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18.02.2014

09:23 Uhr

Porsche Macan

Der Tiger ist los

VonPeter Eck
Quelle:Spotpress

Eine neue Porsche-Baureihe – da merken die Enthusiasten und Fans der Marke gleich auf. Und werden vielleicht enttäuscht sein. Denn der Macan ist ein Mittelklasse-SUV, kein neuer Sportwagen. Und kein Volksporsche.

Fahrbericht: Porsche Macan - Der Tiger ist los Porsche

Fahrbericht: Porsche Macan - Der Tiger ist los

Vormals galt Porsche als reiner Sportwagenhersteller. Lange Zeit war sogar nur ein einziges Modell, der Klassiker 911, im Angebot. Mittlerweile wurde die Palette deutlich ausgebaut, zum Beispiel durch den schon seit einigen Jahren erhältlichen großen SUV Cayenne oder die Luxuslimousine Panamera. Mit dem ab Anfang April angebotenen Macan setzt die VW-Tochter die Verbreiterung ihrer Basis fort.

Das Mittelklasse SUV ist zum Marktstart mit drei Turbo-Motoren erhältlich: Der 3,0-Liter-Diesel (190 kW/258 PS) und der gleich große Benziner (250 kW/340 PS) stehen ab 57.930 Euro in der Preisliste, das Spitzenmodell Turbo kostet in Deutschland mindestens 79.826 Euro.

Wenn Porsche-Vorstandchef Matthias Müller den Macan (indonesisch für „Tiger“) als das „richtige Modell zur richtigen Zeit“ bezeichnet, dann spielt er vor allem auf Wachstumschancen an. Denn das fünfsitzige Fahrzeug tritt im sich schnell vergrößernden Markt kompakter und mittlerer SUV an und soll sich dort ähnlich gut schlagen wie der größere Cayenne eine Klasse darüber. Von dem hat Porsche 2013 über 80.000 Einheiten abgesetzt, vom Macan sollen es mindestens 50.000 werden. Kann der „Sportwagen unter den SUV“ (Porsche-Eigenlob) seinem Anspruch gerecht werden?

Der Einstieg in das im Werk Leipzig montierte Fahrzeug fällt leicht. Vor den Insassen türmt sich weder der Lkw-artige Hochsitz manch großer SUV, noch muss man sich tief in ein Sportwagengestühl falten. Zündschlüssel links, ein schönes Sportlenkrad und die heute bei dieser Marke fast unvermeidliche und durchaus nicht unumstrittene ansteigende Mittelkonsole mit vielen, auf den ersten Blick nicht leicht zu unterscheidenden Knöpfen – bis hierhin ist alles typisch Porsche.

Man ist geneigt, die selbstbewusste Ansage der Stuttgarter bezüglich der sportlichen Fähigkeiten zunächst nicht allzu hoch zu bewerten, zumal Wettbewerber wie Mercedes (GLK), BMW (X3) oder auch die Konzernschwester Audi mit dem Q5, der dem Macan ja als Ausgangsbasis diente, je nach Motorisierung durchaus veritable Sportgeräte auf die Räder stellen.

Kurzcharakteristik

Alternative zu:

anderen stark motorisierten Mittelklasse-SUV, einem Porsche Cayenne oder einem Sportwagen (je nach Perspektive)

Passt zu:

Fahrern, die auf das „S“ in „SUV“ besonderen Wert legen

Sieht gut aus:

im Vergleich zum Cayenne und vielen anderen „sportlichen“ SUVs

Wann kommt er:

Anfang April 2014

Was kommt noch:

Vierzylinder-Benziner, GTS-Version – weitere Derivate

Mit dem Diesel unter der Motorhaube, klares Volumenmodell in Deutschland und Europa, reagiert der Macan tatsächlich zunächst nur wie ein gut motorisiertes SUV. Kein Wunder, knapp 260 PS sind ja heutzutage eine durchaus bescheiden anmutende Anzahl von Pferden. Mit dem für den Diesel und den schwächeren Benziner optional erhältlichen elektronisch geregelten Dämpfersystem (PASM) für rund 1.150 Euro sieht das dann schon anders aus.

Wer hier den Schalter „Sport Plus“ drückt, fährt von einem Moment auf den anderen ein deutlich schneller und dynamischer ansprechendes Fahrzeug. In schnell gefahrenen Kurven kann der Diesel-Macan das Mehrgewicht auf der Vorderachse allerdings nicht verleugnen: Das Fahrzeug schiebt merklich über die Vorderachse, schnell quietschen die Reifen – auch wenn rein fahrdynamisch die Grenze noch längst nicht erreicht ist und das abschaltbare aber nicht abgeschaltete ESP still in sich ruht.

Der 3,0-Liter-Diesel (190 kW/258 PS) und der gleich große Benziner (250 kW/340 PS) stehen ab 57.930 Euro in der Preisliste, das Spitzenmodell Turbo kostet in Deutschland mindestens 79.826 Euro. Porsche

Der 3,0-Liter-Diesel (190 kW/258 PS) und der gleich große Benziner (250 kW/340 PS) stehen ab 57.930 Euro in der Preisliste, das Spitzenmodell Turbo kostet in Deutschland mindestens 79.826 Euro.

Trotzdem, das muss sportlicher gehen. Tut es auch und zwar mit den neu entwickelten Benzinern. Auch wenn nur der größere 3,6-Liter auf den Namen „Turbo“ hört, die Zusatzbeatmung hat auch der 3,0-Liter an Bord. Dessen 340 PS machen den Macan in Verbindung mit dem leichteren Motor schon mal zu einem sehr, sehr sportlichen SUV. Auch wenn sich das Fahrzeug akustisch arg zurückhaltend gibt, an Beschleunigung (0-100 km/h: 5,4 s) und Vmax (254 km/h) gibt es nichts auszusetzen. Und anderes als beim Diesel auch nicht an der Kurvenlage.

Natürlich beherrscht der 400 PS starke Turbo dieses Metier noch einen Tick besser. Aber ganz ehrlich: Der Fahrer wird dies im Alltag kaum merken. Man muss es schon auf höchste Geschwindigkeiten abgesehen haben (Vmax 266 km/h) oder gerne besonders brutal beschleunigen (4,8 s), um den Unterschied herauszufahren.

Trotzdem: Hierzulande werden sich die mit Abstand meisten Käufer für einen Diesel, der größte Teil des Rests für den Turbo entscheiden. Angesichts eines Unterschieds von knapp 22.000 Euro beim Basispreis zwischen Macan S und Macan Turbo, fiele uns die Wahl zwischen beiden Aggregaten nicht schwer. Fahrspaß hat man in jedem Fall, auch wegen der idealen Sitzposition – sieben Zentimeter tiefer als beim Cayenne -  hinter einem präzisen, exakt dimensionierten und schön anzufassenden Volant.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.02.2014, 14:26 Uhr

Er wird ein kurz- und mittelfristiger finanzieller Erfolg, soviel ist sicher.
Aber ob sich ein 911er Fahrer in der Nachbarschaft von Macan Fahrern wohlfühlt?
Ich war konsequent und bin vor 2 Jahren bereits auf eine wahre Sportwagenmarke umgestiegen. Die bis heute keine Hämorrhoidenschaukeln an Ü80 Kunden verkaufen.

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