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29.03.2012

14:56 Uhr

Sicherheitstechnik

ADAC fordert ABS als Motorrad-Serienausstattung

Quelle:MID

Motorrad-ABS zeigt seine beste Wirkung, wenn der Fahrer Untergrundverhältnisse falsch einschätzt und zu zaghaft bremst oder überbremst. Die Unfallforscher des Autoclubs mach sich nun erneut für das System stark.

Hier wirds kritisch - ABS hilft dem Fahrer, die Bremskraft optimal zu dosieren, wenn es brenzlig wird. MID

Hier wirds kritisch - ABS hilft dem Fahrer, die Bremskraft optimal zu dosieren, wenn es brenzlig wird.

MünchenErnüchternde Zahlen: Laut ADAC hätten 21 Prozent aller Motorradunfälle vermieden werden können, wenn die Bikes mit ABS ausgerüstet gewesen wären. Zumindest aber hätte es die Folgen des Crashs gemildert. Darüber hinaus hätte der Blockierverhinderer sogar 45 Prozent aller Alleinunfälle verhindert, also solcher ohne fremde Beteiligung. Die Europäische Kommission, die ab 2016 ABS für Zweiräder mit mehr als 50 ccm zur Pflicht macht, geht davon aus, dass diese Regelung innerhalb von zehn Jahren 5 000 Leben rettet.

Seit 2005 hat die ADAC Unfallforschung über 1 500 Motorradunfälle analysiert, 47 Prozent davon waren Alleinunfälle, und "nur" in 53 Prozent der Fälle spielten andere Verkehrsteilnehmer eine Rolle. Das ABS zeigt seine beste Wirkung gerade dann, wenn der Fahrer die Untergrundverhältnisse falsch einschätzt und deswegen zu zaghaft bremst oder durch Überbremsen Gefahr läuft zu stürzen.

Die Forscher haben aber auch die Erkenntnis gewonnen, dass Kollisionen sehr häufig durch andere Verkehrsteilnehmer verursacht werden. Beispielsweise bemerken Pkw-Fahrer herannahende Motorradfahrer oft zu spät oder gar nicht. Zudem wird die Geschwindigkeit der Zweiräder häufig unterschätzt.

ADAC-Studie

Motorrad-ABS soll Leben retten

ADAC-Studie: Motorrad-ABS soll Leben retten

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Doch sei es nach Ansicht des ADAC nicht damit getan, möglichst viele Motorräder mit ABS auszustatten, vielmehr müsse auch die Politik handeln. So muss die Fahrbahn gerade vor und in Kurven überprüft und gegebenenfalls instand gesetzt werden. Zudem sollen Sichtbarrieren an Verkehrsknotenpunkten beseitigt werden.

Kommentare (5)

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IntelligentesFahren

30.03.2012, 08:04 Uhr

ABS wird sich als Standard durchsetzen und sicher auch Leben retten. Später werden auch vernetzte Systeme hinzukommen, die die Gefahrenpunkte im Verkehr "Auto - Motorrad" weiter entschärfen helfen. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Grausam und archaisch ist es aber, dass Motorradhersteller seit so vielen Jahrzehnten schlafen, was die Verbesserung der passiven Sicherheit betrifft. Im Autobau passierte eine völlig andere Entwicklung. Im Motorrad-Geschäftsmodell arbeitet die Werbung mit Mechanismen, die der Tabak- und Süßwarenindustrie sehr ähnlich sind. Risiken werden einfach wegemotionalisiert und die traditionellen Bauformen weiter forciert. In einer solchen Geschäftsmodellsitiation können nur Impulse vom Gesetzgeber kommen, wenn das Produktmix erweitert werden soll. Modelle vom Sicherheitsstil der 3-Rad-Roller, der BMW C1 Roller, die niedrige Unfallzahlen haben, werden so im Kaufpreis preiswerter - Modelle mit hohen Unfallzahlen teurer. Modelle mit höchsten Unfallzahlen sollten auch nur mit einer Zusatzkrankenversicherung gefahren werden. Solche Preismodelle fördern auch mit den Anreiz doch mehr in die passive Sicherheit zu investieren. Solche Preismodelle fördern auch Sicherheitsinvestitionen u. -innovationen.

Ein erster wichtiger Sicherheitsschritt ist die politische Auflage verpflichtend ABS vom Mofa bis zum Motorrad einzubauen. Ohne ABS ist der Bremsweg einfach viel zu lang. Ohne ABS ist die Gefahr des Kontrollverlustes beim starken Bremsen zudem hoch.

Motorradfahrer

30.03.2012, 09:18 Uhr

@intelligentes Fahren

Sind Sie Motorradfahrer? Wohl nicht, denn sonst würden Sie nicht so etwas von sich geben.

Warum fahre ich Motorrad? Weil ich eben dieses Gefühl der Freiheit, die Fahrdynamik erleben will. Wenn ich passive Sicherheit will, dann fahre ich Auto oder Zug. Wir Motorradfahrer gehen die Risiken, die unser Hobby mit sich bringt, ganz bewusst ein. Deshalb schreit von uns auch keiner nach mehr Sicherheit.

Nun zum Thema: das ABS zwingend zu verbauen halte ich für sehr sinnvoll, ebenso auch die Sanierung von Straßen. Aber wo Geld fehlt...

Noch wichtiger ist aber, das vorausschauende Fahren von uns Motorradfahrern. Hier kann ich ein Sicherheitstraining nur empfehlen. Und ganz wichtig: die Aufmerksamkeit der Autofahrer.

SportlichesFahren

30.03.2012, 16:28 Uhr

@Motorradfahrer
Klar bin ich Motorradfahrer. Eine 1200ccm Maschine und daher meine ich es auch beurteilen zu können. Motorräder werden, wie (z.Zt.) Autos, immer PS-gewaltiger ... das gehört zum derzeitigen Geschäftsmodell. Die passive Sicherheit blieb dagegen auf dem Stand von 1910. Einfach so. Nichts dazugelernt. Mit Kreativität kann man auch sichere Formgebungen und Mechanismen einbeziehen; das Freiheitsgefühl beim Fahren würde bleiben.
Zieht man übrigens Motorrad- und Rollerstatistiken zusammen, kann der 3-Rad-Roller durchaus einen beachtlichen Erfolg verbuchen. Auch das Rollersegment holt auf und wird ebenfalls PS-stärker. Das Marketing setzt Rollerfahrer übrigens zunehmend in Jeans und lockerer Kleidung - obwohl die Roller mittlerweile in Motorradgeschwindigkeiten vorstoßen. Auch so ein merkwürdiges Marketingmodell.

Wenn Motorradfahrer fallen ... bei über 100 km/h endet es wohl meist tödlich (mit oder ohne Helm) - dank fehlender passiver Sicherheitssysteme. Muss man es einfach so akzeptieren und als sportliche Note empfinden ?

Das Sturzrisiko steigt. Die Autos fahren schneller und manchmal wenig aufmerksam. Die Straßen werden schlechter. Manche fahren gut Motorrad; andere weniger gut. Nur ein Aspekt bleibt (ob Schuld oder nicht - egal): Sturz bei über 100 km/h (darunter häufiger auch) - in der Regel mausetot.

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