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19.06.2012

14:44 Uhr

Smart fortwo electric

Umweltfreundlich und unerwartet kraftvoll

Quelle:MID

Mit dem neuen Smart fortwo electric drive bietet die Mercedes-Tochter den zweisitzigen Stadtflitzer nun in der dritten Generation an. Der reine Elektroantrieb für jedermann ist aber kein billiges Vergnügen.

Der Smart fortwo electric läuft maximal 125 kh/h schnell und verfügt über eine Reichweite von rund 145 Kilometer. MID

Der Smart fortwo electric läuft maximal 125 kh/h schnell und verfügt über eine Reichweite von rund 145 Kilometer.

BerlinMit dem ab sofort bestellbaren Smart fortwo electric drive will der älteste Autobauer der Welt seine Kompetenz bei emissionsfreier Mobilität beweisen. Optisch unterscheidet den kleinen zweisitzigen Fronttriebler nichts von seinen herkömmlichen über die Hinterachse angetriebenen Brüder. Auch im Innenraum ist der Smart electric drive fast ein ganz normaler Smart. Lediglich die Instrumentierung weist andere Anzeigen auf. So gibt es zwar weiterhin die normale große Geschwindigkeitsanzeige, die beiden separat auf dem Armaturenbrett angebrachten Zusatzinstrumente zeigen jedoch die aktuell abgeforderte Leistung des 55 kW / 75 PS starken Elektromotors und den Ladezustand der Batterie an.

Bei der Schaltung gibt es nach wie vor die Ebenen "P" für parken, "N" für Leerlauf, "R" für Rückwärts und "D" für Drive also Fahrt. Nach dem Drehen des Zündschlüssels bleibt alles erst einmal mucksmäuschen still. Nur die aktivierten Anzeigen liefern dem Fahrer einen Hinweis darauf, dass der elektrische Smart einsatzbereit ist. Also den Schalthebel auf D schieben und das Pedal treten. Völlig geräuschlos setzt sich das kleine E-Auto in Bewegung. Nur ein minimales Surren ist im Innenraum zu vernehmen, nach außen agiert der Smart lautlos.

Der Smart fortwo electric verfügt über einen konventionellen Tacho. MID

Der Smart fortwo electric verfügt über einen konventionellen Tacho.

Das fest durchgetretene rechte Pedal sorgt für Überraschungsmomente. Mit unerwarteter Wucht schießt der Stadtflitzer derart nach vorne, dass es eine wahre Freude ist. Im Gegensatz zum normalen Smart kann der Fahrer völlig auf den Griff zum Schalthebel verzichten. Da der Elektromotor nur über eine Übersetzung verfügt, entfallen die Schaltpausen, die wir vom Normal-Smart kennen. Kraftvoll, entspannt und komfortabel erhöht der 2,7 Meter lange Zweisitzer sein Tempo.

Er schafft es in 11,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Aber natürlich ist der Smart electric drive nicht für die Höchstgeschwindigkeit und Sprinteinlagen konzipiert. Sein Terrain ist die Stadt. Und hier wird der Fahrer zum König.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Emissionsfrei und geräuschlos gleitet er durch den urbanen Dschungel. Dank seiner Fahrleistungen ist der E-Smart wirksam davor gefeit, negativ als Verkehrshindernis in Erscheinung zu treten. Ganz im Gegenteil, der Fahrer des Smart electric zählt immer zügig vorankommenden Verkehrsteilnehmern. Die 130 Newtonmeter maximalen Drehmoments liegen in jeder Fahrsituation an und adeln die Fahrt zur entspannten und lustvollen Übung. Nur das überaus straff abgestimmte Fahrwerk sorgt für Verdruss bei den Passagieren. Bodenunebenheiten dringen deutlich spürbar bis in die Sitze des Smart durch.

Der Smart fortwo electric unterscheidet sich äußerlich nicht von den konventionell angetriebenen Modellen. MID

Der Smart fortwo electric unterscheidet sich äußerlich nicht von den konventionell angetriebenen Modellen.

Der im Heck des Smart eingebaute Elektromotor stillt seinen Energiebedarf aus einer Lithium-Ionen Batterie. Die lässt sich sowohl an der normalen Haushaltssteckdose, als auch an einer Schnellladevorrichtung aufgeladen. Wenn es schnell gehen soll, ist die Batterie in rund einer Stunde wieder aufgeladen. Als Reichweite einer Batteriefüllung gibt Smart rund 145 Kilometer an.

Die Lithium-Ionen-Batterie des Smart fortwo electric lässt sich an einer Schnellladestation ebenso aufladen, wie an einer normalen Haushaltssteckdose. MID

Die Lithium-Ionen-Batterie des Smart fortwo electric lässt sich an einer Schnellladestation ebenso aufladen, wie an einer normalen Haushaltssteckdose.

Der immer noch hohe Preis für den Elektro-Smart begründet sich mit vielen technischen Lösungen, die notwendig sind, um einen Smart zu elektrifizieren. Diese Änderungen umfassen unter anderem das Bremssystem oder die Stromversorgung für Heizung und Lüftung. Auch das System für die Energie-Rekuperation verlangte ordentlich Entwicklungskosten.

Zahlen und Fakten zum E-Antrieb

Gewicht

Eine E-Maschine, also der Motor-Generator inklusive der Elektronik drum herum, wiegt nur etwa 50 bis 70 Kilogramm. Ein Verbrenner ist deutlich schwerer: Ein 4-Zylinder-Benziner wiegt ungefähr um die 220 Kilo, eine kleinere Dieselmaschine sogar knapp 300 Kilogramm. Der reine Vergleich der Antriebsformen ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Entscheidend ist das Gesamtgewicht - dazu zählen auch die benötigte Batterie oder - beim Verbrenner - der mit Sprit gefüllte Tank.

Reichweite

Reichweite ist noch eines der größten Probleme bei E-Autos. Als Faustformel gilt, dass für eine ähnliche Streckenleistung wie mit einem spritfressenden Fahrzeug das 10- bis 20-Fache der Batterie benötigt wird. Bei 60 Litern Tankvolumen wären das rund 600 bis 1.200 Liter Batterievolumen - eine enorme Größe. Die Leistungssteigerung der Batterien ist daher eines der wichtigsten Themen beim E-Auto.

Wartung

Eine E-Maschine ist auf Lebensdauer wartungsfrei. Verbrenner nicht. Diesel mit großem Hubraum gelten als langlebig - Laufleistungen von mehreren Hunderttausend Kilometern sind nicht selten. Die für die E-Autos benötigten Batterien haben allerdings auch eine begrenzte Lebenserwartung. Sie werden mit der Zeit und dem Laden schwächer.

Ölwechsel

Ein E-Motor braucht keinen Ölwechsel, so wie es bei Verbrennern früher oder später der Fall ist. Die Lagerfette in den E-Antrieben sind auf eine lebenslange Funktionstüchtigkeit ausgelegt.

Getriebe

E-Autos kommen ohne Schaltgetriebe aus. Zulieferer wie ZF Friedrichshafen oder Getrag, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Getrieben erzielen, oder Hersteller wie Daimler, die ihre Getriebe selbst entwickeln und fertigen, werden sich umstellen müssen.

Dabei gewinnt der Elektromotor, der im Schubbetrieb oder beim Bremsen als Generator fungiert, Energie zurück. Im Hinblick auf die Mehrkosten für den Elektroantrieb sollte der Kunde beachten, dass im Gegensatz zum Verbrennungsmotor kaum Verschleißerscheinungen auftreten. Es ist kein Wechsel von Öl, Zündkerzen, Zahn- oder Keilriemen erforderlich. In der Miete der Batterie ist zudem eine Garantie zehn Jahren enthalten.

Der Smart fortwo electric drive ist ein gutes und umweltschonendes Angebot mit ausgesprochen guten Fahrleistungen. Wenn erst einmal flächendeckend die Aufladung der Batterie in den Städten gewährleistet ist, wird sich das System durchsetzen. Smart hat seine Hausaufgaben gelöst, jetzt sind die Städte gefordert, die Gegebenheiten für die Elektromobilität zu unterstützen.

Die Zusatzinstrumente auf dem Armaturenträger zeigen den Ladezustand der Batterie und die abgerufene Motorleistung an. MID

Die Zusatzinstrumente auf dem Armaturenträger zeigen den Ladezustand der Batterie und die abgerufene Motorleistung an.

Bewertung
Plus: agiler Motor, sparsam, lautlos

Minus: hoher Preis, hartes Fahrwerk

Technische Daten: Smart electric drive
Zweitüriger Kompaktwagen mit zwei Sitzen und Heckklappe
Länge: 2,66 m
Breite: 1,56 m
Höhe: 1,57 m
Radstand: 1,87 m
Gewicht: 900 kg
Kofferraumvolumen 220 - 340 Liter
Motor: Elektromotor mit 55 kW / 75 PS
max. Drehmoment: 130 Nm
Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 11,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h
Reichweite 145 Kilometer
CO2-Emission: 0 g/km
Preis: ab 18.910 Euro (Coupe, 22.000 Euro fürs Cabrio), zzgl. Batteriemiete: 65 Euro/Monat

Smart bringt jetzt den fortwo electric in den Handel. PR

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Kommentare (7)

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laika0231

19.06.2012, 19:34 Uhr

Umweltfreundlich sind Elektroautos nur, wenn Strom aus Erneuerbaren Energien getankt wird. Bezieht der Autobesitzer jedoch den normalen Strommix, kann er genauso gut auch den Benziner oder Diesel fahren, ohne dass er höhere CO2-Emissionen verursachen würde.

Account gelöscht!

20.06.2012, 00:49 Uhr

Ihr Statement ist (fast) richtig.
Elektroautos verursachen beim aktuellen Strommix etwa so viel CO2 als ein vergleichbares sparsames Dieselfahrzeug.
Das schöne aber ist, dass das Elektroauto mit jedem Prozent mehr Strom aus erneuerbaren Energien im Strommix das Elektroauto mit der Zeit auch weniger CO2 verursacht. Bei einem Benzin- oder Dieselfahrzeug bleibt der Verbrauch und damit der CO2-Ausstoß über die Lebenszeit in etwa gleich (oder wird etwas schlechter)
Zudem sind Elektroautos noch in den Bereichen Lärmemission, Feinstaub und Stickoxid-Austoß wesentlich besser als Benzin- oder Dieselfahrzeuge, und das vorwiegend dort wo diese Dinge am meisten Probleme verursachen - nämlich in den Städten und Gemeinden.
Und das allerbeste ist, dass es verdammt viel Spaß macht, mit einem Elektroauto zu fahren. Es kommt nicht auf die Höchstgeschwindigkeit an sondern auf das Drehmoment und den Durchzug.

Account gelöscht!

20.06.2012, 16:23 Uhr

Laika´s Behauptung ist keineswegs richtig. Ein Otto-Motor kommt nur auf einen Wirkungsgrad von 30-40%, Elektromotoren von über 90%! Also selbst wenn der Strom für das E-Auto nur zum kleinen Teil aus erneuerbaren Energien gewonnen wird ist der E-Motor schlichtweg effizienter. Der E-Motor ist dem Verbrennungsmotor ohnehin in so gut wie jeder Disziplin überlegen (Drehmomentverlauf, Wirkungsgrad, Geräusch-, Emissionsentwicklung) das einzige Problem ist die Energiespeicherung bei E-Motoren!

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