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15.02.2013

12:32 Uhr

Tesla-Gründer verklagt Testfahrer

Warum ging der E-Auto-Ikone der Saft aus?

VonFrank G. Heide

Tesla baut schnelle Elektroautos. Aber wenn sie in den Medien nicht so wegkommen, wie Firmenchef Elon Musk sich das wünscht, wird er zur „rasenden Wildsau“. Ein Tester, der wagte, die Autos zu kritisieren, packt nun aus.

Elon Musk posiert 2010 mit einem Tesla Roadster anlässlich des Tesla-Börsengangs. ap

Elon Musk posiert 2010 mit einem Tesla Roadster anlässlich des Tesla-Börsengangs.

DüsseldorfElon Musk hat eine kurze Zündschnur, wenn es um seine Autos geht. Der kalifornische Milliardär und Gründer des Elektroauto-Pioniers Tesla verklagte 2011 die berühmteste Autosendung der Welt, Top Gear, und mit ihr die BBC. Zurzeit liegt er mit der altehrwürdigen New York Times im Clinch. Denn auch die hat, wie Top Gear, einen seiner Stromer nicht mit den gewünschten Ergebnissen getestet.

Was ist passiert? Autotester John Broder von der New York Times ist mit einem der kalifornischen Testwagen liegengeblieben, dem neuen „Tesla Model S“. Er strandete 40 Kilometer vor der nächsten Ladestation und musste abgeschleppt werden. Das entsprechende Bild des Wagens auf der Ladefläche eines Abschlepptrucks eröffnet auch seinen kritischen Testbericht.

Der Artikel bringt den Tesla-CEO gehörig auf die Palme. Der Test sei unfair. Musk beschuldigt Broder, den Stecker zu früh gezogen zu haben, obwohl er eine längere Fahrt plante. Broder ein Testfahrzeug zu überlassen sei von vornherein ein Fehler gewesen, aber man sei sich bei Tesla seiner "Geringschätzung für Elektroautos nicht bewusst gewesen", schreibt Musk in seinem Blog.

Und liefert dort auch gleich reihenweise Diagramme und Fakten, um dem Autotester einen fragwürdigen Umgang nicht nur mit dem Testwagen, sondern auch mit journalistischem Ethos nachzuweisen. Kurz: Er bezichtigt ihn der Lüge. Insgesamt listet Musk unter dem Titel "A most peculiar Test Drive" neun "key facts" auf, welche die mangelnde Seriosität von Broders Autotest-Artikel nachweisen sollen, und dazu eine Reihe von Diagrammen, die aus dem Datenspreicher des Testfahrzeugs stammen.

Broder selber sieht sich in der Berufsehre angegriffen und antwortet umfangreich und ebenfalls öffentlich auf Musks Einlassungen in einem weiteren Blog-Beitrag für die NYT.

Technologie-Websiten wie Quartz stürzen sich auf die Geschichte und vergleichen die Argumente beider Seiten. Der Ausgang des medialen Kleinkriegs ist bislang ungewiss.

Beide Kontrahenten werden jeweils von zahlreichen Kommentatoren für ihre Beweisführung und unnachgiebige Haltung beglückwünscht, man hat als Leser beider Seiten des Disputs den Eindruck, Elektro-Auto-Propheten beschimpfen Ungläubige und umgekehrt, "petrolheads" wollen die Fortschritte alternativer Antriebe nicht wahrhaben.

Was verwundert an der Geschichte? Hier kümmert sich der oberste Firmenboss persönlich darum, dass der Autotest eines seriösen Journalisten nachkontrolliert wird, in dem er die von der Testfahrt gespeicherten Daten selber veröffentlicht, als Gegendarstellung in eigener Sache, und entsprechend kommentiert. Bei Volkswagen und Mercedes undenkbar.

Und dabei ist Musk kein abgehobener Spinner. Der PayPal-Gründer und Chef des privaten Raumfahrt-Firma "SpaceX" ist unter anderem ein geschäftstüchtiger Weltraum-Unternehmer. Die von ihm entwickelte Rakete „Falcon 9“ versorgt die ISS mit Material und Nachschub. Im November 2012 verlieh ihm die britische "Royal Aeronautical Society" eine Goldmedaille für seine Leistungen und Innovationen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

15.02.2013, 12:46 Uhr

Das sind Scheingefechte um Bedarfe zu generieren.
Bei den Bezugspreisen hört aber für den Verbraucher der Spass auf, das sollten die Streithähne wissen.
Die Industrie ist aufgefordert E - Fahrzeuge anzubieten, welche auf dem Niveau von gleichgelagerten Diesel- Fahrzeugen liegen!
Staatliche Subventionen bewirken keine Nachfrage.
Ferner muß eine vernünftige Infrastruktur her, um einen Durchbruch für diese Technik zu erreichen.

kulanz

15.02.2013, 13:20 Uhr

Das ist so, wie wenn man einer PC-Zeitung einen iMac zum Vergleich gibt. Die werden ja nicht an dem Ast sägen auf dem sie sitzen. Top Gear lebt nunmal von Motorlärm-Freaks und weiss, dass das Publikum laute Verbrennungsmotoren liebt und liefert entsprechend. Leider sind wir noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ein Hightech-Auto wirklich auch "cool" ist. Dazu muss sich vermutlich erst Hollywood anpassen und Abstand von diesen ganzen Ford Mustangs und Co. bekommen.

Account gelöscht!

15.02.2013, 13:48 Uhr

Ohne die Berichte gesehen bzw. gelesen zu haben, die Achillesverse aller Elektromobile ist der Akku. So lange dieser nicht noch leistungsfähiger, leichter und billiger wird kann sich ein Elektromobil nicht auf breiter Front durchsetzen.

Das nicht nur die Schokoladenseite beleuchtet wird gehört zu einem Testbericht, der diesen Namen verdient, dazu. Auch wenn dies den Herstellern und Befürwortern dieser Geräte nicht gefällt. Einseitige Jubelberichte gibt es genug.

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