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26.09.2013

12:05 Uhr

Test des ADAC

Vier Winterreifen-Modelle fallen durch

Der erste Schnee ist wohl noch weit entfernt, aber die neuen Winter-Pneus sollen ja auch auf herbstlich nassen Straßen sicher sein. Genau da können aber nicht alle aktuellen Testkandidaten überzeugen.

Sicherheitstest

ADAC nimmt Winterreifen unter die Lupe

Sicherheitstest: ADAC nimmt Winterreifen unter die Lupe

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MünchenVier Modelle fallen im aktuellen Winterreifentest des Münchener Autoclubs glatt durch und erhalten die Note „mangelhaft“. Aufgrund deutlicher Schwächen auf nasser Fahrbahn rät der ADAC vom Kauf des Kormoran Snowpro b2, des Maragoni 4 Winter E+, des Interstate Winter IWT-2 und des Sailun Ice Blazer WSL-2 ab.

Verbraucher haben dennoch eine große Auswahl: Insgesamt haben ADAC und Stiftung Warentest 32 Modelle untersucht - elf Reifen erhalten ein „gut“ und sind damit besonders empfehlenswert. Gleich sieben gute Reifenmodelle gibt es in der kleinen Dimension mit der Größe 185/60 R15T (z.B. für Audi A 1, Citroën C3, Fiat Punto Renault Clio, VW Polo). Testsieger mit Bestnoten auf nasser Fahrbahn sowie auf Schnee und auf Eis ist der Continental Conti Winter Contact TS850.

Test + Technik

Ergebnisse 1: Größe 185/60 R15T

Der neu entwickelte Dunlop Winter Response 2 überzeugt die Tester besonders auf nasser Fahrbahn, auf Schnee und beim Kraftstoffverbrauch. Ebenfalls sparsam ist der Semperit Speed Grip 2. Der Michelin Alpin A4 glänzt beim Verschleiß und der Nokian WR D3 überzeugt auf trockener Fahrbahn.

Bei den größeren Reifen (225/45 R17H z.B. für Audi A 3, Mercedes C-Klasse, Opel Astra, Skoda Oktavia) schneiden vier Produkte mit „gut“ ab.

Drei Modelle setzen nach Ansicht der Tester besondere Akzente: Der Continental Conti WinterContact TS850 mit der Topbewertung auf Schnee, der Bridgestone Blizzak LM-32S mit der Bestnote auf Nässe und der Michelin Alpin A4 mit dem geringsten Verschleiß.

Test + Technik

Ergebnisse 2: Größe 225/45 R17H

Der ADAC-Winterreifentest hat insgesamt 18 Prüfkategorien. Es wird unter anderem ein Praxistest auf einer verschneiten Passstraße, umfangreiche Brems- und Ausweichversuche auf Nässe, Schnee und Eis sowie Tests zu Verschleiß und Kraftstoffverbrauch durchgeführt.

Im Gegensatz dazu bietet das EU-Reifenlabel nur Informationen zu Rollwiderstand, Nassbremsen und Außenfahrgeräusch – wie wintertauglich ein Pneu ist, zeigt es nicht.

Tipps zum Winterreifen-Wechsel

Früh kaufen und wechseln

Jeder Autofahrer kennt die Winterreifen-Faustregel "von Oktober bis Ostern". Doch wenn sich alle daran halten, sollte man sich möglichst schon im September darum kümmern. Das empfehlen u.a. die großen Autoclubs. Hans-Georg Marmit von der Prüforganisation KÜS sagt: "Wer mit der Anschaffung bis zum ersten Kälteeinbruch wartet, muss damit rechnen, dass sein bevorzugtes Reifenmodell vergriffen ist oder ein höherer Preis dafür gezahlt werden muss als im Spätsommer."
Außerdem ist schwieriger auf den letzten Drücker noch einen Werkstatt-Termin zu bekommen, wenn der Winter plötzlich da ist. Denn dann werden die Werkstätten erfahrungsgemäß überrannt.

Pflicht oder freiwillig?

In Deutschland gilt die sogenannte situative Pflicht zur passenden Bereifung. Der Gesetzgeber schreibt Winterreifen oder Ganzjahrespneus mit "M+S"-Symbol (Matsch und Schnee) also nicht für einen bestimmten Zeitraum vor, sondern für winterliche Straßenverhältnisse - also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Wer bei solchen Witterungsbedingungen von der Polizei mit Sommerreifen am Wagen erwischt wird, muss sich auf Strafen einstellen.
SUVs brauchen übrigens trotz des technischen Traktionsvorteils gleichfalls spezielle Profile in der kalten Jahreszeit, denn beim Bremsen hilft der Allradantrieb kein bisschen.

Welche Strafen drohen

Wer bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte von der Polizei mit Sommerreifen am Wagen erwischt wird, muss sich auf ein Bußgeld von 40 Euro und einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei gefasst machen. 80 Euro und ein Punkt sind fällig, wenn wegen der unpassenden Bereifung andere Verkehrsteilnehmer behindert werden.

Wann sind neue Pneus fällig?

Für einen neuen Satz Reifen sei die Zeit reif, wenn das Profil auf 4 Millimeter heruntergefahren ist, sagen die meisten Experten. Der Gesetzgeber schreibt zwar nur ein Mindestprofil von 1,6 Millimetern vor, aber damit lässt sich vor allem auf Schnee und Eis kaum etwas erreichen. Generell wird auch davon abgeraten, Reifen länger als 8 Jahre lang zu fahren oder lagern. Das Herstellungsdatum geht aus der sogenannten DOT-Nummer an der Reifenflanke hervor.

Stoßdämpfer checken

Defekte Stoßdämpfer verlängern den Bremsweg um 20 Prozent, d.h. 6 Meter mehr bei Tempo 80. Und 22% aller Autos fahren mit defekten Stoßdämpfern, 13,4 Prozent der Wagen haben Mängel am Fahrwerk gemäß TÜV Report 2012.
Über 50 Prozent der Unfälle von Pkws, die mehr als zehn Jahre oder 150.000 Kilometer auf dem Buckel haben, sind durch defekte Stoßdämpfer mit verursacht, stellt das Instituts für Verkehr und Umwelt (IVU) fest. Der Reifenwechsel in einer Werkstatt ist daher ein guter Anlass, Stoßdämpfer und Federn überprüfen zu lassen, die Räder sind ja sowieso abmontiert.

Reifen-Kennzeichnung

Ein Buch mit sieben Siegeln sind für viele Autofahrer die Hieroglyphen auf der Reifenflanke. Sie geben u.a. Aufschluss über Größe, Bauart, Höchstgeschwindigkeit, Laufrichtung, Herstellungsdatum, Tragkraft und Wintereignung (M+S). Wer ganz genau wissen will, wo was steht, erhält hier und hier genauen Aufschluss.

Unterschiede zwischen Winter- und Sommerreifen

Von Ostern bis Oktober ist Sommerreifen-Zeit. Von April bis Ende September fährt es sich mit Sommerpneus sicherer. Winterreifen nutzen sich auf sommerlichen Straßen schnell ab. Und je stärker der Abrieb, desto höher ist der Spritverbrauch.
Sommerreifen haben die besseren Eigenschaften für die warme Jahreszeit. Die Gummimischung ist härter, sie ist auf höhere Temperaturen und aufgeheizten Asphalt abgestimmt. Das gewährleistet gute Bodenhaftung, Stabilität und geringeren Abrieb.
Außerdem ist das spezielle Sommerprofil optimal für trockene Straßen und nasse Fahrbahnen ausgelegt. So kann sich der Bremsweg mit Sommerreifen und ABS-Bremsen auf trockener Fahrbahn verkürzen: Aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h steht das Auto zirka drei Meter früher als mit Winterreifen.

A bis G: Das neue Reifen-Label

Ab 1. November 2012 müssen alle ab dem 1. Juli 2012 produzierten Reifen mit dem neuen Reifenlabel gekennzeichnet sein. Die Bewertung erfolgt in sieben Kategorien von "A" bis "G". "A" steht für den Bestwert, "G" für die schlechteste Benotung. Auf dem Label wird oben links mit Buchstabenkennung von A bis G angegeben, ob der Rollwiderstand niedrig oder hoch ist.
Zwischen Reifen mit der Kennung "A" (sehr gut) und solchen mit der Kennung "G" (schwach) liegen 0,5 bis 0,75 l/ 100 km Mehrverbrauch. Oben rechts auf dem Label ist die Nasshaftung und Nassbremsleistung angegeben. Zwischen den Werten "A" und "F" können 18 Meter Unterschied beim Bremsweg liegen.
Unterhalb von diesen Angaben wird die Geräuschemission beim Vorbeifahren in drei Klassen angezeigt; ein leiser Reifen erhält einen ausgefüllten Balken, ein lauter bekommt drei Balken. Das Reifengeräusch muss in Ziffern in der Geräuscheinheit "dB" angegeben werden. Damit sind neue Reifen für Verbraucher auf den ersten Blick leichter zu bewerten, das Studium umfangreicher Reifentests ersetzt das Label aber nicht. Denn die Informationen sind nicht vollständig, das Label weist allein eine Klassifizierung des Rollwiderstands, der Nasshaftung und des Geräuschniveaus aus.

Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen sind Allrounder, und immer ein Kompromiss. Die Pneus sind weicher als Sommerreifen und härter als Winterreifen, auch das Profil ist eine Zwischenlösung. Folge: Sie fahren sich schneller ab und haben zum Beispiel bei Glätte oder auf nasser Fahrbahn in den Sommermonaten nicht die Haftungs- und Bremseigenschaften wie reine Saisongummis.
Wer nur in der Stadt oder in mittleren Lagen fährt, und bei viel Eis und Schnee auch mal auf das Auto verzichtet, mache mit guten Ganzjahresreifen nichts falsch. Für schneereiche, bergige Gegenden sind sie aber nichts. Auch für Vielfahrer, sportliche Zeitgenossen und Fahrzeuge mit Breitreifen lohnt sich der halbjährliche Wechsel von Sommer- und Winterreifen.

Korrekte Lagerung

Für Saisonreifen ist jeweils ein eigener Felgensatz von Vorteil, denn allzu oft machen Reifen das Auf- und Abziehen nicht mit. Außerdem lassen sich Kompletträder, die gerade nicht genutzt werden, materialschonender einlagern. Am besten werden sie auf einen Felgenbaum am Felgenloch aufgehängt und an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort aufbewahrt.
Reifen ohne Felge sollten aufrecht stehen oder liegen, dann höchstens zwei Gummis aufeinanderstapeln. Werden sie aufgehängt, können sie sich verziehen und unbrauchbar werden.

Von

fgh

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.09.2013, 19:28 Uhr

Man könnte fast meinen, der ADAC ist ein Probaganda-Verein für teure Reifenhersteller.

Balu646

01.10.2013, 09:15 Uhr

1. Propaganda schreibt man mit P wie Paula oder gommst du aus Sachsen ??
2. Ein einfacher guter Winterreifen ist besser als der beste Sommerreifen (auch wenn dieser ganz neu ist !)
Ein versierter Fahrer mit guten Winterreifen läßt am Berg alles stehen. Sommerreifenfahrer sowieso...
3. Neue fernöstliche Fabrikate sind manchmal sehr bescheiden, auf Schnee noch gut auf nasser Fahrbahn dann leidlich bis gefährlich, eins zwei Jahre später holen die Hersteller dann manchmal auf und sind dann auch deutlich besser.

Auch lang gelagerte Winterreifen (mehr als 5 Jahre)mit "Super Profil" gehören entsorgt, ebenso wie WR wenn das Lammellenprofil langsam "verschwindet" . Das kann auch bei mehr als 4 mm Profil der Fall sein.

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