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20.03.2014

07:56 Uhr

Porsche Panamera Turbo S im Test

Surfe auf der Drehmoment-Welle!

VonFrank G. Heide

Dieser Porsche ist ein Schiff. In puncto Abmessungen und Ausstattung. Das Verhältnis von Masse zu Power stimmt aber. Ein V8-Turbo, Allradantrieb und adaptives Fahrwerk machen ihn per Knopfdruck zum Sportboot.

Wer fahren will, muss zahlen können: 34.000 Euro teurer als der Panamera Turbo ist der Turbo S. Für mindestens 180.024 Euro sind aber auch fast alle Extras an Bord. Leider verliert das Fahrzeug in vier Jahren über 95.400 Euro an Wert. Sebastian Schaal

Wer fahren will, muss zahlen können: 34.000 Euro teurer als der Panamera Turbo ist der Turbo S. Für mindestens 180.024 Euro sind aber auch fast alle Extras an Bord. Leider verliert das Fahrzeug in vier Jahren über 95.400 Euro an Wert.

DüsseldorfDas ist schon das zweite mal diese Woche: Mein 570-PS-Porsche steht still und unbewegt auf der A52, äußerst linke von drei Fahrspuren. Und der Motor ist aus. Aber keine Panik: Der Panamera hat den 4,8-Liter-Turbo selber abgeschaltet, um ein bisschen Super Plus zu sparen, das er so gerne hat. Es ist mal wieder Stau, um 7:30 Uhr morgens Richtung Düsseldorf. Was natürlich die üblichen Vorzüge eines fast 200.000 Euro teuren Luxusautos stark relativiert. Rechts zieht ein Kleinlaster vorbei, der Fahrer grinst beim Herüberschauen.

Aber ich lächle entspannt zurück. Die Sitzheizung steht auf Stufe 2, Lenkrad, Ledersitz und Lendenwirbelstütze sind millimetergenau auf Lieblingsposition justiert, die Abblendautomatik des Rückspiegels erspart grelles Licht von hinten. Das Bose-Hifi-System massiert per sanftem Surroundsound die Gehörgänge mit meiner aktuellen Playlist von der Jukebox-Festplatte.

Wenn ich statt Motown wieder Motor hören will, drücke ich die Taste für die mechanische Auspuffklappensteuerung. Dann deutet der V8 satt brabbelnd sein wahres Potenzial an. Und in der mächtigen Mittelkonsole dampft ein leckerer Cappuccino. In diesem Moment, in diesem Fahrzeug ist es völlig egal, ob ich nun noch weiter auf der linken Spur stehe oder noch 1.000 Kilometer zu fahren habe.

Wichtige Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Besteht der Alltag aus langen Autobahn-Etappen, gibt es kaum einen besseren Wagen. Geht es regelmäßig durch Innenstädte und in Parkhäuser, wünscht man sich aber geringere Ausmaße und mehr Übersicht.

Das schönste Detail?

Wie bei vielen Porsche: Der Tritt aufs Gaspedal.

Enttäuschend?

Wie klein die Parkhäuser und Tiefgaragenplätze auf einmal geworden sind. Und auch so unübersichtlich.

Ist er's wert?

Das liegt im Auge des Betrachters. Mit mindestens 180.000 Euro kostet dieser Panamera so viel wie der neue Bentley Continental GT V8 S, der noch exklusiver ist. Für Normalsterbliche beginnt in diesem Preisbereich der Traum von den eigenen vier Wänden.

Sound?

Zweimal Spitzenklasse: 1. Motor: Die Klappensteuerung der Auspuffanlage lässt sich in jedem Fahrmodus manuell dazu schalten, das ist ein großer Spaß für den Fahrer. Weniger für den Nachbarn.

2. HiFi: Die Bose-Anlage beherrscht 5.1-Surround-Sound aus 14 dezent platzierten Lautsprechern. Besser gehts nur mit der Burmester-Anlage, aber die kostet einige Tausender extra.

Wie grün ist das Auto?

Wir reden über einen 4,8 Liter großen V8 mit Turbolader. Da sind Farbenspiele nicht so wichtig.

Vorbildlich?

Die Souveränität, mit der der Wagen alle Fahrmodi beherrscht.

Was sagt der Nachbar?

"Arbeiten Sie jetzt beim ADAC?"

Wer guckt?

Viel mehr Menschen als zunächst erwartet. Meine Vermutung: Die gelben Bremssättel und die ausdrucksstarke Frontbeleuchtung locken Blicke an.

Wie fährt er sich?

Drehmomentstark! Der V8 ist eine Wucht. Würde nicht Turbo draufstehen, würde man das nicht merken. Die Leistungsentfaltung ist so linear, da fühlt sich nix nach Turbo-Loch und anschließendem Drehmoment-Monster an. Da ist einfach immer Schub.

Wo gehört er hin?

Auf Urlaubsreise sollte man ihn schicken. Man kann dann entspannt oder adrenalingesättigt ankommen. Das liegt an jedem selbst.

Am Panamera finden Porsche-Traditionalisten ja vieles ungewöhnlich, und das ist freundlich ausgedrückt. Was „Gusseiserne“ stört, sind die Abmessungen, das Gewicht, das Design mit dem auffällig großen Hinterteil. Dazu kommen vier Türen, ein Diesel wird angeboten, ja es gibt inzwischen sogar eine Langversion, die es auf 5,12 Meter bringt.

Kann Porsche in einem solchen Fahrzeug das Versprechen einlösen, dass in jedem Modell der Marke noch 911er-Gene stecken? Klar ist, es kann nicht viel von der 911-Philosophie sein, denn der Gran Turismo operiert eben vorrangig im Spannungsfeld zwischen gewichtiger Reiselimousine und potentem Sportgerät.

Schon die Beschleunigung aus dem Stand ist berauschend. Es hat eine eigene Qualität, wenn so viel Masse in nur 3,8 Sekunden von Null auf 100 km/h voranprescht. Der permanente Allradantrieb hilft enorm dabei, die bis zu 800 Newtonmeter sicher auf den Asphalt zu bringen.

Der Panamera wackelt beim Kickdown ganz kurz mit dem Hinterteil, der Fahrer genießt das fast übermächtige Gefühl von einer gewaltigen Drehmoment-Welle nach vorne gespült zu werden. Das Panamera-Schiff legt mit Turbo-Power ab, es drückt ganz gewaltig im Rücken, und will damit einfach nicht aufhören. Die Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe schnalzt die Gänge rein, was nur als minimaler Ruck spürbar wird.

Selbstverständlich kann der Fahrer vor oder während dieser Beschleunigungsorgie das luftgefederte Sportfahrwerk anpassen, ebenso Motormanagement und Getriebe. Die Fahrstufen Komfort, Sport oder Sport Plus werden in der Mittelkonsole dazu einfach per Tastendruck ausgewählt, den nicht unerheblichen Rest der Arbeit erledigt die Elektronik in Bruchteilen von Sekunden.

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