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07.06.2011

09:02 Uhr

Spritspar-Technik

Nicht immer lohnt sich der Aufpreis

Quelle:dpa

Blue-Motion, Blue-Efficiency, Drive-e - Autos, die die Hersteller für besonders umweltfreundlich halten, bekommen Ökolabels verpasst. Die Modelle zügeln tatsächlich ihren Spritdurst. Doch der Aufpreis lohnt nicht immer.

Knausern mit Ökosignet: In der BlueMotion-Version verbraucht der VW Golf im Normzyklus nur noch 3,8 Liter Diesel, was einem CO2-Ausstoß von 99 g/km entspricht.

Knausern mit Ökosignet: In der BlueMotion-Version verbraucht der VW Golf im Normzyklus nur noch 3,8 Liter Diesel, was einem CO2-Ausstoß von 99 g/km entspricht.

Berlin"Mit sechseinhalb Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr wird vom Verkehr etwas mehr als ein Fünftel der weltweiten Gesamtmenge von über 31 Milliarden Tonnen ausgestoßen. Ein Fakt, vor dem kein Automobilhersteller die Augen verschließen kann." Diesen Satz formulierte nicht etwa ein Umweltverband, sondern der Autobauer Daimler. Deshalb bemühe man sich in Stuttgart darum, "Mobilität heute und in Zukunft so nachhaltig wie möglich zu machen". Blue-Efficiency nennt Daimler seine Strategie zur Verbrauchsoptimierung.

Tatsächlich ist mittlerweile das Gros der Autohersteller auf den Ökozug aufgesprungen und widmet sich dem Thema Effizienz mehr als zuvor. Die Spritsparmodelle tragen bei Opel den Beinamen Eco-Flex, Blue Lion nennt sie Peugeot. Bei Skoda heißt das Ökolabel Green-Line, Ford setzt auf Econetic, Renault auf Eco2, Citroen auf Airdream, Seat auf Ecomotive. Diese Liste lässt sich noch fortsetzen.

EfficientDynamics - so heißt bei BMW das flottenübergreifende Programm zum Spritsparen. Aber nur der 320d EfficientDynamics trägt auch diesen Namen.

EfficientDynamics - so heißt bei BMW das flottenübergreifende Programm zum Spritsparen. Aber nur der 320d EfficientDynamics trägt auch diesen Namen.

In einem Test fand der ADAC für Sparmodelle von BMW, Mitsubishi und VW heraus, dass insgesamt zwischen sieben und 14 Prozent Spritersparnis möglich sind, im Stadteinsatz sogar mehr als 20 Prozent. Dabei helfen neben der Start-Stopp-Technik und der Energierückgewinnung eine längere Getriebeübersetzung, rollwiderstandsarme Reifen und eine verbesserte Aerodynamik. Wer wissen will, wie die effizienteren Modelle im Einzelnen ihren Spritdurst zügeln, muss sich durch die Kataloge und Webseiten der Hersteller arbeiten. "Bei den Ökolabels geht jeder Hersteller seinen eigenen Weg", sagt Gregor Kolbe vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Alles hängt vom Spritpreis ab

Start-Stopp, Rückgewinnung, optimierte Pneus und auf Effizienz getrimmte Motoren kommen zum Beispiel beim VW Golf 1.6 TDI Blue-Motion zum Einsatz. Sein Motor verbraucht im Normzyklus 3,8 Liter (CO2-Ausstoß: 99 g/km). Im ADAC-Test sparte der Wagen gegenüber dem vergleichbaren Modell ohne Ökotechnik 14 Prozent ein. Der Aufpreis liegt bei rund 1.000 Euro. Rechnen sich die höheren Anschaffungskosten für die VW-Blue-Motion-Modelle? "Das hängt vom Spritpreis ab", sagt VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. "Aber nach zehn bis fünfzehn Jahren ist der Aufpreis amortisiert."

Anderes Beispiel: der Hyundai i30. 270 Euro kostet der Wagen mit Start-Stopp mehr als das Standardmodell ohne Blue-Schriftzug. Der Verbrauch des 1,6-Liter-Benziners etwa geht bei diesem Auto um 0,6 auf 5,9 Liter zurück, der CO2-Wert von 152 auf 139 g/km. Eine bessere Aerodynamik und Energierückgewinnung sind dann aber nicht an Bord.

Kommentare (1)

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Mollemopp

07.06.2011, 10:17 Uhr

"Aber nach zehn bis fünfzehn Jahren ist der Aufpreis amortisiert."

Da muss ich aber mal ganz laut lachen. Die Wenigsten fahren ihr Auto 15 Jahre lang. Und schon garnicht der Automobilbranche würde es gefallen, wenn der Kunde alle 10 bis 15 Jahre ein neues Auto kauft. Also gibt es hier faktisch keine Amortisation. Auch der angeblich geringere Wertverlust ist ein Märchen. Ich habe ja auch viel mehr für das Fahrzeug bezahlt. Hier wird nur wieder dem Autofahrer das schlechte Gewissen eingeredet, dass er die Welt retten soll. Für die Automobilbranche bedeutet das nur höhere Umsätze und Gewinne. Durch diesen ganzen Öko-Start-Stopp-Blödsinn kostet ein Polo inzwischen soviel, wie vor Jahren noch der Golf. Da zahle ich doch lieber an der Zapfsäule und kaufe Autos ohne Spritsparwahnsinn.

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