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06.08.2016

15:43 Uhr

Smart Fortwo Cabrio im Test

Seitensprung nicht ausgeschlossen

VonFrank G. Heide

Es hätte eine Sommerliebe werden können, der Flirt mit dem neuen, offenen Smart Fortwo. Doch es sollte nicht sein. Wie eine Kurzzeitbeziehung durch schlechte Vibrationen von unten zerstört wurde.

Über dieses Schild können Smart-Fahrer natürlich nur lachen. Generation 3 hat einen Wendekreis von sensationellen 6,9 Metern. Und im Stadtverkehr ist jedes Einlenken das pure Vergnügen, weil es fast schon übertrieben leicht und effektiv funktioniert. Frank G. Heide

Keine Wendemöglichkeit?

Über dieses Schild können Smart-Fahrer natürlich nur lachen. Generation 3 hat einen Wendekreis von sensationellen 6,9 Metern. Und im Stadtverkehr ist jedes Einlenken das pure Vergnügen, weil es fast schon übertrieben leicht und effektiv funktioniert.

DüsseldorfEs war Liebe auf den ersten Blick: Die Metallic-Lackierung des kleinen, knuffigen Testwagens mit dem schwarzen Stoff-Klappdach zog mich ebenso in ihren Bann wie die meisten Passanten. Dieses Smart Fortwo Cabrio musste man einfach anstarren. Der dank seiner nur zwei Meter siebzig Länge extrem breit wirkende Wagen sieht von der Seite aus wie ein goldiger Kinderturnschuh. Und in die modern-wertige Ausstattung des „Prime“-Modells haben sich auch sofort alle Mitfahrer und Kollegen verguckt. Beste Voraussetzungen also für eine Sommerliebe.

Doch es soll nicht sein. Erste Erschütterungen muss die junge Beziehung bereits verkraften, als sich der Zündschlüssel im Schloss dreht. Das kalte Aggregat mit nur 0,9 Liter Hubraum und Turbo-Zwangsbeatmung erwacht rüttelnd und ruckelnd im Heck, man glaubt kurzzeitig auf einem Traktor zu sitzen. Schlechte Vibrationen, die da aus dem Heck kommen, wobei sich die klassische Unterteilung in Vorne-Mitte-Hinten beim Smart fast verbietet, hier ist alles eins.

Nach den Sitz-erschütternden ersten Kilometern und auf Betriebstemperatur gebracht, scheint der erste Beziehungsstress überwunden. Neben dem fitten Aussehen faszinieren die Charaktereigenschaften der neuen Bekanntschaft: Die City ist die ideale Spielwiese, um sich intensiver abzutasten.

Und der Smart-Testwagen macht beim Anfassen Spaß: Vor allem das schwarze, mit grobem Wabenmuster-Stoff belegte, Armaturenbrett wirkt sehr wertig, ein toller Kontrast zu dem tristen hellgrauen Kunststoff, der den Kleinstwagen innen pflegeleicht macht. Das Gestühl ist mit fein aussehendem (Kunst-)Leder bezogen und viel weiter zu verstellen, als erwartet.

Das gilt auch für das griffige Lenkrad, das viele sinnvoll gruppierte Bedienknöpfe zeigt. Überhaupt ist der Kleine ausgestattet wie ein Großer: Sprachsteuerung, Tempomat, Spurverlassenswarner, Abstandswarner, Sitzheizung, superschnelle Smartphone-Anbindung und einwandfreie Navigation über einen modernen, großen Touchscreen sind an Bord. Mit allen Extras kostet ein Smart Cabrio mit Proxy-Ausstattung aber auch etwas mehr als 20.000 Euro.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Nur bedingt. Bei der Parkplatzsuche und in der City ist er Spitze. Auf der Autobahn und beim Baumarktbesuch verliert er.

Das schönste Detail?

Das wunderbar wertig mit Stoff belegte Armaturenbrett des Testwagens.

Enttäuschend?

Der ruckelnde, vibrierende Dreizylindermotor ist eine Zumutung. Außerdem hat er eine Anfahrschwäche und viel zu großen Durst.

Ist er`s wert?

Der Preis ist selbstbewusst: Deutlich über 16.000 Euro für so ein kleines Auto. Andererseits war es schon immer etwas teurer Cabrio zu fahren.

Sound?

Mager bis nicht existent. Gute Geräuschdämmung unterm Stoffdach, das Fahrwerk meldet sich aber gerne mit Rumpeln.

Wie grün ist das Auto?

Smart gibt für den 90 PS-Turbo-Dreizylinder 4,2 Liter Super als Normverbrauch an. Ich habe im Alltag meist mindestens zwei Liter mehr gebraucht.

Vorbildlich?

Die schnelle Dachöffnung macht Spaß. Und die auffällige Metalliclackierung macht den Wagen zum absoluten Hingucker.

Was sagt der Nachbar?

„Nimmt der schon Benzin, oder muss er noch an die Brust?“

Wer guckt?

Alle. Wirklich alle. Es muss neben der knuffigen Turnschuh-Form wohl die auffällige Lackierung sein.

Wie fährt er sich?

Die Lenkung ist super, der Wendekreis eine Sensation. Aber der ruckelige, vibrierende Dreizylinder und die extrem zähe Automatik sind nicht jedermanns Sache.

Wo gehört er hin?

Auf die Jagd nach Parkplätzen, da ist er König.

Richtig sexy und ein bisschen spektakulär wird es weiter oben: Das Stoffdach lässt sich per Drei-Tasten-Fahrzeugschlüssel sogar schon von außen öffnen, es fährt in zwölf Sekunden zurück. In zwei Etappen funktioniert die Befreiung von der sommerlichen Textilie: Erst öffnet die gerade Dachfläche, kurze Erregungspause, nach erneutem Tastendruck klappt dann der Heckteil mit der heizbaren Glas-Heckscheibe herunter.

Allerdings nicht weit genug, um vom Fahrersitz aus den rückwärtigen Verkehr sehen zu können. Der Blick nach hinten bleibt am schwarzen Wulst aus Polyester und Baumwolle hängen. Das wirkt so ernüchternd, als sähe man(n) nach dem ersten Striptease der neuen Gefährtin zum ersten mal ihren Feinrippschlüpfer. Die Rückfahrkamera ist also obligatorisch, sie liefert aber auch scharfe Bilder mit gut erkennbaren Fahrlinien.

In der winzigen und sehr schweren Heckklappe befinden sich zwei perfekt geformte Ablagen für die seitlichen Dachholme, die man sekundenschnell von Hand aus- und einbauen kann. Frank G. Heide

Klappt gut und passt perfekt

In der winzigen und sehr schweren Heckklappe befinden sich zwei perfekt geformte Ablagen für die seitlichen Dachholme, die man sekundenschnell von Hand aus- und einbauen kann.

Wen jetzt beim Cabrio-Feeling noch die beiden seitlichen Dachholme stören, der muss kurz anhalten und Hand anlegen: Die grauen Streben lassen sich in Sekundenschnelle ausbauen und in perfekt geformten Ablagen in der winzigen Kofferraumklappe verstauen. Das ist im Detail genau so überzeugend gelungen wie die Geräuschdämmung des 1,8-Quadratmeter-Dachs: Premium in kleinsten Abmessungen.

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