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13.06.2016

10:35 Uhr

Renault Mégane dCi 130

Mit spielerischem Charme

VonHolger Holzer
Quelle:Spotpress

Der Renault Mégane erreicht zwar nicht die kühle Perfektion des VW Golf, gleicht das aber mit besonderem Charme aus. Für den muss man allerdings auch empfänglich sein.

Der Franzose zählt zu den eher großen Modellen seiner Klasse Renault

Renault Megane

Er zählt zu den eher großen Modellen in der so genannten Golf-Klasse

Wohl noch nie fiel es so leicht, auf einen VW Golf zu verzichten wie heute. Nicht etwa wegen des Diesel-Skandals. Sondern weil Konkurrenten wie Opel Astra, Peugeot 308 oder Hyundai i30 dem Bestseller aus Wolfsburg in Sachen Anmutung und Ausführung so eng auf den Pelz gerückt sind wie in dieser Konzentration niemals zuvor.

Auch der Renault Mégane reiht sich seit der Neuauflage im Frühjahr in die Riege der längst nicht mehr chancenlosen Herausforderer ein. Der Franzose liefert dabei die in der Kompaktklasse gefragten Qualitäten, kann dabei aber auch eigene Akzente setzen.

Zunächst zum Pflichtprogramm: Schon äußerlich demonstriert der Renault Selbstbewusstsein und Führungsanspruch. Die stark konturierte Karosserie lässt die Neuauflage ernsthafter und eleganter wirken als den etwas verspielteren Vorgänger. Die mittlerweile markentypischen Tagfahrlicht-Sicheln an der Front sorgen im Rückspiegel des Vordermannes sogar für ein wenig Überholprestige.

Auch das Cockpit setzt eigene Akzente Renault

Blick in den neuen Megane

In der französischen Kompaktklasse setzt nicht nur das Cockpit eigene Akzente

Der Mégane ist zwar kein Linksspur-Abonnent, in der getesteten Version mit dem mittleren Diesel aber ein durchaus dynamisches Auto; der Vierzylinder zieht williger und kräftiger als es seine 96 kW/130 PS im Vorfeld vermuten ließen, ist dabei angenehm laufruhig und nicht zu durstig.

Knapp sechs Liter sind zwar fast zwei Liter mehr als vom Hersteller versprochen, aber angesichts der gebotenen Fahrleistungen durchaus angemessen.

Der souveräne Motor trifft auf ein ausgewogenes Fahrwerk, das ein wenig komfortabler abgestimmt ist als bei den meisten deutschen Konkurrenten, ohne aber zu weich oder gar schwammig zu wirken. Entsprechende Vorbehalte gegen französische Autos sind nicht nur hier also längst überholt. Gegenüber dem Vorgänger fällt außerdem die deutlich verbesserte Lenkung auf, die nun nicht mehr so synthetisch wirkt wie zuvor.

Ausprobiert: Neue Renault-Allradlenkung: Kontrolle ist gut, 4control ist besser

Ausprobiert: Neue Renault-Allradlenkung

Kontrolle ist gut, 4control ist besser

Den Claim „Vorsprung durch Technik“ macht sich Renault zu eigen. In der Mittelklasse und bei den Kompaktwagen bieten die Franzosen eine Allradlenkung für mehr Agilität und Sicherheit. Nicht neu, aber sehr wirkungsvoll.

Auch ohne die optionale Allradlenkung (zurzeit nur für das GT-Modell) ist der Mégane handlich genug für den Stadtverkehr, ausreichend agil für Überlandfahrten und angenehm komfortabel auf der Autobahn. Ein guter Allrounder mit ausgeprägten Langstrecken-Fähigkeiten.

Allerdings leistet sich der Mégane auch eine ernste Schwäche in einer Kerndisziplin. Denn der Kofferraum bleibt eine Schwachstelle. Die Ladekante ist nicht nur sehr hoch, sondern auch noch extrem breit, so dass beim Hereinwuchten schwerer Gegenstände entweder Rückenprobleme oder Lackkratzer drohen. Außerdem entsteht beim Umklappen der Rücksitzbank eine unpraktische Stufe im Kofferraumboden.

Das Ladevolumen hingegen kann sich sehen lassen, zwischen 384 und 1.247 Liter notiert das Datenblatt. Auch, weil der Mégane mit 4,36 Metern Länge zu den größeren Modellen seiner Klasse zählt. Entsprechend luftig sitzen die Passagiere im Fond, ohne dass der Franzose sich hier deutlich vom zehn Zentimeter kürzeren Golf absetzen könnte.

Das Heck ist markant und bietet Wiedererkennungswert Renault

Renault Megane

Das Heck ist markant und bietet Wiedererkennungswert

Absetzen will sich der Renault aber durchaus. Für die Kür nach dem Pflichtprogramm hat er den Innenraum erwählt. Der ist zunächst einmal modern gestaltet, hochwertig ausgestattet und gut verarbeitet. Prunkstück ist ein großer Zentralmonitor zwischen Fahrer und Beifahrer, der entgegen der üblichen Konventionen hochkant montiert ist und als zentrales Bedienelement fungiert.

Die Software kann nicht durchgehend überzeugen, die verschachtelte Menüstruktur genauso wenig wie die mäßige Betriebssystems-Stabilität oder das Fehlen von Apple Car Play und Android Auto – aber in seinem Kern versteckt sich die charmante Seele des Mégane: die „Multi-Sense“ genannt Individualisierungs-Software.

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