Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2013

08:29 Uhr

Renault Laguna als Gebrauchter

Preistipp mit Einschränkungen

Quelle:dpa

Beim Laguna entdeckte Renault das Coupé wieder. Das Mittelklassemodell gibt es aber auch als viertüriges Fließheck und als Kombi. Wer ihn als Gebrauchtwagen kaufen will, sollte beim Baujahr 2003 ganz genau hinsehen.

Gebraucht günstig zu bekommen, aber nicht ganz frei von Macken: der Renault Laguna, im Bild ein Grandtour der dritten Modellgeneration PR

Gebraucht günstig zu bekommen, aber nicht ganz frei von Macken: der Renault Laguna, im Bild ein Grandtour der dritten Modellgeneration

BerlinMit dem Laguna nahmen die Franzosen 2008 zum ersten Mal seit dem Fuego in den 80er Jahren wieder ein Zweitürer mit abfallendem Heck ins Programm auf. Das Modell ist auch als viertüriges Fließheck und als Kombi erhältlich. In Sachen Qualität hat der Laguna eine Entwicklung durchgemacht: Während die Modellvielfalt wuchs, wurden die Marotten über die Jahre weniger.

Bei der Kfz-Hauptuntersuchung (HU) kommt das aktuelle Modell besser weg als die Vorgängergeneration. Bei dieser fällt den TÜV-Prüfern überdurchschnittlich oft Verschleiß an den Achslagern auf. Aber auch bei der aktuellen Laguna-Auflage sind die Fahrwerksprobleme - insbesondere an der Hinterachse - noch nicht vollends behoben. Der Fußbremse attestieren die Prüfer dagegen gute Noten, auch die Abgasanlage sei okay, heißt es im «TÜV Report 2013».

Bereits nach fünf Jahren müssten Halter jedoch mit Undichtigkeiten im Kraftstoffsystem rechnen. Auch der ADAC attestiert dem Laguna eine zunehmend geringere Pannenanfälligkeit. Problematisch sei aber das Baujahr 2003: Bei Benzinern dieses Jahrgangs fielen oft gerissene Zahnriemen, defekte Kraftstoffpumpen und verschmutzte Kurbelwellensensoren auf. Dieselfahrer blieben mit gerissenen Antriebsriemen oder defekten Turboladern liegen.

Der Club weist auch auf einige Rückrufe hin: Die gab es unter anderem wegen problembehafteter Keilriemen (2001) und ABS/ESP-Stecker (2003).

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Als Nachfolger des Renault 21 kam der Laguna 1994 erstmals in die Verkaufsräume der Händler - zunächst als Schrägheck und Kombi, der für den deutschen Markt Grandtour genannt wurde. Die 2001 eingeführte zweite Generation erhielt 2005 ein Facelift. 2007 folgte die verbesserte dritte Generation, die es seit 2008 auch als Coupé gibt. Die GT-Modelle fahren serienmäßig mit Allradlenkung, bei einigen anderen gibt es sie als Option.

Der Laguna wartet mit einer großen Auswahl an Motoren auf. Die ab der zweiten Modellgeneration eingebauten Benzinaggregate leisten je nach Baujahr und Karosserieform von 79 kW/107 PS bis 175 kW/238 PS, auf die das Coupé maximal kommt. Für die Diesel stehen 72 kW/98 PS bis 177 kW/241 PS im Datenblatt. Von 2010 bis 2012 gab es auch eine E85-Version für den Betrieb mit Ethanol-Kraftstoff, die 103 kW/140 PS abgibt.

Die Renault-Mittelklasse gilt gebraucht als Preistipp. Für einen Laguna Grandtour 2.0 16V Exception mit 103 kW/140 PS von 2008 mit 76.800 Kilometern auf dem Zähler werden laut Schwacke-Liste noch etwa 11.540 Euro fällig.

Ein Coupé gleichen Baujahrs mit gleicher Laufleistung - etwa der Laguna 2.0 16V Turbo Dynamique mit Automatikgetriebe und 125 kW/170 PS - ist für um die 12.250 Euro zu bekommen. Ein älteres Fließheck wie der Laguna 2.2 dCi Dynamique von 2005 mit 110 kW/150 PS kostet noch rund 5.550 Euro (134.400 Kilometer).   

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Clio

02.06.2013, 21:13 Uhr

Im Urlaub hatte ich mal einen Clio als Mietwagen - und abgesehen von den elektronischen Anzeigen funktionierte fast alles!
Für mich ist der Laguna wie ein großer Haufen Blech, der ganz schön Aua machen kann, wenn man mit dem Schienbein dagegen tritt.

Und die wirklich (...) kaufen ihn, um zu zeigen, daß sie (...) sind und evtl. auch Französisch sprechen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Account gelöscht!

03.06.2013, 08:12 Uhr

Daß in Autos dieser Größenklasse immer noch Motoren mit den BEKANNT anfälligen Zahnriemen zum Einsatz kommen, ist mir unverständlich. Bei kleineren Motoren bietet sich das aus Kostengründen an, aber wenn man hier liest, daß Zahnriemenrisse beim Laguna offenbar öfters vorkommen und man weiß, daß ein gerissener Zahnriemen gleichbedeutend mit "kapitaler Motorschaden" ist, würde ich von einem Kauf Abstand nehmen. Die Kosten für einen Motorschaden können den Zeitwert eines solchen Modells locker übersteigen, zumal es für solch eher seltene Fahrzeugs kaum Motoren vom Schrott gibt. Da heißt es dann "Motorüberholung". Prost Mahlzeit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×