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02.06.2015

10:02 Uhr

Renault Kadjar im Fahrbericht

Nachzügler mit Erfolgsgarantie

VonPeter Maahn
Quelle:Spotpress

Nach langem Zögern bietet endlich auch Renault ein Modell der begehrten Gattung kompakter SUV. Der neue Kadjar ist eng mit dem Nissan Qashqai verwandt, kommt mit sparsamen Motoren, frechem Äußeren und moderaten Preisen.

Wie schon der kleinere Captur trägt auch der Kadjar das neue Renault-Gesicht mit der dominanten Marken-Raute im Zentrum.  Renault

Wie schon der kleinere Captur...

... trägt auch der Kadjar das neue Marken-Gesicht mit der dominanten Raute im Kühlergrill-Lächeln.

Es ist schon erstaunlich: Da hat Nissan seit Jahren ein erfolgreiches SUV im Programm und verkauft es sehr erfolgreich. Der Qashqai, eine Mischung aus Geländewagen und Kombi, ist sogar das meistverkaufte Nissan-Modell in Deutschland. Fehlanzeige dagegen bei der französischen Schwesterfirma. Während die Hochbeiner der 30.000-Euro-Klasse ringsum boomen, mussten die Renault-Händler die Interessenten bisher wieder heimschicken. Mit dem ab knapp 20.000 Euro erhältlichen Kadjar wird das jetzt anders.

Denn natürlich stecken im Kadjar die Gene des Quashqai. Der Renault ist zwar um sieben Zentimeter länger, rollt aber auf derselben Plattform. Verwechslungsgefahr besteht trotzdem nicht. Die Gemeinsamkeiten bleiben versteckt und für den Betrachter unsichtbar. Designer Laurens van den Acker hat den 4,45 Meter langen Fünftürer mit einer gewollten Prise Protzigkeit geschmückt, während der Qashqai eher zurückhaltend daherkommt.

Wie schon der kleinere Captur trägt auch der Kadjar das neue Renault-Gesicht mit der dominanten Marken-Raute im Zentrum. Dazu schmale Scheinwerferaugen (gegen Aufpreis auch in LED-Technik), an den Seiten unter dem geschwungenen Stoßfänger kreisrunde Zusatzleuchten.

Die Motorhaube mit einem mittigen Wulst ist recht hoch, wird durch schmale Blechflanken begrenzt. An den Seiten macht der Kadjar dicke Backen über den Rädern, die ihn wuchtiger erscheinen lassen, als es die Papierform verheißt. Dagegen ist das gute Ende des Franzosen mit der weit nach oben schwingenden Hecktür optisch deutlich zurückhaltender.

In dem überschaubaren Angebot an recht kleinen Motoren (zwei Diesel, ein Benziner) wird wohl der 1,6-Liter-Selbstzünder mit 96 kW/130 PS das Rennen um die Gunst der deutschen Kunden gewinnen. Er meldet sich mit dezentem Schnattern beim Druck des Startknopfes. Der aus anderen Renault-Modellen bekannte Motor erweist sich schon auf den ersten Metern als völlig ausreichend für den mit 1,5 Tonnen nicht übermäßig schweren Kadjar.

Unter dem Gasfuß lauert genügend Durchzugskraft (320 Newtonmeter), um das frontgetriebene Modell bei Laune zu halten. Eine Version mit Allradantrieb steht auch in der Preisliste, wird aber wohl nur von einem Viertel der künftigen Eigner bestellt werden.

KurzcharakteristikRenault Kadjar dCi 130
Warum?Weil er richtig gut aussieht, sparsam und praktisch ist
Warum nicht?Weil man einen Geländewagen-Klon im Stadtverkehr albern findet
Was sonst?Nissan Qashqai, VW Tiguan, Mazda CX-3

Auf den verwaisten Landstraßen rund um die Expo-Stadt Saragossa wird schnell klar, dass der Kadjar keine sportlichen Ambitionen weckt. Bei ihm geht es nicht darum, in engen Kurven den Grenzbereich zu erforschen oder die linke Spur der Autobahn zu bevölkern. Er beherrscht dafür die wichtige Disziplin des souveränen Reisens mit guter Aus- und Übersicht für alle Insassen. Die Fünfer-Sitzgruppe bietet Komfort auf allen Plätzen, dank des recht hohen Dachs sogar mit viel Luft über dem Haupthaar. Bei der Auslegung des Fahrwerks gelang es den Franzosen, eine gute Mischung aus Geschmeidigkeit und für die Fahrsicherheit nötiger Straffheit zu bieten.

Mühe gab sich Renault auch bei der Wahl der Materialien im Innenraum.  Renault

Schön aufgeräumt

Mühe gab sich Renault auch bei der Wahl der Materialien im Innenraum.

Ein echter Cruiser also, dieser zum gleiten einladende Kadjar. Der Normverbrauch von 4,3 Litern ist allerdings auch bei derart ruhiger Gangart nicht erreichbar. Aber die Sechs vor dem Komma ist durchaus machbar, wenn schnell hochgeschaltet und auf allzu rasante Spurts verzichtet wird. Denn die 130 Pferde lassen sich schnell zum Galoppieren animieren, wenn es ans Überholen geht.

Den Spurt auf Tempo 100 schafft diese Version übrigens bei geübtem Umgang mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe in knapp zehn Sekunden.

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