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29.06.2014

11:04 Uhr

Seat Exeo als Gebrauchtwagen

Mit den typischen Qualitäten des Spenders

Quelle:dpa

Seat steht drauf, Audi steckt drin: Das ausgelaufene Mittelklassemodell Exeo basiert technisch und motorseitig auf dem Audi A4 der bis 2008 gebauten Generation. Doch es gibt typische Mängel.

Spanischer Verwandter des Audi A4: Der bis 2013 gebaute Seat Exeo teilt sich viel Technik mit dem Ingolstädter Modell des Typs B7. dpa

Spanischer Verwandter des Audi A4: Der bis 2013 gebaute Seat Exeo teilt sich viel Technik mit dem Ingolstädter Modell des Typs B7.

BerlinDer bis 2013 gebaute Seat Exeo teilt sich zu großen Teilen die Technik mit dem Audi A4 des Typs B7. Und offenbar müssen Fahrer gegenüber dem Original bis auf die Inneraumqualität kaum Abstriche machen: Laut dem ADAC ist der Seat Exeo kaum anfällig für Pannen.

«Nur die Lampen fallen etwas öfter aus», berichtet der Münchner Automobilclub. Vereinzelt gebe es defekte Turbolader bei 2010 und 2011 gebauten Exemplaren, zudem kommen kaputte Auspuffanlagen vor (Benziner bis 2009), und es gibt lose Schaltgestänge (2012) zu monieren.

Der «TÜV Report 2014» hält mit Blick auf die Kfz-Hauptuntersuchung fest, dass der Exeo bis auf die Beleuchtung in allen Prüfkriterien eine recht gute Figur macht. Typische Mängel decken sich mit denen des Audi A4: Zahnriemenrisse beim Diesel sind nicht selten, und das stufenlose Automatikgetriebe Multitronic ist laut dem Report sehr anfällig.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Ab Anfang 2009 - nachdem der Audi A4 vom Typ B7 eingestellt war - positionierte Seat den Exeo in seinem Modellprogramm über dem Toledo. Gebaut wurde der Mittelklassewagen als Limousine und als Kombi ST. Das Cockpit wurde vom Audi fast eins zu eins übernommen, nur das Markenemblem wurde getauscht.

Ansonsten fällt die Verarbeitung gegenüber dem Audi qualitativ ab. Die Modellpflege von 2011 brachte dem im spanischen Martorell montierten Exeo leichte Retuschen, LED-Bremsleuchten und Xenon-Licht als Option. Ein Start-Stopp-System senkt seitdem den Verbrauch. 2013 stellte Seat das Modell ein.

Unter der Haube montierte Seat einen einzigen 2,0-Liter-Diesel mit Common-Rail-Technik. Die drei Leistungsstufen liegen bei 88 kW/120 PS, 105 kW/143 PS und 125 PS/170 PS. Die Vierzylinder-Benzinmotoren kommen auf 75 kW/102 PS bis 155 kW/211 PS.

Wer auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem älteren Diesel-Kombi Ausschau hält, muss laut dem Branchendienst Schwacke für einen Seat Exeo ST 2.0 TDI CR Reference von 2009 mit 88 kW/120 PS und durchschnittlich 103.400 Kilometern auf dem Zähler noch um die 10.850 Euro einplanen.

Ein neuerer Kombi mit Ottomotor kostet im Falle des Exeo ST 1.8 TSI Style mit 118 kW/160 PS von 2012 noch etwa 17.150 Euro (41.350 Kilometer).

Mit rund 13.500 Euro listet Schwacke den Exeo als Limousine von 2010 in der 125 kW/170 PS starken Version 2.0 TDI CR Sport (80.600 Kilometer).

Ein mit 88 kW/120 PS schwächer motorisierter Exeo 1.8 TSI Reference von 2011 sollte für rund 11.800 Euro zu bekommen sein (45.200 Kilometer).

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