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04.04.2006

10:35 Uhr

Saab 9-3 Sport Combi

Ein Schrank ist ein Schrank

VonDaniel Selbach

Möbelbauer Helmut Lübke hasst Design-Schnickschnack. Tuning mit Rallyestreifen und Spoilern sind ihm ein Graus. Den Saab 9-3 Sport Combi lässt er gerade so durchgehen.

RHEDA-WIEDENBRÜCK. Das Lenkrad. Helmut Lübke will einfach nicht in den Kopf, warum das Lenkrad in der oberen Hälfte so komische silberne Griff-Mulden hat. Dann packt er zu. Und versteht: „Es hat doch alles seinen Sinn.“ Der Chef des Designmöbel-Bauers Interlübke aus Rheda-Wiedenbrück freut sich: „Mit den Mulden fühlt sich das Lenkrad am Daumen besser an – es liegt gut in der Hand.“

Lübke versteht keinen Spaß, wenn Designer nur aus reiner Lust an der Zierde unnötigen Schnickschnack verbauen. Und so unterzieht der Unternehmer, dessen Couchtische und Regale im Industriedesign die Mehrzahl der Chefbüros und -wohnungen in Deutschland zieren dürften, den Saab 9-3 Sport Combi einer ausgesprochen kritischen Untersuchung.

„Ein Schrank muss ja auch wie ein Schrank aussehen“, fordert der Ästhet. Die gleichen minimalistischen Maßstäbe legt er bei dem schwedischen Kombi an, der da vor seinem Firmen-Flachbau in Ostwestfalen geparkt ist.

Der Wagen soll nach einer ganzen Reihe mut- und profilloser Standardautos endlich wieder wie ein Saab aussehen – das haben sich zumindest Konstrukteure und Marken-Manager aus Trollhättan in Schweden vorgenommen: Sie haben den 9-3 Combi hinten mit einer keck zugespitzten Fensterfront ausgestattet und einer D-Säule, die stark nach Golfschläger aussieht. Außerdem mit extravaganten, hakenförmigen LED-Rückleuchten. Die wiederum finden vor Design-Kenner Helmut Lübke wenig Gnade. Zum Test schaltet der Unternehmer bei laufendem Motor das Licht ein, steigt aus und prüft die Anmutung der Scheinwerfer.

Irgendwie strahlen aber nur die unteren Lampen. „Wie ich Saab kenne, sind oben Reserve-Leuchten drin“, sagt er hoffnungsvoll. „Wenn nicht, ist das ein echter Minuspunkt. Die Form sollte immer der Funktion folgen.“

Tuning mit Rallyestreifen und Spoilern sind Lübke deshalb grundsätzlich ein Graus. Doch ihn überzeugt die Optik des Sport Combis. „Markant, aber zurückhaltend“, sagt Lübke. Das ist ein Lob, denn nach seiner Philosophie muss gutes Design „optischem Verschleiß“ widerstehen. „Was nützt mir ein haltbares Produkt, das ich nach ein paar Jahren nicht mehr sehen kann?“

Helmut Lübke lebt vom Design. Hier im tiefsten Ostwestfalen, dem Herzen der deutschen Möbelindustrie, baut seine Familie seit 1937 am Bauhaus-Stil orientierte Sessel, Schränke und Vitrinen. Die meisten Modelle von Interlübke und Polstermöbelbauer COR, der ebenfalls zum Familien-Unternehmen gehört, gelten längst als moderne Klassiker.

Für Helmut Lübke haben Interlübke und Saab viel gemeinsam: „In der Form am Bauhaus orientiert, aber für die heutige Zeit übersetzt. Auch die Ästhetik spielt jetzt eine Rolle, genauso wie die Ökologie. Das alles sehe ich auch bei Saab.“

Zu der schwedischen Autofirma, die mit dem Bau von Flugzeugen begonnen hatte, hat Lübke ohnehin eine lange, innige Beziehung – auch wenn er vor Jahren auf Audi umgestiegen ist. Er erzählt davon, während er den 9-3 über die ostwestfälischen Landstraßen steuert. „Ich habe 1960 mal ein halbes Jahr als Tischler in Schweden gearbeitet“, sagt der 69-Jährige. „Da habe ich Saab kennen gelernt.“

Der junge Praktikant war damals begeistert von dem Fronttriebler Saab 96 („Der mit den schönen, runden Formen“).

Heute verrichtet das 2,8 Liter große Triebwerk leise und kraftvoll seinen Dienst. Helmut Lübke steuert den Stromberg an, die höchste Erhebung der Gegend, wo der Saab sich vollkommen klaglos die Steigung hochzieht. „Ich gehe jetzt mal im sechsten Gang bis 70 runter, 1 500 Umdrehungen. Und dann gebe ich Gas.“ Anstandslos und gutmütig schiebt der Motor den Wagen auch untertourig nach vorn. „Das nimmt er prima“, sagt Lübke. „Da kann man eigentlich immer im sechsten Gang bleiben.“

Ostwestfalen gelten gemeinhin als ausgesprochen treu. Und man beginnt sich zu fragen, warum Lübke bei dieser Begeisterung den Autos von Saab abgeschworen hat. „Der Saab 98 war mir zu nervös“, erklärt Lübke. „Da war zu viel noch nicht vollständig beherrschte Elektronik im Spiel.“

Lübke wechselte erst zur Fiat-Schwester Lancia und später zu Audi. Dass er den kompakten A3 Sportback einem standesgemäßen A6 oder A8 vorzieht, erklärt der Unternehmer pragmatisch. „Ich habe eben eine Vorliebe für kleine Autos.“ Er hat seinen A3 mit allem Komfort ausgestattet, den die Liste hergab, und schleppt damit sogar mehrmals im Jahr seinen 20 Quadratmeter großen hölzernen Jollenkreuzer zum Juister Watt.

Die Automarke zu wechseln gehöre eben auch zum Älterwerden, erzählt Lübke und blinzelt verschmitzt. „In meinen Jugendjahren bin ich mehr quer gefahren als geradeaus. Man wird vernünftiger.“ Unter seinen Verflossenen finden sich so illustre Gefährte wie ein Fiat 600 mit abgeschliffenem Zylinderkopf und ein Fiat Pinin-Farina.

Am Testwagen gefällt dem A3-Sportback-Fahrer vor allem die schlichte Tatsache, dass er ein Kombi ist. „Limousinen nehmen genauso viel Platz in Anspruch, sind aber nicht so praktisch“, doziert Lübke. „Außerdem ist die Form klarer.“ Weil sie eben so deutlich der Funktion folgt.

Der Fahrer

Name: Helmut Lübke

Position: Geschäftsführender Gesellschafter Interlübke

Alter: 69

Erstes Auto: Isetta 250

Aktuelles Auto: Audi A3 Sportback

Traumauto: „Meine Traumfrau ist mir lieber“

Fahrstil:

„Extrem Sprit sparend oder sportlich“

Hobbys: Segeln

Das Auto

Modell: Saab 9-3 Sport Combi

Motor: 2,8 Liter V6-Turbo-Benziner (250 PS)

Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h

Drehmoment: 350 Nm bei 4 500 U/min

Masse: Höhe: 1,49 Meter; Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,76 Meter

Verbrauch: 10,2 Liter

Preis: ab 37 950 Euro

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