Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2013

07:47 Uhr

Subaru WRX STI im Handelsblatt-Test

Bauer sucht Fahrspaß

VonFrank G. Heide

Als "Bauernporsche mit Biertheke" verschrien, hat es der Subaru WRX STI nicht leicht, mit seinem Proll-Image. Understatement sieht anders aus. Lufthutze und Riesen-Heckspoiler lenken von seinen wahren Stärken ab.

Subaru WRX STI: Der sportliche Straßenableger erfolgreicher Rallyefahrzeuge polarisiert. Mit Hutze, Spoiler und dicken Karrosseriebacken. Der 300-PS-Allrader ist aber kein Schaumschläger sondern ernsthaftes Motorsportgerät. Sebastian Schaal

Subaru WRX STI: Der sportliche Straßenableger erfolgreicher Rallyefahrzeuge polarisiert. Mit Hutze, Spoiler und dicken Karrosseriebacken. Der 300-PS-Allrader ist aber kein Schaumschläger sondern ernsthaftes Motorsportgerät.

DüsseldorfEin Proletentraum in Blech und Plastik: Diese monströse Lufthutze auf der Motorhaube, dieser bierthekengroße Heckflügel, der die ganze Optik des Subaru dominiert. Beide provozieren bei Betrachtern des WRX STI, der früher noch Impreza hieß, die immer gleichen ersten Fragen: "Braucht der das?", "Bringt das was?". "Nein. Aber der darf das", sagt der genervte Testfahrer. Ganz klar: Die optischen Signale stehen auf Angriff. Und sie provozieren abfällige Kommentare. "Prolet", muss man sich nennen lassen.

"Aber mit Schmackes!", könnte man zurückrufen. Denn die verbale Attacke könnte der schwarze Testwagen von Subaru auch technisch problemlos mitgehen: Hoch drehender und flach bauender Boxermotor mit 300 Turbo-PS, permanenter Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung, hartes und gutes Fahrwerk, verstellbares Differential und zwei während der Fahrt abrufbare, sehr sportliche Fahrmodi. Kurzum: Der WRX STI ist kein Möchtegern, der hat richtig was drauf.

Bis 255 km/h rennt der WRX STI. Auf der Autobahn ist das aber nicht das reine Vergnügen, denn natürlich ist er als Sportler sehr hart und wenig komfortabel ausgelegt. Sebastian Schaal

Bis 255 km/h rennt der WRX STI. Auf der Autobahn ist das aber nicht das reine Vergnügen, denn natürlich ist er als Sportler sehr hart und wenig komfortabel ausgelegt.

Nachdem der erste optische Schreck überwunden ist, überzeugt der Wagen schon auf den ersten Metern mit spontanem Antritt, kernigem Auspuffsound und Sitzkomfort unter dem Motto hart, aber herzlich. Das muss so sein, im WRX STI, denn er versteht sich seit etlichen Modellgenerationen als Straßenableger von Subarus erfolgreichem Rallye-Engagement.

Legenden wie Colin McRae, Richard Burns oder Petter Solberg fahren quasi ein bisschen mit in diesem Auto. Aber nur, wenn man ein älteres Modell, oder ein schlechtes Gedächtnis hat: denn der ewige Konkurrent zum Mitsubishi Lancer Evo ist bereits 2008 aus der Rallye-Weltmeisterschaft WRC ausgestiegen. Der Subaru ist aber kein Poser, der nur sportlich tut. Das ist vielmehr einer dieser typischen Drittwagen, den die Landjugend Samstags aus der Garage holt, wenn es Richtung Nordschleife geht.

Preislich einigermaßen erschwinglich macht Subaru dieses Vergnügen durch den Verzicht auf vieles, was bei sogenannten Premiumfahrzeugen seitenlange Aufpreislisten füllt und Pseudo-Sportler verfetten lässt. Zwar gibt's auch im Testwagen einiges an Extras, wie etwa Tempomat, Berganfahrhilfe und Telefon-Bedienungstasten im Lenkrad, die hätte man meiner Ansicht nach aber besser alle direkt weggelassen. In einem solchen Kracher will ich mich voll und ganz aufs dynamische Fahren konzentrieren, will rausfinden was auf den diversen Hausstrecken noch geht. Radio- und CD-Player stören dabei zwar nicht, sind aber ebenso Luxus wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage und Navi.

Klein, schwarz, stark. Das leicht nach rechts gerückte Steuer trägt zu viele Knöpfe. Die übrige Ausstattung ist eher (gewichts)sparsam. Das muss so sein. Sebastian Schaal

Klein, schwarz, stark. Das leicht nach rechts gerückte Steuer trägt zu viele Knöpfe. Die übrige Ausstattung ist eher (gewichts)sparsam. Das muss so sein.

Die Winterreifen erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h, viel mehr ist aber auch mit Sommerreifen nicht drin. Von Null bis dahin vergehen nur wenige aufregende Sekunden, sie sind mit Gas geben, zügig schalten und Lenkrad gut festhalten sehr sehr schnell verflogen. Im Sprint wirkt der Motor zwar bis etwa 3.000 Umdrehungen zwar ein bisschen lustlos, zeigt eher wenig Drehmoment. Typisch Turbo!

Die volle Leistung von 221 kW liegt auch erst bei 6.000 U/min an, und vom Fahrgefühl her kann der Testwagen eigentlich in jeder Lebenslage ein bisschen mehr Drehzahl gebrauchen. Das satte Drehmoment von 407 Newtonmeter gibts erst bei 4.000 Kurbelwellen-Umdrehungen in der Minute.

Von 4.000 bis 6.000 Umdrehungen ist der 2,4-Liter-Boxer mit variabler Ventilsteuerung voll in seinem Element. Da liegt auch der Bereich, der die Auspuffanlage richtig schön röhren lässt. Doch wer heftig Gas gibt, muss sich auf schnelles Schalten einstellen. Vom mittleren Drehzahlbereich bis in den rot blinkenden Drehzahlbegrenzer geht es vor allem im zweiten bis vierten Gang rasend schnell. Jetzt macht der WRX so richtig Spaß. Klar ist auch: In diesem Auto ist gemütliches cruisen ausgeschlossen.

Die Kraftübertragung besorgt ein Sechsgang-Handschaltgetriebe. Es ist gut abgestimmt, aber bei weitem nicht so knackig und schnell zu schalten wie das des kleineren Sportwagen-Bruders BRZ, sondern hakelt auch schon mal.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Testwagen

Das schönste Detail

Das satte Motorengeräusch und Auspuffdröhnen, wenn man ihn im kalten Zustand anlässt, und der Turbo-Boxer mit leicht erhöhtem Standgas röhrt. Der Sound weckt keine Toten, aber die noch schlafenden Nachbarn.

Wer guckt?

14jährige, die heimlich rauchen. Und Golf-Fahrer mit Nordschleifen-Aufkleber. Alle mit Sylt-Aufkleber schauen absichtlich weg.

Die meistgestellte Frage lautet...

"Bringt der was?" (Gemeint ist natürlich der riesige Heckspoiler).
Korrekte Antwort: "Nein. Aber dieser Wagen darf das!"

Was sagt der Nachbar?

"Aua, ist das billig!" Auch er meint die unübersehbare Biertheke am Heck.
Kläre ihn auf: "Die ist nicht billig. Kostet über 1.000 Euro extra. Das muss man schon wollen!"

Wo gehört er hin?

Nicht in die Hände von Fahranfängern. Samstag/Sonntag auf die kurvige Landstraße und die Nordschleife. Werktags in die Garage.

Was nervt?

Die Lenkung ist zu leichtgängig, gibt wenig Rückmeldung. Und der Tank (60 L) ist zu klein.

Was kostet der Spaß?

Im Fall des fast voll ausgestatteten Testwagens 49.800 Euro.

Letzter Wunsch

Subaru: Zeigt noch mehr Mut! Bietet diesen wunderbar eigenwilligen Exoten nur noch in Micablaumetallicblau und mit den typischen goldfarbenen Alufelgen an. Und nie ohne serienmäßigen(!) Heckflügel.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tester

21.03.2013, 12:45 Uhr

Beim Restwert / Wertverlust des BMW ist ein Fehler unterlaufen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×