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26.02.2016

09:50 Uhr

Unterwegs im Nissan Navara

Die salonfähige Cargohose

VonFrank G. Heide

Sie sind bislang der Ansicht, Pick-up-Trucks seien nur etwas für Steinmetze und Landschaftsgärtner? Kann gut sein, dass Sie bald ein wenig umdenken müssen.

Wenn die Straße zu Ende ist, ist für den Navara noch lange nicht Schluss. Auf Hochglanz polieren macht bei artgerechter Haltung des modernen Pritschenwagens wenig Sinn. Frank G. Heide

Die Karre fürs Grobe

Wenn die Straße zu Ende ist, ist für den Navara noch lange nicht Schluss. Auf Hochglanz polieren macht bei artgerechter Haltung des modernen Pritschenwagens wenig Sinn.

NürburgNach SUV und Crossover entdecken gerade etliche Hersteller den rauen Charme der Nutzwert-Lastesel als den nächsten heißen Trend, der auch Ihren Alltag erobern könnte. Fühlen Sie sich vielleicht schon jetzt von den verschwitzten, dreckigen Männermodels in Feinripp-Unterhemden der Baumarkt-Reklame angesprochen, die unermüdlich auf „ein Projekt“ einhämmern? Dann hängen Sie schon so gut wie am Haken.

Doch es ist nicht das Marketing allein, das uns hier was verkaufen will, die Werbestrategen bauen bei den aktuellen Pick-ups wie VW Amarok, Ford Ranger, Mitsubishi L200 und Nissan Navara auf eine Serienauto-Basis auf, wie sie praktischer und unverwüstlicher kaum sein kann: Innen gibt’s inzwischen meist Platz für vier, die Ladeflächen sind endlos und man schmeißt vom Werkzeugkoffer bis zum frisch erlegten Reh einfach alles drauf, was nicht mehr als eine Tonne wiegt. Und wer naturnah im Trailer statt im urbanen Eigenheim wohnt, kann dies noch an den Haken hinten hängen, der meist bis zu 3,5 Tonnen verkraftet.

In den USA, wo gerne alles ein bisschen größer sein darf, dominieren die gewaltigen „Trucks“ mit Namen wie Silverado und Ram seit Jahrzehnten die Verkaufsstatistiken, dem grundsoliden und ehrlichen working man´s car Ford F150 gelingt dies schon seit unglaublichen 33 Jahren. Hier ist die Cargohose unter den PKW längst salonfähig.

Bei uns muss es nicht ganz so groß und grob sein, wir waren ausgiebig unterwegs im neuen Navara. Den bis zu 5,33 Meter langen Pritschenwagen baut Nissan schon seit zwölf Generationen. Und er verdient sich die Bezeichnung Urgestein auch gerne offroad, wenn es sein muss.

Diese Woche musste es sein, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt watete der Navara, der inzwischen teilweise auf beschwingende Blattfedern verzichtet, durch 60 Zentimeter tiefes Schlammwasser, meisterte 37 Grad Schräglage und absolvierte 57 Prozent Steigung. Es ging durch Schotter, Sand, und Matsch, über Beton, Schnee und in extreme Verschränkungen.

Hier erinnert nichts mehr an ein leichtes Nutzfahrzeug. Ein Highlight ist die Around-View-Kamera, die den gewaltigen Wagen aus der Vogelperspektive zeigt oder in der 360-Grad-Rundumsicht, was im Gelände und beim Rangieren eine tolle Hilfe ist. PR

Auf Wunsch kommt das Cockpit richtig edel daher

Hier erinnert nichts mehr an ein leichtes Nutzfahrzeug. Ein Highlight ist die Around-View-Kamera, die den gewaltigen Wagen aus der Vogelperspektive zeigt oder in der 360-Grad-Rundumsicht, was im Gelände und beim Rangieren eine tolle Hilfe ist.

Anschließend klettert man aus diesem Auto, als hätte man gerade beim Bäcker die Brötchen geholt. Nur die noch tropfnassen Schlammkrusten an der Karosse zeugen davon, dass der Wagen sich gerade Kilometer durch unwegsamstes Eifelgelände gewühlt hat wie eine Wildsau. Jetzt weiß man auch die fünf Jahre Garantie zu schätzen, die Nissan gewährt.

Als Fahrer oder Passagier steigt man dank doppelter Dichtungen stets mit trockenen Füßen über einen sauberen Türeinstieg, die Hosenbeine bleiben schlammfrei. Innen genießt man die meisten der zahlreichen technischen Neuheiten, die Nissan dem komplett überarbeiteten Bestseller spendiert hat.

Es gibt einen echten Fünfsitzer, das sogenannte Double Cab, und ein King Cab, das als 2+2-Sitzer hinten nur zwei Notsitze hat. Zwei souveräne Dieselmotoren mit massig Drehmoment stehen zur Verfügung und nur die Einstiegsvariante hat keinen Allradantrieb. PR

Blick in den Innenraum der Double-Cab-Variante

Es gibt einen echten Fünfsitzer, das sogenannte Double Cab, und ein King Cab, das als 2+2-Sitzer hinten nur zwei Notsitze hat. Zwei souveräne Dieselmotoren mit massig Drehmoment stehen zur Verfügung und nur die Einstiegsvariante hat keinen Allradantrieb.

Allen voran die Surround-Bilder der Kameras und Sensoren, die im unwegsamen Terrain den Gelände lesenden und Fahrkommandos gebenden Beifahrer ersetzen. Im Steilhang, wenn die Motorhaube in den Himmel ragt oder sich an eine Kuppe eine uneinsehbare Kehre anschließt, blickt der Fahrer ruhig auf das scharfe und zweigeteilte Kamerabild, das ihm eine simulierte Draufsicht und eine 360-Grad-Fahransicht mit Spurlinien liefert.

Die Note 1 müssen wir dem als Extra 1.300 Euro teuren System nur deswegen verweigern, weil es sich viel zu oft bzw. schnell automatisch ausschaltet, und weil der Monitor des Multimedia-Infotainments etwas zu klein geraten ist.

Unser Testmodell mit Doppelkabine bietet mit der neu entwickelten Multilink-Hinterradaufhängung auch auf der Straße einen vernünftigen, zeitgemäßen Fahrkomfort und ein Handling, das in den meisten Fahrsituationen näher dran ist am Alltags-Familien als an einem Nutzfahrzeug. Von den Abroll- und Windgeräuschen mal abgesehen, was aber der offenen Ladefläche und den groben Pneus geschuldet ist.

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