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25.10.2012

07:50 Uhr

Subaru BRZ im Handelsblatt-Test

Der beste Boxer, den Porsche nie gebaut hat

VonFrank G. Heide

Kein Turbo, kein Kompressor, und Leistung, die heute auch Kombis bieten. Das soll ein Sportwagen sein? Der Subaru BRZ liefert keine Superlative, das japanische Sportcoupé begeistert aber durch ungefilterten Fahrspaß.

Klein, schwarz, stark: Der Espresso unter den aktuellen Sportcoupes heißt Subaru BRZ oder Toyota GT 86. Sebastian Schaal

Klein, schwarz, stark: Der Espresso unter den aktuellen Sportcoupes heißt Subaru BRZ oder Toyota GT 86.

DüsseldorfDiese neuen kleinen Sportcoupés aus Japan sind ein Phänomen: Toyota GT 86 und Subaru BRZ, die beiden fast baugleichen 200-PS-Boxer, bieten keinerlei Superlative, und fahren bei den Vorbestellungen und Verkäufen im Sportwagen-Segment allen Konkurrenten auf und davon. Ohne Turbo, ohne Kompressor, und mit einer Leistung, die heute auch etliche Kombis bieten. Moment mal, das wollen Sportwagen sein? Spitze 230 km/h und ein Beschleunigungswert von 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind doch keine Sensationen! Dennoch begeistern Toyota GT 86 und Subaru BRZ auch Profi-Racer und Petrolheads wie Tim Schrick und Chris Harris. Was ist dran, an der Faszination BRZ?

Ein bezahlbarer Sportwagen, der einfach nur Spaß macht, und auf den ganzen Assistenzkram verzichtet, welcher unsere Autos so schwer und teuer macht. Flach ist er, leicht, gut ausbalanciert, nicht zu schwach, nicht zu stark, - und nicht zu teuer. Ein schöner Traum, vor allem vieler junger Autofahrer. Dass Porsche uns sowas erst ankündigt und dann platzen lässt macht aber nix, denn Subaru hat mit dem BRZ genau das oben beschriebene Objekt der Begierde gebaut.

Schwarzes Leder und rote Ziernähte machen noch keinen Sportwagen. Tiefe Schalensitze, knackige Schaltung, niedriger Schwerpunkt, präzise Lenkung und Hochdrehzahl-Boxermotor aber schon. Sebastian Schaal

Schwarzes Leder und rote Ziernähte machen noch keinen Sportwagen. Tiefe Schalensitze, knackige Schaltung, niedriger Schwerpunkt, präzise Lenkung und Hochdrehzahl-Boxermotor aber schon.

Die technischen Daten des schwarzen Testwagens namens BRZ R versprechen zwar zunächst keine Sensationen, aber wie sich später herausstellt, braucht Subaru keine Superlative, um ein Maximum an Fahrspaß zu bieten. Der Vierzylinder-16-Ventiler hat zwei Liter Hubraum und ist in extrem flacher Boxerbauweise konzipiert. Er schafft 200 PS bei 7.000 Umdrehungen in der Minute (U/Min), was für 230 km/h Spitze und 7,6 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 km/h reicht.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Subaru BRZ

Was sagt der Nachbar?

Die Optik ist ein Knaller, der Nachbar reckt den Daumen hoch. Den Unterschied zwischen Toyota GT 86 und Subaru BRZ kennt er gar nicht. Aber der flache schwarze Flitzer gefällt.

Wie "grün" ist das Fahrzeug?

Der Motor ruft: "Gib Gas, ich will Spaß!" und dreht bis 7.600 U/Min, kurz vorher wird geschaltet. Kein Auto für Spritsparer. Der Testverbrauch liegt zwischen 9 und 11 Liter Super.

Kein Motor wie die anderen?

Die technische Besonderheit eines Boxers im Vergleich zu einem (meist stehenden) Reihenmotor oder einem V-Triebwerk liegt in der Kurbelwelle. Die stellt beim (meist liegenden) Boxer für jedes Pleuel einen eigenen Hubzapfen bereit. Das steigert zwar den technischen Aufwand, verbessert dafür aber die Steifigkeit der Welle. Dadurch ist ein Boxer laufruhiger und drehfreudiger als andere Motorenkonzepte.

Ist er es wert?

Ja, aber das Spaßmobil ist kein Schnäppchen. Für 31.000 Euro ist der Testwagen komplett ausgestattet, verzichtet aber auf Pseudotechnik, Assistenzkram und Optik-Schnickschnack. Nutzwert bietet der Subaru im Alltag wenig.

Wie fühlt er sich an?

Ältere Semester, die es tief, hart, und ehrlich mögen, werden vom reinen Fahrvergnügen beeindruckt sein. Sie müssen beim Aussteigen aber extra Schwung holen, und werden wohl leicht ächzen. Denn auch der Fahrersitz wurde für einen der guten Straßenlage untergeordneten niedrigen Schwerpunkt optimiert. Auf flotter Kurvenfahrt ist das aber schnell vergessen.

Was nervt?

Das Drehmoment ist mit 205 Nm wirklich schmalbrüstig, im unteren Drehzahlbereich wünscht man sich einen Kompressor, oben raus einen Turbo und einen flotteren 6. Gang.

Das schönste Detail?

Das angedeutete Ausbrechen des Hecks in flotten Kurven, das sich mittels Gasfuß und Lenkung mit viel Spaß kontrollieren lässt.

Wofür steht eigentlich BRZ?

Boxer, Rear-Wheel-Drive, Zenith. Wobei Zenith kein technischer Begriff ist, sondern das Selbstbewusstsein von Marketing oder Ingenieuren zum Ausdruck bringt, dass es besser angeblich nicht geht.

Zusammen mit speziell für einen leichten Sportwagen modifiziertem Fahrwerk, super-präziser Lenkung, ehrlicher Sechsgang-Handschaltung und engen Schalensitzen steckt die Technik in einem aufregend gestylten Blechkleid mit kurzem Heck und langer Schnauze. Eine dynamische Form, die sich niedrig auf den Asphalt duckt, wie zum Angriff auf größere Sportwagen bereit.

Fast jedes Detail am Kompaktsportler wollen die Ingenieure auf möglichst flachen, tief platzierten Einbau hin optimiert haben. Die Operation ist gelungen: Der Fahrer spürt den niedrigen Schwerpunkt ab der ersten Kurve, denn ab dem Zeitpunkt möchte er nicht mehr aufhören, im BRZ Kurven zu fahren. Endlich mal ein Hersteller, der seinen Werbeclaim („Confidence in Motion“) in die Tat umgesetzt. Der Fahrspaß darf als gesicherte Erkenntnis gelten, weil der BRZ im 14-tägigen Intensivtest keine einzige böse Überraschung zeigt.

Verzicht auf martialische Optik: Das Spoilerwerk des Subaru BRZ ist dezent, die wunderbar flache Silhouette duckt sich niedrig auf den Asphalt. Sebastian Schaal

Verzicht auf martialische Optik: Das Spoilerwerk des Subaru BRZ ist dezent, die wunderbar flache Silhouette duckt sich niedrig auf den Asphalt.

Die Lenkung reagiert überaus direkt und zielgenau, die Schaltwege sind so kurz und knackig, dass man die Paddles am Lenkrad gar nicht vermisst. Es gibt sie aber zumindest als Option, in Kombination mit einer 6-Gang-Automatik, von deren Behäbigkeit man aber abraten muss.

Die Kupplung des Testwagens präsentiert sich hart, aber herzlich. Außerdem braucht der Subaru beim flotten Start auch einen beherzten Gasstoß. Will man beim Ampelstart nicht vergeigen, sollte man also ein bisschen üben. Auch deswegen, weil man sehr plötzlich gezwungen ist, zu schalten. Gerade weil sich unterhalb von 3.000 Umdrehungen nur wenig abspielt, ist die Überraschung groß, wie schnell der BRZ dass Drehzahlband ab 4.000 bis rund 7.500 U/Min durcheilt und bei 7.600 in den elektronischen Begrenzer knallt.

Fahrtest-Video

Sportlicher Fahrspass - Toyota GT 86

Fahrtest-Video: Sportlicher Fahrspass - Toyota GT 86

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Kommentare (5)

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darkstar242

25.10.2012, 10:41 Uhr

"Klar, für 31.000 Euro kann man keinen Porsche erwarten"
--> Oh doch, und zwar schon für deutlich weniger Geld!
Man nehme einen Porsche 944 S2, der hat 211 PS, auch untenrum schon genug Wumms, ab 4000 U/min geht die Post richtig ab und er lässt sich auch wie ein Golf fahren, ganz unproblematisch. Auch ohne Assi-Systeme, auch ohne ESP klebt dieses Fahrzeug auf dem Asphalt, auch und gerade in Kurven... Zudem null Wertverlust mehr.

gt86drivers.de

25.10.2012, 15:44 Uhr

Hallo BRZ und GT86 Freunde,

vielen Dank an den Autor für den wirklich schön geschriebenen und gut recherchierten Bericht. Das ist, wie man die letzten Monate lesen konnte nicht selbstverständlich. Wer sich mit Gleichgesinnten zum Thema BRZ oder GT86 (virtuell oder auch im echten Leben) treffen möchte, kann gerne einen Blick auf unsere Community unter http://www.gt86drivers.de werfen. Hier gibts regelmäßig News und ein Forum, in dem sich alles um die Fahrer von "Toyobarus" neuem Sportcoupe dreht :)

GausN

25.10.2012, 22:14 Uhr

Jo! Damals wie heute sind die Asiaten in diesem Segment einfach besser.
Ich fuhr den Honda VTi(grün) mit 160 PS und abnehmbaren Dach.
Klar lachten die Porscheleute, aber für mich war Preis/Leistung damals wie heute maßgebend.
PS: Fahre nun eine gelbe Corvette C6 - Porsche kann mich mal.

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