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07.03.2013

11:32 Uhr

Skoda Rapid im Handelsblatt-Autotest

Riesige Klappe, viel dahinter

VonSebastian Schaal

Skoda – das steht für Pragmatismus, nicht unbedingt für Emotion. Doch der Skoda Rapid beweist, dass neuere und größere Autos nicht auch teurer sein müssen. Und dass der bessere „Volks-Wagen“ aus Tschechien kommt.

Skoda Rapid: Die Seitenansicht mit Charakterlinie, betonten Radhäusern, Schwellern und relativ großen Fensterflächen präsentiert sich modern, aber nicht modisch. Sebastian Schaal

Skoda Rapid: Die Seitenansicht mit Charakterlinie, betonten Radhäusern, Schwellern und relativ großen Fensterflächen präsentiert sich modern, aber nicht modisch.

Wer einen Skoda kauft, will vor allem eines: viel Auto für wenig Geld. Diesen Gedanken hat bisher der Octavia am eindrucksvollsten umgesetzt: Auf der technischen Basis des Golfs bauten die Tschechen eine ausgewachsene Kompakt-Limousine samt dazugehörigem Kombi. Mit Erfolg: Der Octavia ist das meistverkaufte Modell von Skoda.

Doch die neueste Generation des Octavia ähnelt mit einer Länge von 4,66 Metern mehr einem Mittelklasse- denn einem Kompaktwagen. Der Modulare Querbaukasten, kurz MQB, von Volkswagen macht dieses Wachstum möglich. Eine Lücke zwischen dem kleinen Fabia und dem immer größer gewordenen Octavia gibt es aber nicht: Seit Oktober 2012 steht der Rapid bei den Skoda-Händlern. 

Mit 4,48 Metern hält der Neue den Respektsabstand zu dem Skoda-Bestseller, überragt aber zum Beispiel einen Golf um 13 Zentimeter. Diese zusätzliche Länge im Vergleich zu einem klassischen Kompaktauto bringt der Fließheck-Limousine Nutzwert satt: 550 Liter fasst der Kofferraum hinter der riesigen Klappe - mehr als ein Audi A8. Auch auf der Rückbank erinnern die Platzverhältnisse mehr an eine große Limousine als an die Kompaktklasse.

Mit umgeklappten Rücksitzlehnen passen sogar fast 1.500 Liter in den Rapid. Während bei einem deutschen Premium-Auto jetzt ein teures Gepäck-Management-System mit Schienen, Verzurrösen und Gurten (die in der Praxis kaum jemand benutzt) in der Aufpreisliste steht, hat der Rapid eine ganz simple und kostengünstige Lösung: Dank der vielen Netze fliegen kleinere Taschen nicht in jeder Kurve durch den Kofferraum. 

Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind gut, teils besser als erwartet. Aber "Premium" ist immer noch was anderes. Sebastian Schaal

Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind gut, teils besser als erwartet. Aber "Premium" ist immer noch was anderes.

Die Kehrseite der Medaille ist die Übersichtlichkeit. Wegen der langen und flachen Heckscheibe verkommt die Sicht nach hinten zu einer schmalen Scharte, das Ende des Autos ist nur zu erahnen. Parksensoren im Heck sind erst in der Top-Ausstattung „Elegance“ serienmäßig an Bord, in den beiden günstigeren Varianten sind die Sensoren nur in teuren Paketen erhältlich.

Beim Rapid ist der Name kein Programm. So flott wie es die Modellbezeichnung suggeriert, wird es wohl mit keinem der verfügbaren Motoren. Wir sind den einzig verfügbaren Dieselmotor gefahren. Der 1,6-Liter-Selbstzünder leistet maximal 105 PS, den Verbrauch gibt Skoda mit 4,4 Litern an. Damit kommt der Rapid gut voran, übermotorisiert ist er aber in keinem Fall.

Leider gibt es für den Diesel nur eine Fünfgang-Handschaltung. Wegen der längeren Übersetzung der einzelnen Gänge fehlt es deshalb ein bisschen an Durchzug. Viele Diesel dieser Leistungsklasse mit sechs Gängen können im Stadtverkehr gemütlich im vierten Gang mit 50 km/h mitrollen. Der Rapid kann das auch - gerade so. Wird man auch nur ein kleines bisschen langsamer, fängt der Diesel an zu ruckeln.

Vier Benziner decken ein Leistungsspektrum von 55/75 bis 90 kW/122 PS ab. Die beiden Diesel mit jeweils 1,6 Liter Hubraum sind in zwei Leistungsstufen mit 66/90 und 77 kW/105 PS verfügbar.   Sebastian Schaal

Vier Benziner decken ein Leistungsspektrum von 55/75 bis 90 kW/122 PS ab. Die beiden Diesel mit jeweils 1,6 Liter Hubraum sind in zwei Leistungsstufen mit 66/90 und 77 kW/105 PS verfügbar. 

Dafür ist aber der Verbrauch angenehm niedrig. Bei einer Testfahrt über französische Autobahnen gönnte sich der Diesel im Schnitt 5,0 Liter Kraftstoff. Für deutsche Autobahnen ist der Verbrauch wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung und der sehr gleichmäßigen Fahrweise aber nicht direkt übertragbar. Viel höher wird er aber kaum ausfallen: Im Stadtverkehr und auf bergigen Landstraßen war es nur ein Liter mehr.

Auf den schmalen Straßen zwischen südfranzösischen Bergdörfern kommen dann in diesem pragmatischen Auto sogar Emotionen auf. Das Fahrwerk ist relativ straff, die Lenkung ist angenehm leichtgängig. So wieselt der gerade einmal 1,1 Tonnen schwere Rapid dann flott um die engen Kurven. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Voll und ganz. Viel Platz für wenig Geld, niedriger Verbrauch, bequeme Sitze. Was braucht man mehr? Nur die unübersichtliche Karosserie stört beim Parken.

Das schönste Detail?

Für mich ist das nicht der viel beworbene Eiskratzer im Tankdeckel, sondern es sind die vielen Gepäcknetze im Kofferraum. 

Enttäuschend?

Das Navigationssystem. Die Kartendarstellung ist nicht mehr zeitgemäß, das können viele mobile Geräte besser. Auch das Kartenmaterial ist im Ausland nicht so umfangreich. Besser gar kein Navi anzubieten, als dieses.

Ist er‘s wert?

Der beworbene Kampfpreis von 13.990 Euro für den Basis-Benziner ist unrealistisch. Mit einem stärkeren Motor und ein bisschen Ausstattung kratzt der Rapid an der 20.000-Euro-Marke. Dafür bietet er immer noch sehr viel. Preiswerter geht es wohl nur mit einem Dacia.

Sound?

Typischer Diesel-Sound. Auf der Autobahn ist es im Innenraum aber etwas lauter, hier nehmen die Windgeräusche stark zu. Außerdem macht sich hier der fehlende sechste Gang bemerkbar: Bei 130 km/h dreht der Rapid im fünften Gang rund 500 Umdrehungen höher als die Konkurrenz im sechsten.

Wie grün ist das Auto?

Im Testschnitt lag der Durst des Rapid bei 5,5 Litern. Das geht für die gebotenen Fahrleistungen in Ordnung, ist aber nicht rekordverdächtig. Spritspar-Techniken wie ein Start-Stopp-System gibt es nur in dem GreenTec-Paket für 400 Euro.

Vorbildlich?

Wie viel Platz ein Auto dieser Größenklasse im Innenraum bieten kann, ist beeindruckend. 

 

Was sagt der Nachbar?

Er hat den Wagen zuerst für einen Octavia gehalten. Sieht elegant aus, nur die Reifen sind optisch für seinen Geschmack zu klein. Vom Kofferraum ist er beeindruckt.

Wer guckt?

Niemand. Glauben Sie mir.

Wie fährt er sich?

Wenn der Fahrer will, geht der Rapid auch flott um die Kurven. Nur auf der Autobahn nervt das viel zu harte Fahrwerk.

Wo gehört er hin?

Mit Abstrichen bei der Langstrecke passt der Rapid überall hin.

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