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18.06.2014

11:16 Uhr

Porsche Macan S im Handelsblatt-Test

Einer, der Staub aufwirbelt

VonOliver Stock

Der neue Porsche Macan macht Träume für viele fast erschwinglich. Und das Beste: Wer einsteigt, hat nicht ausgeträumt. Ist der kleine Bruder des Cayenne endlich so eine Art Volksporsche?

Der neueste Porsche: Der Macan mit dem sportlichen "S" als Namensanhängsel ist die mittlere von drei Varianten der fünften Baureihe aus Zuffenhausen. Sebastian Schaal

Der neueste Porsche: Der Macan mit dem sportlichen "S" als Namensanhängsel ist die mittlere von drei Varianten der fünften Baureihe aus Zuffenhausen.

DüsseldorfMein Porsche – mein Traum. Und 60.000 Euro ist eine Summe, die zwar eine Menge ist, für ein Traumauto aber geradezu überschaubar klingt. Für knapp 58.000 Euro Listenpreis gibt es einen von diesen Porsche Macans. Ein Modell S. Inklusive ein paar Extras und abzüglich ein bisschen Rabatt – das ganze wirkt erschwinglich. Ist der Macan endlich so eine Art Volksporsche? Ich habe mich hineingesetzt. Los geht‘s.

Und zwar zügig. Mein weißer Macan S schafft es in 5,4 Sekunden von null auf 100. Dabei lassen sich Fahrwerk und Getriebe in drei Stufen abstimmen: Normal ist das, was bei anderen sportlich ist. Sportlich ist das, was andere als „am Limit“ bezeichnen würden. Und die dritte Stufe, die supersportliche, ist von Beschleunigung, Handling und Sound her das, was zumindest solche wie mich, die nie in einem Formel-1-Wagen gesessen haben, als Rennwagen-Feeling auffassen. Macht Spaß.

Es macht Spaß, den anderen das rundliche Heck zu zeigen. Es beeindruckt mich, dass nichts rutscht, quietscht oder am Lenkrad zerrt, sondern, dass dieser Wagen aus der Gattung der SUV, die an sich doch einen ungünstigen Schwerpunkt haben, sich im Sport-Modus fährt wie der ICE zwischen Köln und Frankfurt: Höchstgeschwindigkeit auf Schienen. Obwohl, ICE bin ich auch noch nie selbst gefahren.

Ich mag es, von den Beschleunigungskräften ins schwarze Leder gepresst zu werden. Und klar: Der Hinguckfaktor ist hoch. Der Macan ist noch funkelnagelneu im Straßenbild. Und jeder andere Autofahrer, der nur ein bisschen Benzin im Blut hat, sieht bei dem Porsche, der von vorne wie ein Cayenne daherkommt, genau hin, um zu erkennen, dass es sich hier möglicherweise ums neueste Objekt seiner Begierde handelt.

Der Macan wirbelt Staub auf. Das gilt auf der Straße, das gilt im Kopf. Auf der Straße lässt er zumindest seine SUV-Konkurrenten alt aussehen. Der BMW X3 – ja, den bin ich schon gefahren – er wirkt wie Omas alter Hackenroller gegen dieses Geschoss. Der Seitenhalt der Sitze lässt sich individuell auf den Fahrer einstellen, das konnte mein BMW nicht.

Überhaupt ist dieses nervige Gefummel mit den Händen unten am Sitz kein Thema im Macan. Dort, wo wir uns bei anderen Modellen entweder die Hände klemmen, das Uhrarmband abreißen oder den Ring verlieren, dort lassen sich im Porsche ohne Verrenkungen Knöpfe ertasten, die schon von der Form her erkennen lassen, wofür sie gut sind: der lange Waagerechte zum waagerechten Sitz verschieben, der aufrechte Senkrechte für die Lehne. Die Bedienung des Autos ist auch ansonsten intuitiv.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Mit Einschränkungen, ja. Natürlich bietet das Auto auf den hinteren Plätzen nicht den Platz wie ein klassischer Familien-Kombi oder der große Macan-Bruder Cayenne. Aber mit zwei Erwachsenen und einem Kind auf der Rückbank kann man es hier trotzdem erstaunlich gut aushalten.

Das schönste Detail?

Die neuen kugelförmigen Schalter im Lenkrad. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber ergonomisch voll gelungen.

Enttäuschend?

Zu viele Knöpfe, Tasten und Schalter. Und die Übersichtlichkeit. Ohne Rückfahrkamera kann man ihn nicht einparken.

Ist er's wert?

Der Basispreis unter 60.000 Euro geht in Ordnung, aber wer kauft schon einen Porsche in Grundausstattung. Und bei den guten Extras sind auch die Preise extra selbstbewusst. Also doch kein Volksporsche.

Auffällig: Der Audi Q5 liegt bei den Restwerten sogar ein Quentchen besser als der Macan (siehe Artikelende).

Sound?

Innen gediegen geräuschgedämmt. Außen mäßig sportlich. Dem V6-Benziner fehlt das Heisere, Emotionale des Boxer-Motors.

Wie grün ist das Auto?

Gar nicht. Schon der Normverbrauch liegt bei fast 9 Liter Super Plus. Im Test sind es eher elf, und mehr. Und zwar Super Plus. Und weil es das nicht mehr an jeder Tankstelle gibt, muss auch schon mal der noch teurere Premium-Sprit V-Power, Ultimate oder wie sie sonst heißen getankt werden.

Vorbildlich?

Fahrwerk, das können sie bei Porsche. Und den kompletten Charakter des Autos auf Knopfdruck verändern. In Sekundenbruchteilen während der Fahrt, natürlich.

Was sagt der Nachbar?

„Neuer Firmenwagen? Oder privat gekauft?“ fragt der eine mit bewunderndem Unterton in der Stimme. Der andere bekommt glänzende Augen: „Das ist doch der neue Cayenne? Interessiere ich mich auch für – aber die Chinesen kaufen ja alles weg, was sie kriegen können.“ Und rasselt herunter, wo das Auto gebaut wird, wo seine Vorteile liegen und welche Motoren es gibt.

Wer guckt?

Alle, die sich für SUV interessieren. Das sind ungefähr so viele, wie sich für Fußball interessieren. Auf der Straße abgestellt, hat er ständig Spaziergänger als Bewunderer um sich herum.

Wie fährt er sich?

Unangestrengt, aber auf Wunsch für ein SUV überraschend sportlich.

Wo gehört er hin?

Auf den knirschenden Kiesweg vor der freistehenden Villa. Und auf die Boulevards der Metropolen.

Schade nur, dass offenbar nicht alle Knöpfe in die Mittelkonsole passten. Der Ausschalter für den Abstandpiepser ist unterm Dach. Dort sucht ihn sicher keiner, weswegen ihn auch keiner findet. Wer kleinlich ist, vermisst auch die hinteren Frischluftdüsen.

Wer nicht so denkt, sagt sich: Mitfahrer kommen beim Porsche sowieso ins Schwitzen, und das sollte der Hersteller auch nicht künstlich verhindern. Die Kopffreiheit für den Fondspassagier mit Standardmaß 1,80 Meter ist knapp bemessen, die hinteren Fenster lassen sich nicht vollständig im Türrahmen versenken. Dafür lässt sich das Glasschiebdach soweit öffnen, das solche, die nie ein Cabrio gefahren sind von Cabrio-Feeling schwärmen werden – zu denen gehöre ich aber nicht.

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