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14.09.2011

11:02 Uhr

Vernetzte Autos auf der IAA

Twitter-News beim Ampelstopp

VonMarkus Fasse, Jens Koenen

Assistenzsysteme, Apps, Infotainment: In Zukunft wird der Fahrer unglaublich viele digitale Helferlein haben. Das Problem: Die Vielfalt lenkt ab und verwirrt, es fehlen Standards. Wie viel Technik ist zu viel?

Frei konfigurierbar: Im Concept Car Connected Drive zeigt BMW, was in Sachen Infotainment und Vernetzung machbar ist. Bei der Studie mit zwei Bildschirmen im Armaturenbrett legt der Fahrer fest, welche Infos er und der Beifahrer sehen können. Reuters

Frei konfigurierbar: Im Concept Car Connected Drive zeigt BMW, was in Sachen Infotainment und Vernetzung machbar ist. Bei der Studie mit zwei Bildschirmen im Armaturenbrett legt der Fahrer fest, welche Infos er und der Beifahrer sehen können.

München/FrankfurtWenn General Motors mit der Technologie so mitgehalten hätte wie die Computerindustrie, dann hätten wir heute alle 25-Dollar-Autos, die 1.000 Meilen pro Gallone Sprit fahren würden.“ Mit diesen markigen Worten verglich Microsoft-Gründer Bill Gates vor einigen Jahren die Innovationsstärke der Auto- und der IT-Industrie. Die Antwort von GM in Form einer Presseerklärung kam, glaubt man den Berichten, prompt: Hätte GM eine Technologie wie Microsoft entwickelt, würde ein Auto ohne erkennbaren Grund einfach ausgehen, der Airbag würde fragen „Sind Sie sicher?“, bevor er auslöst und man müsste den Startknopf drücken, um den Motor auszuschalten.

Die Anekdote zeigt, wie weit die Welten der beiden Branchen einst auseinanderlagen. Doch das ist längst Vergangenheit: Heute geht ohne IT im Auto kaum noch etwas – und in Zukunft noch viel weniger.

Computergesteuerte Fahrassistenzsysteme helfen beim Bremsen, Abstandhalten oder Einparken. Die ersten selbstfahrenden Autos sind schon unterwegs, wenngleich sie noch im Experimentierstadium sind. Viel weiter ist dagegen der Umbau der „Fahrgastzelle“ zu einer „Kommunikationszelle“. Daimler stellt auf der IAA die B-Klasse mit Internetzugang vor.

Polemik: Das größte Risiko ist der Fahrer

Polemik

Das größte Risiko ist der Fahrer

Wollen uns die Premium-Hersteller mit immer mehr Elektronik-Gimmicks in den Wahn treiben? Ein Plädoyer gegen die Auswüchse der Informationsflut, die jetzt schon die meisten Fahrer überfordert.

Der neue VW Up hat im Armaturenbrett ein Touchscreen, der sich heraus- und mitnehmen lässt – wie ein Tablet-PC. Ford stellt den programmierbaren Autoschlüssel vor. Dort können Höchstgeschwindigkeit und maximale Lautstärke des Radios vorgegeben werden, gut geeignet für den Nachwuchs mit mangelnder Fahrerfahrung.

„Jeder zweite Autofahrer wünscht sich einen Internetzugang“, berichtet Martina Koederitz, Deutschland-Chefin von IBM und Präsidiumsmitglied des IT-Verbands Bitkom, in einer aktuellen Studie. Gefragt seien vor allem Dienste wie Radarwarnungen und die Suche nach Hotels, Restaurants oder Tankstellen. Auch Wetterinfos und Straßenkarten stehen bei den Autokäufern hoch im Kurs.

Kommentare (2)

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zephyroz

14.09.2011, 12:37 Uhr

Die Frage in der Überschrift ist richtig. Wieviel Technik ist zu viel? Für mich ist schon jetzt zu viel Technik im Auto möglich. Spurwechselassistenten oder Einparkhilfen halte ich für gefährlich. Zum einen verlassen sich meine Mitmenschen dann nur noch darauf und zum zweiten verlernen die nachfolgenden Generationen völlig das Autofahren. In Grenzsituationen und dann später auch im "nicht-mehr-ganz-Normalfall" reagieren diese Menschen dann nicht mehr richtig oder gleich völlig falsch.
Außerdem sehe ich eine weitere Gefahr der vollkommenen Digitalisierung: Nämlich die Überwachung. Ich wage die Prognose, daß die Politik nicht lange widerstehen kann, wenn das möglich ist. In Holland gab es schon mal ein Experiment mit digitaler Zwangskopplung der Autos an ein Limit. Das wäre dann die Grund wieder aufs Pferd zu steigen.

Account gelöscht!

14.09.2011, 16:41 Uhr

Na ja, diese Debatten gab es schon bei einem Haufen vorhergehender Technologien. Beim Flugzeug hat sich auch der Autopilot in weiten Teilen durchgesetzt, und ich bin froh darüber. Von der Überwachung des Luftverkehrs ganz zu schweigen. Und natürlich werden die Menschen auf Dauer das Autofahren verlernen, das Reiten beherrscht heute auch kaum noch jemand. Man sollte bei jeder tiefergehenden Weiterentwicklung versuchen, einen geordneten Übergang zu ermöglichen, damit die Zwischenphase nicht ganz so chaotisch ausfällt, aber dass Autos auf absehbare Zeit nicht mehr vom Menschen direkt, sondern vom Computer gesteuert werden.

Der Artikel selber befasst sich an sich vor allem mit der Einbindung der Unterhaltungs- und Kommuniktationselektronik in das Auto. Diese wird, denke ich, entweder vorangetrieben oder halt durch ein immer funktionsreicheres Handy ersetzt. Alles in allem dürften da die Kundenwünsche den Ausschlag geben. Am Anfang wird viel unnötiges Zeug eingebaut werden, was sich aber nachher sicher wieder etwas ausdünnen wird.

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