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03.11.2016

06:24 Uhr

Seat Ateca im Handelsblatt-Test

Der rote Retter

VonFlorian Hückelheim

Innerhalb von Monaten ist Seats neues SUV zum beliebtesten Modell der Marke geworden. Es liegt nicht allein am spanischem Design, das spürt man inzwischen auch in Wolfsburg. Und bei einer Probefahrt.

Die gefällige Form verzichtet auf die anderswo übliche gestalterische Aggressivität, die sich meist in martialischen Frontpartien äußert. Der Ateca mischt Eleganz mit glatter Bravheit, ohne dabei zum Langweiler zu werden.  Florian Hückelheim

Nun mischt also auch die spanische VW-Tochter Seat in der weltweit so begehrten SUV-Klasse mit

Die gefällige Form verzichtet auf die anderswo übliche gestalterische Aggressivität, die sich meist in martialischen Frontpartien äußert. Der Ateca mischt Eleganz mit glatter Bravheit, ohne dabei zum Langweiler zu werden. 

DüsseldorfSchon lange sprach man viele Sprachen im Reich der SUV: Japanisch, Koreanisch, Englisch, Deutsch, Schwedisch, Italienisch, Französisch und sogar Rumänisch mit französischem Untertitel. Nur einer fehlte im Klub der lifestyligen Stadtgeländewagen: ein Spanier. Mit dem Ateca betritt auch er die Bühne. Man könnte „Endlich!“ rufen oder „Warum erst jetzt?“ fragen. Sagen wir es mal so: Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Aber stimmt das auch?

Nun also Seat. Feuerrot im Lack, schwarz im Kunststoff, gefällig im Auge. Als der Testwagen auf der anderen Straßenseite parkt, leuchtet seine Farbe (Passion Rot für 220 Euro) den grauen Düsseldorfer Herbsttag einfach weg. Endlich mal kein Grau, endlich ein bisschen Mut.

Dabei ist der Ateca eigentlich kein Auto, das mutige Käufer braucht, im Gegenteil. Auf 4,36 Meter Länge und 2,08 Meter Breite tut Seat eine ganze Menge, um sein erstes SUV in das Beuteschema seiner Zielgruppe einzupassen. Wobei Beute eigentlich das falsche Wort ist – zur Jagd führe mit dem roten Fronttriebler eh niemand.

Polarisieren ohne aufzufallen geht bei unserem Testwagen so: Feinspeichige 18-Zoll-Felgen mit 215er Reifen bilden die Basis, hinzu kommen Türen, die einen bequemen Einstieg in beiden Sitzreihen ermöglichen, und eine mattsilberne Dachreling sowie eine leicht abfallende Dachlinie für die Sportlichkeit.

Ein schöner Blickfang: die wie von Zorro persönlich ins Blech geschlitzten LED-Frontscheinwerfer. Seat-typisch setzen feine Kanten dazu den leichten Schwüngen im Blechkleid aus jedem Blickwinkel klare Grenzen. Vor allem die Abrisskanten unter den Außenspiegeln, die über die gesamte Seite bis zu den Heckleuchten reichen, machen den Ateca eindeutig zu einem Seat.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Absolut. Einzig beim großen Baumarkteinkauf kommt er an seine Grenzen.

Das schönste Detail?

Die Projektion der Ateca-Silhouette aus den Außenspiegeln heraus auf den Boden. Ist aber Geschmacksache.

Enttäuschend?

Die viel zu geringe Empfindlichkeit der zweistufigen Fensterheber-Schalter. Da ist definitiv Luft nach oben.

Ist er's wert?

Er ist definitiv der Tiguan mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sound?

Läuft der Motor schon?

Wie grün ist das Auto?

Selbst mit sanftem Gasfuß liegt der Verbrauch über der Norm. Für 1,4 Tonnen Gewicht aber noch halbwegs im Rahmen.

Vorbildlich?

Die sanften Gangwechsel des Getriebes und das geschmeidige Anfahren.

Was sagt der Nachbar?

Schön gemacht, dieser neue Tiguan.

Wer guckt?

Einige andere SUV-Fahrer, aber eher wegen der Farbe als wegen des Modells.

Wie fährt er sich?

Angenehm, neutral und unspektakulär. Entspannt auf der Schnellstraße und in der Stadt.

Wo gehört er hin?

In die Auffahrt eines Vorstadtfertighäuschens und in die Hände von Menschen, die einen bequemen Einstieg und zeitgemäße Technik suchen.

Und dann das: Im Dunkeln wird er zum roten Retter für gelangweilte SUV-Kunden. Per Lichtprojektion aus den Außenspiegeln erblicken Umstehende beim Öffnen und Schließen des Fahrzeugs die Silhouette und den Ateca-Schriftzug auf dem Boden.

Für mich eine schöne Spielerei, für manchen Mitfahrer ein echter Peinlichkeitsfaktor. Ja, er ist kein Mustang mit Pony-Projektion. Er will einfach ein wenig anders sein. Wenn nicht schon unterm Blech, dann wenigstens daneben.

Gutes Platzangebot auf allen fünf Sitzen und ein für die an sich bescheidene Länge von 4,36 Metern großzügiger Laderaum zählen zu den Stärken des Spaniers. Florian Hückelheim

Wohlfühlatmosphäre dank angenehmer Möblierung des Innenraums

Gutes Platzangebot auf allen fünf Sitzen und ein für die an sich bescheidene Länge von 4,36 Metern großzügiger Laderaum zählen zu den Stärken des Spaniers.

Unter der Motorhaube wartet in unserem Ateca nämlich ein guter Bekannter. Ein 150 PS starker 1,4-Liter-Turbo-Vierzylinder soll für unsere Ausfahrt die passende „Technology to enjoy“ sein. Ich lege den Finger auf den Startknopf, drücke, und höre fast nichts.

Aha, an Dämmmaterial haben die Konstrukteure also nicht gespart. Auch nach dem sanftem Anfahren haben es Abroll- und Windgeräusche schwer, bis ans Fahrerohr durchzudringen. Erst wenn die Drehzahl auf 3500 und mehr Touren steigt, sendet auch der Motor ein akustisches Lebenszeichen in den Innenraum. Ansonsten herrscht Ruhe.

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