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19.12.2015

11:33 Uhr

Subaru Levorg im Handelsblatt Autotest

Den fährt bestimmt nicht jeder

VonFrank G. Heide

Subaru, seit 35 Jahren in der Statistenrolle auf dem deutschen Automarkt, fährt die nächste Besonderheit vor. Mit klaren Stärken und Schwächen. Wann haben Sie zuletzt einen Familienkombi mit Hutze auf der Haube gefahren?

Falkenaugen-Scheinwerfer, mächtige Spoiler und Seitenschweller definieren den optischen Auftritt des neuesten Subaru. Der Levorg löst in Europa den Legacy ab, und die Designer geben ihm zur besseren Wiedererkennbarkeit die Lufthutze des Kult-Modells WRX STI mit auf den Weg. Frank G. Heide

Selbstbewusst! Oder überzogen?

Falkenaugen-Scheinwerfer, mächtige Spoiler und Seitenschweller definieren den optischen Auftritt des neuesten Subaru. Der Levorg löst in Europa den Legacy ab, und die Designer geben ihm zur besseren Wiedererkennbarkeit die Lufthutze des Kult-Modells WRX STI mit auf den Weg.

Düsseldorf„Wie heißt der? LEVORG? Klingt wie der Ork aus Leverkusen.“ Zugegeben, für die Spötter unter meinen Kollegen ist der Name des neuesten Subaru-Serienmodells ein gefundenes Fressen. Dabei hatten die Japaner es gut gemeint: Ihr alter Kombi-Bestseller „Legacy“ läuft in Europa aus, von ihm bleibt nur das „LE“. Die restlichen Wortbestandteile des Nachfolgers, sagt Subaru, kämen von „reVOlution“ und „touRinG“.

What the Vorg, denk ich mir, das ist weit hergeholt. Man kennt diesen Effekt von anderen Kunstnamen: Gut gemeint bedeutet oft bescheiden gemacht. Vom Fahrzeug selbst kann man das zunächst nicht behaupten. Es punktet auf den ersten Blick mit der Optik eines echten Sportkombis.

„Ist der tiefergelegt?“, fragt mich ein Nachbar, der von hinten an den Wagen herantritt. Er blickt auf lackierte Karosserieschweller, Heckspoiler, breite Sportbereifung, fette Doppelendtöpfe. „Nö“, sage ich, „aber er wirkt so. Vor allem von vorne.“

Wir setzen die Besichtigung fort, und müssen angesichts der Motorhaube fast lachen: Eine breite Hutze schnappt dort nach Luft. Eine optische Anleihe, die Fans legendärer Straßensportler vom WRX STI kennen. Natürlich wissen wir, dass moderne Alltagsautos keine Lufthutze brauchen. Wir sind weder Smokey, der Bandit, noch ein ausgekochtes Schlitzohr auf Achse, schon gar kein Duke of Hazard. Aber sie ist halt ein kraftvolles Symbol, die Hutze: Wer weiß, es könnte ja ein V8 drunter stecken, denkt das Kind im Mann.

Tut es aber nicht, sondern hinter den Falkenaugen-Scheinwerfern und dem halbwegs aggressiven Frontspoiler werkelt eine dieser typischen Subaru-Eigenwilligkeiten: Ein wassergekühlter und Turbo-zwangsbeatmeter Vier-Zylinder-Boxermotor mit 170 PS, sprich 125 kW, mit permanentem Allradantrieb (Symmetrical AWD) und stufenloser Automatik (Lineartronic). Und das baut in dieser Kombination sonst niemand auf der Welt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Bedingt: Ja. Andere sind weniger durstig und haben mehr Stauraum. Aber er zeigt sich komfortabel leise. Und optisch bringt er etwas Dynamik in den Kombi-Alltag.

Das schönste Detail?

Blaue Ziernähte auf schwarzem Leder und dazu passende LED-Beleuchtung. Ist mal was anderes, wirkt nicht aufdringlich, unterstreicht das dezente Sportkombi-Image.

Enttäuschend?

Wie zögerlich oder gar nicht die Konnektivität im Test funktionierte. Zwei von drei Apps liefen gar nicht, das Koppeln des Smartphones erst nach zig Versuchen.

Ist er`s wert?

Der Preis ist heiß. Auch, weil er in der Basis gut ausgestattet ist. Subarus Sicherheitssystem Eyesight fehlte aber. Als Exotenmarke am deutschen Markt ist Subaru auch nie Spitze beim Restwert.

Sound?

Ruhig. Sehr, sehr ruhig. Die typische Qualität des vibrationsarmen Boxer-Triebwerks überträgt sich auch in den komfortablen Innenraum.

Wie grün ist das Auto?

Es geht deutlich grüner. Wer auch nur ein bisschen Fahrspaß verlangt, wird mit zweistelligen Durchschnittsverbräuchen bestraft.

Vorbildlich?

Die sportliche Außenwirkung. Der Levorg profitiert von den Anleihen beim WRX STI: Lackierte Kunststoffschweller, mächtige Front- und Dachspoiler, vor allem aber die Lufthutze auf der Aluminium-Motorhaube fällt auf.

Was sagt der Nachbar?

„Ist der tiefergelegt?“

Wer guckt?

Fahrer biederer Kombis und polnische Handwerker. Außerdem viele, denen das Modell ganz neu vorkommt, was ja auch stimmt.

Wie fährt er sich?

Leicht und übersichtlich. Komfortabel und leise. Unaufgeregt, aber nicht sparsam. Der Allradantrieb sorgt für sichere Traktion. Aber bitte nicht treten, dann heult das CVT-Getriebe. Und „Sport“ steht zwar hinten dran, ist aber nicht wirklich drin.

Wo gehört er hin?

In den Reihenhaus-Carport. Er könnte Papas neuer Liebling sein, wenn der mal was ganz anderes fahren will, als die üblichen Verdächtigen. Und wenn Stadtverkehr wichtiger ist als die Überholspur.

Kombination ist sowieso das wichtigste Stichwort beim Levorg. Nicht von alten Buchstaben zu neuer Suppe, sondern von bekannten Stärken für neue Zielgruppen. Die Tochter des Konzerns Fuji Heavy Industries möchte den freizeitsportlich aktiven Familienvater für den fünftürigen Kombi ebenso begeistern wie den Firmenwagen suchenden Außendienstler, der fleißig Kilometer abreißt.

Und natürlich soll Platz genug sein an Bord für alle Familienbelange, vom kleinen Einkauf bis zur großen Urlaubsreise. Damit dabei der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, wenn Papa ihm mal die Sporen geben möchte, gibt es ja die Hutze. Und, geht das Rezept auf?

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