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05.12.2013

09:34 Uhr

Renault Zoe im Handelsblatt-Autotest

Mühsame Alternative

VonStefan Menzel

Eigentlich ist der Renault Zoe mit Elektromotor ein vollwertiges Auto. In der Stadt kann der Kleinwagen problemlos mit anderen Kleinwagen mithalten. Doch wenn es weiter aus der Stadt herausgeht, kommen die Probleme.

Wer nicht so genau hinsieht, der könnte den Zoe für einen Zweitürer halten. Die Türgriffe hinten sind jedoch im Fensterrahmen versteckt. Sebastian Schaal

Wer nicht so genau hinsieht, der könnte den Zoe für einen Zweitürer halten. Die Türgriffe hinten sind jedoch im Fensterrahmen versteckt.

DüsseldorfEin bisschen aufgeregt bin ich schon, bevor ich mich in den Wagen hineinsetze. Mein erstes Elektroauto, mein erster Kontakt mit dieser etwas anderen Art von Fortbewegung. Wie wird das sein? Werde ich damit klarkommen? Ist das wirklich eine echte Alternative zu den bislang üblichen Fahrzeugen? Fragen über Fragen. Gleich werde ich die Antworten bekommen, gleich bin ich mit dem Renault Zoe unterwegs.

Das größte Problem für einen Elektro-Laien wie mich: Merke ich überhaupt, dass ich den Wagen gestartet habe. Tür öffnen, einsteigen, anschnallen, starten – bis zu diesem Punkt ist alles vollkommen vertraut wie bei einem gewöhnlichen Benzin- oder Dieselmotor. Aber nach dem Start höre ich nichts, kein Motorengeräusch, alles ist wundersam ruhig und leise. Nur das Display sagt mir „Ready“ und hat die Farbe gewechselt. Das sollte wirklich der Moment sein, zu dem ich tatsächlich losfahren kann.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Renault Zoe

Alltagstauglich?

Als Stadtwagen genau das richtig Fahrzeug. Kleiner Wendekreis, schnell eingeparkt. Auf den Rücksitzen ist auch genug Platz für drei Personen. Der Kofferraum könnte etwas größer sein, aber für den Einkauf reicht es trotzdem noch.

Das schönste Detail?

Das dezente Blau in den Frontscheinwerfern und in den Rückleuchten. Das Licht am Zoe verkündet die saubere Botschaft von der umweltfreundlichen Antriebsart.

Enttäuschend?

Die Reichweite und die Ladekapazität des Zoe. Ich hätte mir deutlich mehr versprochen. Man muss schon überzeugter Elektro-Pionier sein, um sich davon nicht abschrecken lassen.

Ist er's wert?

Mehr als 20.000 Euro sind ein wahrlich stattlicher Preis für dieses kleine Auto. In Anbetracht der geringen Reichweite ist das am Ende dann doch etwas zu viel. Zumal die Batterien auch noch bei Renault geleast werden müssen. Monatlich kommen dann im Schnitt noch einmal weitere Kosten von jeweils etwa 100 Euro dazu.

Sound?

Nicht viel. Der Elektromotor macht überhaupt keinen Lärm. Nur die Wind- und Fahrgeräusche kommen dazu. Damit Fußgänger nicht unnötigen Gefahren ausgesetzt sind, wird bis 30 Stundenkilometer Geschwindigkeit ein Motorengeräusch künstlich erzeugt.

Wie grün ist das Auto?

Da gibt es nicht viel zu diskutieren: Der Zoe ist natürlich super-grün. Aber ob es ein echtes Grün ist, hängt natürlich vom Kraftwerk ab, aus dem der Strom kommt.

Vorbildlich?

Für Autofahrer mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein hat der Zoe natürlichen einen ausgeprägten Vorbildcharakter. Aber eben nur in der Stadt, für die Fahrt in den Urlaub taugt der Wagen nicht.

Was sagt der Nachbar?

„Das ist das Auto, mit unsere Kinder gerettet werden“, sagte die Nachbarin. Wer hört so etwas nicht gern?

Wer guckt?

Ein unauffälliges Auto, das kein besonderes Aufsehen erzeugt. Aufregung erzeugt allenfalls die geringe Lautstärke, von der sich der eine oder andere Fußgänger doch überraschen lässt.

Wie fährt er sich?

Einfach gut, zumindest in der Stadt. Die Beschleunigung ist mehr als ausreichend. Nur bei höheren Geschwindigkeiten geht dem kleinen Auto dann doch die Puste aus.

Wo gehört er hin?

In eine eigene Garage mit eigenem Stromanschluss. Alles andere hat keinen Sinn. Wer mit dem Zoe ausschließlich auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, der ist verloren.

Bei niedrigeren Geschwindigkeiten bis etwa 30 Stundenkilometer spielt der Wagen zusätzlich ein Fahrgeräusch ein. Mir als Fahrer wird damit signalisiert, dass ich dann tatsächlich unterwegs bin. Aber auch die Umwelt um mich herum soll dieses Fahrgeräusch hören - um gegen die möglichen Gefahren dieser neuen Autos gewappnet zu sein.

Der kleine Zoe ist durchaus ein ausgewachsenes Auto. Der Wagen vermittelt – vom Fahrgeräusch abgesehen – ein völlig normales Fahrgefühl. Der Zoe ist ein gewöhnlicher Kleinwagen, wie man ihn von Renault seit Jahren kennt. Das ist eine Fahrzeugklasse, die die Franzosen gut beherrschen. Ob ich nun in einem Zoe sitze oder in einem Twingo, das ist fast schon einerlei.

„Ready“, es kann losgehen. Das Display signalisiert, dass die Fahrt losgehen kann. Da es kein Motorengeräusch gibt, ist das eine unverzichtbare Hilfe. Sebastian Schaal

„Ready“, es kann losgehen. Das Display signalisiert, dass die Fahrt losgehen kann. Da es kein Motorengeräusch gibt, ist das eine unverzichtbare Hilfe.

Unterwegs auf den Straßen von Düsseldorf macht es Spaß, mit dem kleinen Wagen zu fahren. Was das Beschleunigungsverhalten betrifft, hängt der Zoe die meisten Benziner ab. Der Elektromotor beschleunigt im unteren Drehzahlbereich deutlich schneller als die Konkurrenz aus der Verbrennerklasse. Das ist eben der große Vorteil eines Elektromotors: Die konstante und gleichmäßige Beschleunigung unabhängig von der Drehzahl.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

05.12.2013, 10:27 Uhr

Ich hatte kürzlich auch die Gelegenheit den ZOE zwei Tage zur Probe zu fahren. Ich kann bestätigen, dass es Spaß macht mit dem Auto zu fahren. Man braucht halt mindestens einen zuverlässig verfügbaren Ladepunkt (entweder Zuhause oder beim Arbeitsplatz).
Einen Kritikpunkt zu dem Beitrag (Bilderstrecke) habe ich. Es stimmt einfach nicht, dass man den ZOE nicht an einer "normalen" Steckdose laden kann. Es gibt von Mennekes ein Adapterkabel das auf der einen Seite den Stecker für den ZOE hat und auf der anderen Seite einen für die Standard Schuko-Steckdose oder für einen Drehstromanschluß. Ich habe den selbst benutzt.
Hier der Link: http://www.mennekes.de/131.html?asimProductId=2000208&asimMenuId=2004129

Account gelöscht!

05.12.2013, 11:20 Uhr

@net_worker:
Ihre persönlichen Erfahrungen in allen Ehren. Aber wie auch die FAZ berichtet Handelsblatt völlig richtig, dass Renault seinen Zoe eben nicht mit einem serienmäßigen Haushaltsstrom-Stecker oder einem Adapter dafür ausrüstet. Das sind Extras, die sich der Käufer selber zusätzlich beschaffen muss.

AWParis

05.12.2013, 11:26 Uhr

Viel, viel, viel zu teuer!
Ich wäre mit 120-140 km echter Reichweite zufrieden, auf den kleinen Landstraßen bei uns kann man so wie so nicht mehr als 90 km/h fahren, und ich könnte zu Hause über Nacht laden. Aber für ein solches Angebot ist der Preis auch für sehr gutwillige Umweltler schlicht und herzergreifend indiskutabel.
Wir können uns wieder sprechen, wenn das Gesamtpaket bei etwa 15.000 Euro ankommt, worunter ich verstehe:
- Echter Verkaufspreis, d.h. VOR eventuellen staatlichen / öffentlichen Hilfen;
- Ladegleichrichter an Bord, damit man ggf. an JEDER beliebigen Steckdose (1- oder 3-phasig) laden kann (wenn man trotzdem eine besondere Ladestation braucht, dann muss auch sie im Kaufpreis eingeschlossen sein);
- Batterie im Kaufpreis, mit Austausch-/Rücknahmegarantie, damit man den Materialpreis nur einmal zahlen muß. Ich zahle doch nicht die ganze Zeit eine "Miete", die mich sofort wieder auf das Niveau meiner bisherigen Benzinrechnung bringt.

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