider ist der Cayenne nicht der übersichtlichste SUV, weshalb einige Damen in meinem Bekanntenkreis und Verwandtschaft sich nicht freiwillig hinter das Steuer setzen wollten.

Das schönste Detail?

Erstens: Der Porsche hat noch einen echten Zündschlüssel. Zweitens sitzt das Zündschloss dort, wo er sitzen muss – links.

Enttäuschend?

An einigen Details merkt man dem Cayenne sein Alter etwas an, etwa bei der Kofferraumabdeckung, die jedes Mal in ihre Ösen gefummelt werden muss. Das können andere Autos – auch ohne Premium-Anspruch – inzwischen besser.

Ist er's wert?

Rund 79.000 Euro sind ein Wort. Grundpreis, versteht sich. In der Summe kommt unser Testwagen auf über 118.000 Euro. Auf das ein oder andere Extra könnte ich verzichten, die 16.000 Euro Aufpreis zum V6-Diesel würde ich aber investieren. Denn zwischen den beiden Triebwerken liegen Welten!

Sound?

„Das soll ein Diesel sein?“ Die Reaktion des Kollegen ist vollkommen richtig, nach Diesel hört sich der V8 nicht an. Nach einem Benziner aber auch nicht, es ist ein ganz eigenständiges Motorengeräusch. Und das ist keine Eigenart eines V8-Diesels, denn in dem Range Rover TDV8 war der Selbstzünder deutlicher zu hören. Da hat Porsche den Motor ordentlich auf die Sprünge geholfen – ohne Lautsprecher.

Wie grün ist das Auto?

Bei sparsamer Fahrweise haben wir einen Verbrauch von 8,2 Litern erreicht. In einem 2,5 Tonnen schweren Auto mit mehr als 380 PS. Mehr als 12 Liter sind es auf kurvigen und bergigen Landstraßen auch kaum geworden. Für ein so großes und schweres SUV also akzeptabel.

Vorbildlich?

Wie dynamisch ein SUV sein kann. Wenn ich zurückdenke, als die straßenorientierten Geländewagen auch bei deutschen Autobauern in Mode kamen, etwa die erste Generation eines Mercedes ML oder eines BMW X5, musste ein SUV-Fahrer jeglichen Fahrspaß der hohen und komfortablen Sitzposition opfern. Der Cayenne anno 2013 beweist das Gegenteil, er kann sogar in einem leichten Powerslide durch die Kurve getrieben werden. Respekt.

Was sagt der Nachbar?

Nach der Arbeit kommen wir beide gleichzeitig zu Hause an. Er hält nicht viel von SUVs und fragt deshalb kritisch, was „dieses Trumm“ denn so schluckt. Als ich auf den kleinen Diesel-Schriftzug an der Flanke deute, ist er perplex: „So hat sich der Motor aber nicht angehört!“

Wer guckt?

Der Cayenne ist nach vielen Jahren Bauzeit in Deutschland etabliert, da dreht sich kein Passant mehr um.

Wie fährt er sich?

In erster Linie komfortabel – diese Einstellung sollten Sie auch bei der Luftfederung wählen. Auf der Landstraße ergibt „Sport“ kurzzeitig mehr Sinn, denn dann wankt der Cayenne nicht so sehr um die Ecken. Allerdings wird er dann auch bretthart, weshalb schnell wieder „Comfort“ angesagt ist. „Normal“ ist ein lascher Kompromiss und damit nicht empfehlenswert.

Wo gehört er hin?

Mit kleinen Einschränkungen in der Stadt: Fast überall hin. Sogar im soften Gelände.

Zugegeben, neben der Zündprinzip teilt sich der 4,2-Liter-Motor noch etwas mit dem V6: Er stammt ebenfalls von Audi. Mit einer neuen Elektronik, neuen Kolben und neuen Auslassventilen hebt sich der Porsche-V8 vom Audi-Triebwerk ab. Nicht zu vergessen die aufwendige Abgasanlage, die für den besonderen Motorensound sorgt. Auf die ist man in Zuffenhausen besonders stolz.

Ganz nebenbei ist ist diese Urgewalt von Motor natürlich auch noch für ordentliche Fahrleistungen gut. Dank mächtigen 850 Newtonmetern Drehmoment ab 2.000 Umdrehungen geht es in 6,5 Sekunden auf 100 km/h und wären da nicht die Winterreifen unseres Testwagens (maximal 240 km/h), würde der Cayenne bis 252 Stundenkilometer weiter beschleunigen. 2,5 Tonnen Leergewicht zum Trotz.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

audi

12.12.2013, 09:33 Uhr

ein sehr gefälliges, schönes Auto, was man gerne sieht. Und mit dem off. Audi-Motor kommt nun auch ein Qualitätsprodukt von Volkswagen in die sonst so beliebte Karosse von Porsche.

Man sollte nie vergessen, dass besonders die Dieselmotoren ein High End Produkt sein müssen, will man Effizienz mit Qualität verbinden. Das aber schaffen Klein-Betriebe wie Porsche und BMW nie. Volkswagen dagegen hat durch seine Größe auch die Power, um für seine Töchter so ein high-end Produkt zu entwickeln.

Dem Käufer kann es nur recht sein. So bekommt er die bewährte Qualität von Volkswagen in einer Karosse, die seinen Wünschen entspricht.

Elvis

12.12.2013, 10:03 Uhr

Porsche ist kein Kleinbetrieb, sondern eine Marke von VW, wie Skoda oder Seat. Porsche wird -zugegeben unter Fachleuten- auch Sport-Skoda genannt. Im Übrigen kosten 10 Jahre alte Cayenne keine 10 TEUR mehr. Das ist alles andere als wertstabil.

Account gelöscht!

12.12.2013, 10:40 Uhr

@Elvis
Restwerte von Fahrzeugen, die nur eine Minderheit kauft, die Mehrheit aber least, werden über 3 - 4 Jahre berechnet, nicht über 10. Und Cayenne von 2003 kosten nur in Ausnahmefällen 10.000, meist deutlich mehr. Siehe Autoscout.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×