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29.01.2015

13:57 Uhr

Volvo S60/V60 als Gebrauchtwagen

Ein grundsolider Schönling

Quelle:Spotpress

Volvos Mitteklasse-Limousine macht dem Haltbarkeitsanspruch der Marke alle Ehre. Die erste HU absolviert er souverän. Wer ein Exemplar des S60 oder V60 mit wenig Kilometerleistung sucht, muss tief in die Tasche greifen.

Als Limousine S60 ist der Schwede fast schon so schnittig gestylt wie ein viertüriges Coupé SP-X

Fast wie ein viertüriges Coupé

Als Limousine heißt der Schwede S60 und ist fast schnittig gestylt.

Der typische Volvo-Fahrer legt traditionell Wert auf Understatement, Qualität und Sicherheit. Der 2010 auf den Markt gekommene Kombi V60 und das Schwestermodell, die Limousine S60, fahren ganz in dieser Spur.

Karosserie und Innenraum: Die 4,63 Meter langen 60er sind die dynamischen Schönlinge in Volvos Modellpalette. Als Limousine S60 ist der Schwede fast schon so schnittig gestylt wie ein viertüriges Coupé, als Kombi verhilft der optische Knick zu sportlichem Charakter.

Innen findet sich die klare Formensprache der Skandinavier wieder und sorgt für gute Übersicht, die Verarbeitung ist top, die Materialien sind edel. Etwas Eingewöhnungszeit braucht man bei der Bedienung des Infotainment-Menüs mit den diversen Knöpfchen auf der Mittelkonsole. 380 Liter Kofferraumvolumen bei der Limousine und 430 bis 1.241 Liter beim Kombi sind keine Bestmarken, gehen aber in Ordnung.

Vier Erwachsene haben im Fünfsitzer ausreichend Platz auch auf längeren Strecken, richtig groß Gewachsene sollten allerdings vorn sitzen.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Motoren: Die Vierzylinder-Benziner decken eine Leistungs-Bandbreite von 110 kW/150 PS bis 176 kW/240 PS ab. Hinweis für Sparfüchse: Nicht alle Motoren aller Bauzeiten haben Start-Stopp-Automatik serienmäßig. Die beiden größeren, sparsamen Fünfzylinder-Diesel (120 kW/163 PS und 158 kW/215 PS) mit ihrem satten Selbstzünder-Sound sind kraftvoll und perfekt für eine relaxte, schaltfaule Fahrweise.

Komfortabel lange Strecken gleiten ist per se die Stärke von V60 und S60. Top-Aggregat ist der selten zu findende T6 Sechszylinder-Benziner mit 224 kW/304 PS. Serienmäßig wird die Kraft von einem Sechsgang-Schaltgetriebe übertragen, eine Automatik gibt es nur mit bestimmten Motoren kombiniert.

Ausstattung und Sicherheit: Der Serienumfang der Basisversion ist schon recht ordentlich, unter anderem sind Klimaautomatik, CD-/MP3-Radio, geteilt umlegbare Rücksitze und eine höhen- und weitenverstellbare Lenksäule an Bord.

. Im Kombi-Land Deutschland ist der Lifestyle-Laster V60 das öfter verkaufte Modell Volvo

V60 in modischem Weiß

Im Kombi-Land Deutschland ist der Lifestyle-Laster das öfter verkaufte Modell

Ebenfalls immer serienmäßig ist die automatische Notbremsfunktion „City-Safety“, die bis Tempo 50 (Tempo 35 bei älteren Modellen) bei drohender Kollision automatisch bremst und so hilft, Auffahrunfälle zu vermeiden.

Wer Wert auf Sicherheit legt, sieht sich nach einem Volvo um, der das Fahrerassistenz-Paket hat: Es enthält Spurwechsel-Assistent, Übermüdungswarner, Totwinkel-Assistent und einen gut funktionierenden adaptiven Tempomat für lange Autobahnfahrten. Für die bei der Rückwärtsfahrt etwas unübersichtliche Limousine empfiehlt es sich, nach einem Exemplar mit hinteren Parksensoren zu suchen.

Qualität: Bei ihrer ersten HU schneiden S60 und V60 überdurchschnittlich gut ab, obwohl sie mehr Kilometer in den ersten Jahren abreißen müssen als der Durchschnitt. Unter anderem machen die TÜV-Prüfer hinter Licht, Bremsen, Aufhängung, Abgasanlage, Ölverlust am Antrieb überdurchschnittlich oft einen Haken. Zu beanstanden haben die Sachverständigen hin und wieder die Antriebswellen, sie fallen mit einer leicht erhöhten Mängelquote auf.

Innen findet sich die klare Formensprache der Skandinavier wieder und sorgt für gute Übersicht, die Verarbeitung ist top, die Materialien sind edel Volvo

Innen findet sich die klare Formensprache der Skandinavier wieder

Gute Übersicht, die Verarbeitung ist top, die Materialien sind edel

Fazit: Schick, ein bisschen Sportlich, haltbar: Mit diesem Auto kann man nichts falsch machen. Im Kombi-Land Deutschland ist der Lifestyle-Laster V60 deutlich häufiger in den großen Internet-Gebrauchtwagenbörsen vertreten. Der ursprüngliche Neuwagen-Preisunterschied von rund 1.000 Euro hat sich egalisiert, der Kombi ist jetzt in etwa gleich teuer wie die Limousine.

Mit mehr als 100.000 Kilometern auf dem Tacho gibt es sowohl V60 als auch S60 bereits unter 15.000 Euro. Für ein gut ausgestattetes Exemplar deutlich unter 100.000 Kilometern und mittlerer Motorisierung kann man bei rund 18.000 Euro fündig werden. Nicht wenige Volvo-Erstbesitzer haben in die Ausstattung ihrer Autos investiert, es sind diverse gut ausgestattete Gebrauchte auf dem Markt.

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