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01.09.2013

13:08 Uhr

Toyota Avensis im Gebraucht-Check

Streber ohne Allüren

Quelle:dpa

Bei uns ist er ein unscheinbarer Konkurrent des VW Passat Variant. Denn auf deutschen Straßen sieht man den Toyota Avensis selten - und wenn, dann meist als Kombi. Bei Experten hinterlässt er einen positiven Eindruck.

Nach Einschätzung von Experten ist der Toyota Avensis ein zuverlässiges Auto, wenn gleich ihm Mängel natürlich auch nicht fremd sind. PR

Nach Einschätzung von Experten ist der Toyota Avensis ein zuverlässiges Auto, wenn gleich ihm Mängel natürlich auch nicht fremd sind.

BerlinDer Toyota Avensis ist ein Kernmodell des größten Autoherstellers der Welt für den europäischen Markt. Robust muss er also sein, der Avensis. Das ADAC-Urteil hinsichtlich der Pannenanfälligkeit passt da sehr gut zu den Qualitätsansprüchen des Herstellers: Das Mittelklasseauto der Japaner gehöre regelmäßig zu den Klassenbesten.

Beanstandungen des Automobilclubs beziehen sich fast ausschließlich auf die bis 2003 gebaute Modellgeneration: So machen an Exemplaren bis zum Baujahr 1998/99 öfters die Wegfahrsperren Probleme, bis 2002 defekte Zündschlösser. Bis zum Baujahr 2001 machten nicht ordnungsgemäß laufende Zweimassenschwungräder auf sich aufmerksam. Über die nachfolgenden Auflagen gibt es kaum Negatives zu berichten, bis auf einige Rückrufe, darunter zuletzt wegen Bremskraftverstärkern und Lenkungen an Autos von 2005.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Bei der Kfz-Hauptuntersuchung hinterlässt der Avensis einen ähnlich positiven Eindruck: An den letzten beiden Generationen gebe es fast nichts mehr zu beanstanden, so der «TÜV Report 2013». Vor allem das Fahrwerk bleibe über einen ungewöhnlich langen Zeitraum fit. Im fortgeschrittenen Alter sollten Kaufinteressenten aber auf eine ordnungsgemäß funktionierende Lichtanlage achten und ab einem Autoalter von neun Jahren nach möglichen Roststellen schauen.

Als Nachfolger des Carina kam der Avensis 1998 auf den Markt. Im Angebot waren wie bei der 2003 eingeführten zweiten Auflage drei Karosserievarianten: Stufenheck- und Schräghecklimousine sowie der Kombi. Während die erste Auflage noch über kein ESP verfügte, gab es den Schleuderschutz ab 2004 in allen Varianten. Die ab 2009 angebotene dritte Generation gibt es nicht mehr als Fließheck, dafür wird mit Front-, Seiten-, Knie- sowie Kopfairbags (vorne und hinten) Wert auf die Sicherheitsausstattung gelegt. Unter dem Namen Avensis Verso war zwischen 2001 und 2005 auch ein Van im Angebot.

Für einen Mittelklässler ist auffällig: Die ganz großen Motoren und spritzige Sportversionen wie bei anderen Herstellern fehlen dem Avensis. Verbaut sind ausschließlich Vierzylindermotoren in Reihe, die je nach Baujahr und Modell als Benziner zwischen 81 kW/110 PS und 120 kW/163 PS leisten - bei 1,6 bis 2,4 Litern Hubraum. Die Dieselantriebe mit 1,8 und 2,2 Litern bieten eine Leistungsspanne von anfangs 61 kW/83 PS bis 130 kW/177 PS.

Rund 17.200 Euro müssen Interessenten für einen Avensis Combi 2.0 Executive mit 112 kW/152 PS von 2011 auf dem Gebrauchtmarkt einplanen. Diesen Richtwert nennt die Schwacke-Liste und geht von einer durchschnittlichen Laufleistung von 43.850 Kilometern aus.

Ein Diesel mit der großen Heckklappe von 2009 sollte im Falle des Combi 2.0 D-4D Executive mit 93 kW/126 PS für etwa 14.200 Euro aufzutreiben sein (83.200 Kilometer). Ein älteres Diesel-Stufenheck der zweiten Generation, so der Avensis 2.2 D-4D Sol mit 110 kW/150 PS von 2005, wird von Schwacke mit 6.550 Euro und 139.600 Kilometern geführt.

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