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31.10.2012

13:45 Uhr

Suzuki Swift Sport

Susis böser Sohn

VonLukas Bay

Der Suzuki Swift Sport überzeugt mit einem günstigen Preis und vielen Extras. Der Handelsblatt Autotest zeigt, ob die japanische Antwort auf den Mini Cooper S wirklich mithalten kann.

DüsseldorfSchon der Werbeflyer für den Suzuki Swift Sport klingt nach einem All-Inclusive-Angebot. Sportsitze, Klimaautomatik, Metallic-Lackierung, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Edelstahlpedale, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Doppelauspuff – vieles was sich die Konkurrenz teuer bezahlen lässt, ist in der japanischen Antwort auf den Mini Cooper S und den Polo GTI bereits serienmäßig verbaut. Ein „kompromissloses Fahrerlebnis“ verspricht mir der Hersteller des kleinen Kraftzwergs. Doch zugegeben: Ich bin skeptisch.

Suzuki, das weckt Erinnerungen an meine Kindheit und an das wohl schlimmste Auto, das mein Vater jemals gefahren hat: einen Suzuki Super Carry Combi Bus in Hellblau-Metallic. Ein Modell, das wohl bis heute zu den hässlichsten Autos gehört, die je gebaut wurden und mittlerweile nur noch in Entwicklungsländern gefahren wird. „Susi“, wie der Bus familienintern genannt wurde, war so etwas wie die unangenehme Tante, die immer wieder ungefragt vorbei kam – und mich vor meinen Mitschülern in der Grundschule blamierte.

In ihren Innenraum hatte sich der Duft der Vanillebäumchen des Vorbesitzers eingefressen und bildete mit dem Zigarettenrauch meines Vaters eine unheilige Allianz. Sommers wie winters fror ich auf ihrer eierschalfarbenen Rückbank, weil der Plastikbezug niemals richtig warm wurde. Entsprechend erleichtert war ich, als Susi schließlich für den symbolischen Preis von fünf Mark verkauft wurde, um dem Tüv und der wohl unvermeidbaren Schrottpresse zu entgehen.

Die wichtigsten Fragen zum Suzuki Swift Sport

Alltagstauglich?

Kommt auf den Alltag an. Für die Mountainbiketour in den Bergen oder den Familienausflug ist der Swift sicher nicht geeignet. Aber dafür wird er auch nicht gekauft. Für den Alltag der Zielgruppe – junge Männer und ihre Freunde – bringt der Swift alles mit, um als alltagstauglich bezeichnet zu werden.

Das schönste Detail?

Der rote Faden, der sich sprichwörtlich durch den gesamten Innenraum zieht und trotz nicht unbedingt hochwertiger Materialien für einen positiven Design-Gesamteindruck sorgt.

Enttäuschend?

Eindeutig die Probleme des Entertainment-Systems, sich mit dem iPhone zu verbinden. Die Steuerung ist alles andere als intuitiv und selbst für technikinteressierte eine kleine Hürde.

Ist er's wert?

Absolut. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist mit überschaubaren 18.490 Euro für das Sportpaket kaum zu schlagen. Selbst in der eigenen Klasse landet der Suzuki damit weit unter dem Abarth 500 von Fiat.

Sound?

Ist vorhanden. Eine MP3-fähige CD-Anlage mit USB-Anschluss ist serienmäßig verbaut. Ob der Höhen und Tiefen der Anlage insgesamt den Ansprüchen der Zielgruppe genügt, darf allerdings bezweifelt werden.

Wie grün ist das Auto?

6,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer sind 0,6 Liter weniger als beim Vorgänger und im Vergleich zur Konkurrenz in der Sportklasse ein guter Wert. Auch der CO2-Ausstoß fällt mit 147 Gramm pro Kilometer relativ gering aus. Aber wer kauft sich ein Sportmodell, um die Umwelt zu schonen?

Vorbildlich?

In seiner Klasse eher nicht. Der Suzuki Swift eifert eher den eigenen Vorbildern wie dem Mini S-Cooper und dem Abarth 500 nach – ohne selber Maßstäbe zu setzen.

Was sagt der Nachbar?

Wenig. Der Suzuki Swift ist schon durch seine Größe eher unauffällig – trotz Spoiler. Selbst der PS-starke Motor ist erstaunlich leise. Nur die Friseurin fühlt sich an das Auto ihres Freundes erinnert, der den Vorgänger fährt. Mehr Aufmerksamkeit ist nicht.

Wer guckt?

Der Suzuki Swift Sport ist ein Männerauto – und die schauen auch hin. Frauen, die Wert auf einen geschwärzten Kühlergrill in Wabenoptik und einen verchromten Doppelauspuff legen, sind selten.

Wie fährt er sich?

Am besten schnell. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Lautstärke auch bei der Spitzengeschwindigkeit von 195 km/h noch erträglich.

Wo gehört er hin?

Auf die Landstraße – auf dem Weg vom Fitnessstudio zur Großraumdisko. Der Suzuki Swift Sport ist kein Akademiker.

Meine zweite Begegnung mit der Marke Suzuki fällt dagegen deutlich positiver aus: Wenn Susi die nervige Tante ist, dann ist der Swift Sport ihr durchtrainierter, kleingewachsener Sohn. Dieser Suzuki hat mit seiner nervigen Mutter nahezu nichts mehr gemeinsam, schimmert in grau-metallic und setzt auf eine aggressive Linienführung. 60 Prozent aller Swift Fahrer sind männlich, das Durchschnittsalter ist 39 Jahre. Mit einem geschwärztem Kühlergrill, Dachspoiler und dem verchromten Doppelauspuff ist das Design bewusst maskulin gewählt.

Auch von den eierschalfarbenen Plastiksitzen hat sich Suzuki längst verabschiedet. Die Sportsitze sind in mattgrau-schwarz gehalten, die Pedale sind aus Edelstahl. Den Innenraum durchzieht – wie im Golf GTI – ein buchstäblicher roter Faden, der Lenkrad, Schaltknauf und Sitzbezüge ziert. Silberne Elemente veredeln das Armaturenbrett. Ein Designobjekt wie der Fiat 500 Abarth ist der Suzuki Swift Sport zwar nicht. Aber das will er auch nicht sein.

Ganz schön was unter der Haube: Der 1,6-Liter-Benzinmotor kommt auf eine Leistung von 136 PS und ist damit 11 PS stärker als im Vorgängermodell. Sebastian Schaal

Ganz schön was unter der Haube: Der 1,6-Liter-Benzinmotor kommt auf eine Leistung von 136 PS und ist damit 11 PS stärker als im Vorgängermodell.

Stattdessen ist alles auf Funktionalität ausgerichtet. Mit dem lederbezogenen Lenkrad lassen sich rechts der Tempomat und links die Freisprechanlage sowie das Entertainment-System steuern. Solange man nur Radio und CDs hört, funktioniert das ganz intuitiv. Als ich versuche, mein iPhone über einen USB-Anschluss anzuschließen, leuchtet eine grobpixelige Fehlermeldung auf. Erst ein Blick in die Anleitung schafft Abhilfe. Der anschließende Sound ist dagegen ansprechend. Mit wummernden Bässen geht es auf die erste Testfahrt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.11.2012, 09:45 Uhr

"....Als ich versuche, mein iPhone über einen USB-Anschluss anzuschließen"

wichtigst!!!!

Das sind dann die Typen die nur Augen für ihren sprechenden Multimedia Buntglascountainer haben, das zügige Vorankommen bzw schnelle Reaktion sind dann zweitrangig! Naja,zumindest können sie dann ja Online die nächste werkstatt, Krankenhaus, Feuerwehr, Polizei, Baschleppdienst benachrichtigen!

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