Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2015

13:28 Uhr

Skoda Fabia Combi im Handelsblatt Autotest

Kleiner Mann ganz groß

VonAlexander Möthe

Mit dem Fabia Kombi bedient Skoda ein Bedürfnis, von dem man als Fahrer gar nicht wusste, dass man es hat: den Kleinwagen mit Stauraum. Und der Praxistext zeigt, dass die Tschechen voll ins Schwarze getroffen haben.

Der Skoda Fabia Combi macht vor allem jüngere Familien glücklich. Frank G. Heide

Kleinwagen mit gewissen Extras

Der Skoda Fabia Combi macht vor allem jüngere Familien glücklich.

DüsseldorfDer Kombi war über Jahrzehnte der Inbegriff des familiären Autostolzes. Groß musste er sein, ausreichend motorisiert, Kinder und Gepäck mussten mit rein. Egal ob Passat Variant, BMW 3er Touring, Opel Omega Tourer, vor Zeiten des Familien-Vans und des SUV gab es nur einen König der Ferienzeit. Kleinwagen in der Langfassung blieben Exoten, meist im Ausland gefertigt, wie der Opel Corsa Kombi.

Skoda hat dem Genre mit der Großversion seines kleinen Fabia um die Jahrtausendwende Leben eingehaucht. Mit dem aktuellen Fabia Combi beweisen die Tschechen, dass sie sehr gut Begehrlichkeiten befriedigen zu verstehen, die es ohne sie vielleicht gar nicht gäbe.

Der Tscheche auf Polo-Basis hat vor allem eins geschafft: Hohen praktischen Nutzen mit einem sehr ansprechenden Äußeren zu vereinen. Der Testwagen ist in unaufgeregtem Grau-Metallic gehalten, was aber sehr gut zur klaren Linienführung passt. Skoda schafft es tatsächlich immer wieder, Autos zu bauen, die gut aussehen ohne zwanghaft auffallen zu müssen. Das ist letztlich natürlich Geschmackssache.
Natürlich taugt das rollende Understatement mit seinen richtig verteilten Proportionen nicht als Statusobjekt. Soll er mit einem Basispreis von gut 13.000 Euro auch nicht. Der Fabia reicht damit eher dem ambitionierten Dacia-Fahrer die Hand, der die Balance zwischen Billigheimer, Platzangebot und Qualität sucht.

Der Testwagen setzt einiges an Extras drauf, der Zubehörkatalog lässt den Endpreis auf stattliche 21.527 Euro anschwellen. In diesem Fall verschleiert der zusätzliche – und vielfach überflüssige – Komfort nicht den Blick auf die wesentlichen Eigenschaften des Skoda: Platz und Verbrauch.

So testet Handelsblatt Online

Tester und Methode

Handelsblatt Online testet Fahrzeuge nicht auf dem Prüfstand oder unter Laborbedingungen. Wir sind keine Wissenschaftler, sondern bewegen die Fahrzeuge ungefähr zwei Wochen lang, wie Kaufinteressenten dies im Alltag tun würden. Jedes Fahrzeug wird von mindestens zwei Personen gefahren und bewertet.

Selbstverständnis

Wir sind Auto- und Motorrad-begeisterte Journalisten mit viel Fahr-Erfahrung, nach bestem Wissen und Gewissen auf der Suche nach neuen Fahrerlebnissen. Wir verstehen uns nicht als Profi-Tester. Wir sind subjektiv und meinungsfreudig, aber fair.

Neu am Neuen ist die Größe. Seit Ende Januar rollt der Combi neun Zentimeter breiter als der Vorgänger und 27 Zentimeter länger als die Limousine über Deutschlands Straßen. 4,26 Meter ist der Skoda lang. Dabei wirkt er nicht nur äußerlich stabil, sondern auch innerlich zumindest wertig verarbeitet. Solide wirkt er, der Combi, ohne aus seiner Bodenständigkeit und seinem Preis ein Geheimnis zu machen.
Beim Härtetest haben wir uns nicht lumpen lassen: Mit dem Fabia ging es in die Schweizer Alpen. 900 Kilometer Fahrt, drei Personen, Gepäck und die halbe Filiale eines deutschen Lebensmitteldiscounters als Wochenvorrat inklusive. Bergauf, bergab mit 90 PS und Zuladung am oberen Limit. Rock’n’Roll.

Der Skoda erweist sich aus dem Stand als fähiges Reiseauto. Ein Beifahrer, einer auf der Rückbank, die geteilt umgeklappt, Taschen und alles, was im Kolonne-fahrenden Polo keinen Platz mehr hatte, verstaut schiebt sich der 1,2 Liter Benziner ganz entspannt die Autobahn Richtung Süden. Nirgendwo stoßen Knie oder Köpfe an, Ellbogen haben Spielraum, Butterbrote und Wasserflaschen kommen auch noch unter.

Skoda übertreibt nicht mit den Bedienelementen, das Fahren bleibt erfrischend intuitiv. Frank G. Heide

Aufgeräumter Innenraum

Skoda übertreibt nicht mit den Bedienelementen, das Fahren bleibt erfrischend intuitiv.

Mit seinen 90 PS ist der kleine Kombi zwar keine Rennsemmel, die Reserven lassen ihn aber immer entspannt gleiten. Nur relativ laut wird der Wagen, wenn es in den dreistelligen Bereich wird. Nicht vom Motor, aber vom Fahrtgeräusch.

Als auffallend gut erweisen sich die Serien-Sitze, die auch nach mehr als neun Stunden Reise keine Schwielen am Hintern verursachen. Die Beifahrer schlafen selig. Läuft.

Tatsächlich wirkt der Wagen innen größer, als er eigentlich ist, das der Gestaltung des Innenraums zu verdanken ist. Im Heck finden im Normalzustand bis zu 530 Liter Zuladung Platz, mit umgeklappter Rückbank sind es fast 1.400 Liter. Damit lohnt sich auch die Fahrt zu Ikea. Der Testwagen glänzt zudem mit allerlei klugen Staufächern und Netzen, so dass auch lose Flaschen und die Kamera sicher untergebracht sind.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellkW / PSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
SkodaFabia Combi
Active 1.2 TSI
66 / 90

14.340 €

50% / 7.170 €

7.170 €

SeatIbiza ST 1.4 16V
Reference
63 / 86

14.880 €

53% / 7.886 €

6.994 €

RenaultClio Grandtour
Dynamique TCe 90
66 / 90

16.090 €

50% / 8.045 €

8.045 €

Die Technik ist solide, vor allen Dingen aber intuitiv, so wie der gesamte Wagen. Der Fahrer wird nicht von einem mit Bedienelementen überladenen Cockpit erschlagen. Alle Handgriffe, vom Schalten über das runterklappen der Mittelkonsole bis hin zur Anzeige des Durchschnittsverbrauchs sitzen auf Anhieb. Man ist kein Fremdkörper auf dem Fahrersitz, wo man in mancher Limousine inzwischen den Eindruck hat, die Technik würde am liebsten selbst das Steuer übernehmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×