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13.04.2006

08:00 Uhr

Technik & Sicherheit

Autos parken automatisch ein

VonFred Wagner

Rückwärtsgang eingelegt, Hände weg vom Lenkrad und den Fuß vorsichtig von der Bremse: Langsam rollt das Fahrzeug zurück und lenkt wie von Geisterhand geführt rückwärts in die Parklücke. Bremse treten, Motor aus, fertig. Das Auto steht perfekt geparkt zwischen zwei Fahrzeugen parallel zum Straßenrad.

Parken in der kleinsten Lücke: Zur Vollansicht unserer Infografik klicken Sie bitte das Pluszeichen an. Grafik: Siemens/Handelsblatt

Parken in der kleinsten Lücke: Zur Vollansicht unserer Infografik klicken Sie bitte das Pluszeichen an. Grafik: Siemens/Handelsblatt

DÜSSELDORF. Wovon Fahrschüler in der Nacht vor der praktischen Fahrprüfung träumen, soll bald als Zubehör für Autos angeboten werden. Der japanische Autobauer Toyota hat bereits heute eine elektronische Einparkhilfe für den neuen Prius im Programm – diese ist aber noch nicht ganz so komfortabel. „Mit unserem Parkassistenten sind wir die ersten Anbieter in Europa“, sagt Dietrich Hartmann, Kommunikationschef von Toyota Deutschland stolz.

In Japan gibt es das Toyota-Einparksystem bereits seit 2003. Dort entscheiden sich inzwischen 80 Prozent der Prius-Kunden für den nützlichen Copiloten. Und in Deutschland?

Exakte Prognosen will man beim deutschen Importeur in Köln noch nicht abgeben. Auch deshalb nicht, weil das System nicht einzeln bestellt werden kann. Kunden, die für den Prius die gehobene Ausstattungsvariante plus DVD-Navigation zum Aufpreis von 2 950 Euro ordern, erhalten den Einparkassistenten automatisch dazu. Toyota rechnet damit, dass sich 20 Prozent der Käufer für dieses Ausstattungspaket entscheiden.

Um mit dem Einparkassistenten narrensicher eine freie Parklücke zu treffen, ist zunächst räumliches Vorstellungsvermögen und Training notwendig. Eine Rückfahrkamera zeigt dem Fahrer auf einem Touchscreendisplay im Fahrzeug an, was hinter dem Fahrzeug los ist.

Ebenfalls auf dem Display ist die Stellfläche, die das Fahrzeug benötigt als grüner Rahmen markiert. Um korrekt einzuparken, muss der Fahrer den Rahmen mit Hilfe von Richtungsfeilen auf die freie Parkfläche verschieben. Und er muss abschätzen, ob die Lücke groß genug ist.

Erst danach kann der Parkvorgang beginnen. Der Bordcomputer errechnet die notwendigen Lenkeinschläge, um das Fahrzeug einzuparken. Was das System nicht kann: in sehr enge Parklücken einfahren und automatisch anhalten, sobald ein Hindernis hinter dem Wagen auftaucht. Toyota plant den Einparkassistenten künftig auch in anderen Baureihen einzusetzen. Als nächstes soll der neue Lexus LS 460 in den USA damit ausgerüstet werden.

Damit haben die Japaner, ähnlich wie bei der Hybridtechnik, einmal mehr einen technologischen Vorsprung. Zwar unterstützen in vielen Fahrzeugen anderer Hersteller Ultraschallsensoren in den Stoßfängern und verstärkt auch Rückfahrkameras das Einparken. Doch bis zum ersten automatischen Einparksystem in einem deutschen Automobil wird es voraussichtlich noch ein bis zwei Jahre dauern.

Dafür sollen die Einparksysteme dann jedoch besser funktionieren und zum Beispiel die Größe der Parklücke automatisch erkennen. In der Entwicklung befinden sich Assistenzsysteme, die den Fahrer mit akustischen und optischen Signalen sicher in die Lücke lotsen, und sogar vollautomatische Einparkpiloten, bei denen der Fahrer das Fahrzeug verlassen kann und nur noch auf einen Knopf in der Fernbedienung drückt.

Prototypen haben deutsche Hersteller und Zulieferer auf Testgeländen bereits vorgestellt. So hat Bosch einen Einparkassistenten mit „mitdenkender Elektronik“ entwickelt, der 2007 auf die Straße kommt. Seitlich an den Stoßfängern angebrachte Sensoren messen während der Vorbeifahrt an einer Parklücke deren Länge und Tiefe aus.

Ist die Lücke für das Fahrzeug groß genug, leitet das System den Fahrer per Sprachkommandos wie „Vorwärts“, „Rückwärts“, „Lenkeinschlag links“ oder „Lenkeinschlag rechts“ oder mit optischen Hinweisen auf den freien Parkplatz. Ein Jahr später soll dann die nächste Generation des Systems kommen, bei der die Elektronik auf Wunsch auch automatisch das Lenkrad dreht.

Daimler-Chrysler will in naher Zukunft ein automatisches Einpark-Assistenzsystem in einem Oberklassemodell auf den Markt zu bringen. Bereits 2004 wurde ein erstes System in einer umgebauten S-Klasse vorgestellt, das mit einem Laserscanner funktioniert.

Auch BMW hat eine Einparkassistenten in der Serienentwicklung, der nach eigenen Angaben in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen soll.

Genauso lange rechnet auch Siemens-VDO für seinen Parkmate und kündigt die Serieneinführung in einem Mittelklassewagen für 2008 an. Bereits im vergangenen Jahr wurde das serienreife System in einem 5er BMW vorgestellt. Warum die Markteinführung trotz abgeschlossener Entwicklung so lange auf sich warten lässt? Die Parkassistenten können nicht in eine bestehende Fahrzeuggeneration nachträglich eingebaut werden. Die Entwickler müssen auf die neuen Modellen warten.

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