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25.04.2013

11:27 Uhr

Seat Leon im Handelsblatt-Test

Der bessere Golf, der nicht aus Wolfsburg kommt

VonLukas Bay

Mit dem neuen Leon ist Seat einer echte Überraschung gelungen. Als FR fährt der Sportzwerg des spanischen Autobauers aus dem Schatten des VW-Mutterkonzerns. Design, Leistung und Preis überzeugen im Alltagstest.

Der komplett neue Seat Leon präsentiert sich kantig, geradlinig und blickt aus spitzwinkligen Dreiecksaugen. Die Scheinwerfer gibt es optional mit LED-Technik. Das Blechkleid wirkt wesentlich moderner als das des Konzernbruders VW Golf.  Sebastian Schaal

Der komplett neue Seat Leon präsentiert sich kantig, geradlinig und blickt aus spitzwinkligen Dreiecksaugen. Die Scheinwerfer gibt es optional mit LED-Technik. Das Blechkleid wirkt wesentlich moderner als das des Konzernbruders VW Golf. 

DüsseldorfEin Golf kann ganz schön langweilig sein. Als Volkswagen Ende vergangenen Jahres die siebte Generation des Erfolgsmodells enthüllte, waren manche VW-Fans enttäuscht. Ich auch. Irgendwie hatte man alles schon mal gesehen. Die Revolution war wieder einmal ausgeblieben. Der Golf blieb auch in seiner siebten Auflage, was er immer war: der kleinste gemeinsame Nenner der Autofahrernation. Ein Auto wie eine Hauskatze.

Umso positiver hat mich der wilde Zwilling des Golfs überrascht – der Seat Leon FR. Leon steht für Löwe, und gerade die Sportvariante des Kompaktwagens der spanischen VW-Tochter kann es technisch locker mit jedem braven Golf aufnehmen, kostet aber rund 2.000 Euro weniger. Und durch die Gleichteilestrategie und die Fertigung mit dem modularen Querbaukasten ist der Leon in wesentlichen Teilen baugleich mit dem Golf. Nur das Design des spanischen Kompakten ist wesentlich mutiger geworden.

Die dritte Generation sieht besser aus als alle Leon-Varianten zuvor. Weg sind die niedlichen Rundungen, der neue Leon ist kantig und dynamisch, ein echter Löwe eben. Nur bei den eckigen Rückspiegeln geht mir das neue Design etwas zu weit: sie sind zu klein, vergrößern so den toten Winkel.

Trotzdem ist der äußere Eindruck des getesteten Leon FR über jeden Zweifel erhaben. Für 990 Euro zusätzlich gibt es die im Testwagen verbauten Voll-LED-Scheinwerfer. Eine Investition, die den Wagen optisch deutlich aufwertet. Andere Fahrer in der Kompaktklasse müssen auf die neue Technologie noch verzichten.

Die Seat-Techniker haben beim Fahrwerk eine sportliche Auslegung gewählt, ohne den nötigen Komfort zu vernachlässigen. Kurze, trockene Stöße dringen zwar in den Innenraum durch, wirken sich aber nicht störend aus. Sebastian Schaal

Die Seat-Techniker haben beim Fahrwerk eine sportliche Auslegung gewählt, ohne den nötigen Komfort zu vernachlässigen. Kurze, trockene Stöße dringen zwar in den Innenraum durch, wirken sich aber nicht störend aus.

Auch im Innenraum zeigen die Spanier, wie man einen Wagen mit einfachen Materialien trotzdem hochwertig gestalten kann. Mit weichem, grauem Kunststoff und lackierten Elementen macht die Armatur einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Die Sportsitze sind mit Alcantara und Glattleder bezogen (kostet 500 Euro extra) und sind auch auf längeren Strecken bequem. Lenkrad und Steuerknauf sind ebenfalls kunstlederbezogen.

Alles wird – wie beim Golf-GTI – durch rote Ziernähte optisch betont. Anders als mancher Konkurrent gibt es noch eine echte Handbremse und der Wagen wird tatsächlich mit einem Schlüssel gestartet, nicht per Knopfdruck. Das ist einfach, aber nicht spartanisch.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Testwagen

Was sagt der Nachbar?

„Und das ist ein Seat? Sieht aus wie ein Audi.“

Alltagstauglich?

Absolut. Der Kofferraum ist im Klassenvergleich groß. Der Parkassistent hilft auch im Großstadtdschungel.

Das schönste Detail?

Definitiv das Voll-LED-Licht. Wertet den Wagen optisch deutlich auf und ist in der Klasse bisher ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Enttäuschend?

Das Navigationssystem. Von einem System zu diesem Preis darf man eine zuverlässige und übersichtliche Navigation erwarten. Beides ist nicht gegeben. Das Geld kann man sich sparen.

Ist er‘s wert?

Auf jeden Fall. Im Preis-/Leistungsverhältnis kann dem Leon FR kaum ein Klassenkonkurrent das Wasser reichen.

Sound?

In der Leon Standardvariante sind acht Lautsprecher verbaut. Im Testwagen zehn. Das reicht für einen ordentlichen Klang, aber nicht für Soundwunder.

Wie grün ist das Auto?

So grün wie ein Sportmodell in der Kompaktklasse eben ist. 6,0 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer sind in Ordnung, mehr nicht. Dazu trägt auch die verbaute Start-Stopp-Automatik bei

Vorbildlich?

Das Vorbild in der eigenen Klasse ist und bleibt der Golf. Aber der Leon ist so etwas wie der bestmögliche Ableger.

Wer guckt?

Überwiegend Männer. Durch seine kantige Hülle ist der Leon eher maskulin.

Wo gehört er hin?

Auf die Autobahn. Dort kann er die ganzen Vorteile seiner Motorisierung ausspielen.

Über das Lenkrad lassen sich alle wesentlichen Funktionen des Autos intuitiv bedienen. Dabei wird man als Fahrer nicht vom Wesentlichen abgelenkt. Ein kleines Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser zeigt an, in welchem Menü man sich gerade bewegt, welcher Radiosender und welches Lied gespielt wird oder auf welcher Straße man unterwegs ist. Auf dem 5,8-Zoll-Touchscreen findet man sich schnell zurecht, über die Ecken kann man problemlos durch die Menüpunkte navigieren.

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