Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2015

09:24 Uhr

Volvo V50 im Test

Kosmopolit aus Schwedenstahl

Quelle:dpa

Ein vernünftiges Auto sollte der Volvo V50 sein. Dennoch hatte der Wagen in der Vergangenheit so seine Aussetzer. Vor allem Pannenhelfer können davon ein Lied singen.

Der V50 richtete sich vor allem an Familien. PR

Volvo-Kombi V50

Der V50 richtete sich vor allem an Familien.

BerlinEinst war die Kompaktklasse bei Volvo zweigeteilt: Für stilbewusste Käufer mit geringem Platzbedarf gab es den C30, während S40 und V50 mehr Nutzwert für die konservativere Kundschaft bieten sollten. Das war zwar nur bedingt so, aber die vernünftigere Lösung war insbesondere der Kombi allemal. Und im Vergleich zum anfälligen Vorgänger V40 wurde er auch deutlich zuverlässiger.

Bei der Kfz-Hauptuntersuchung (HU) sieht es gar nicht so schlecht aus für den kompakten Volvo. Jedenfalls schneidet er laut dem „Tüv-Report 2015” deutlich besser ab als sein Vorgänger. Probleme gibt es gelegentlich mit der Auspuffanlage und mit Ölverlust. Bei älteren Modellen fällt die Achsaufhängung häufiger unangenehm auf. Und auch die Beleuchtung ist nicht immer fehlerfrei. Durchweg gute Noten verdient sich der ab 2004 gebaute V50 hingegen bei den Bremsen.

Wer glaubt, mit dem Volvo einen pannensicheren Begleiter zu fahren, den enttäuscht der ADAC. Zumindest bis 2008 gebaute V50 bleiben öfter liegen. Grund ist vor allem die Elektrik, wo neben den Batterien auch die Generatoren manchmal schlappmachen. Defekte Turbolader machen beim Baujahr 2006 Ärger, Störungen im Motormanagement bei Dieseln von 2011. Auch zahlreiche Rückrufe verzeichnet der ADAC.

Nach dem gemeinsam mit Mitsubishi entwickelten V40, tat Volvo sich für den Nachfolger mit Ford zusammen und entwickelte eine gemeinsame Plattform, auf der neben dem Focus auch der Mazda3 entstand. Trotz der recht stattlichen Länge von 4,52 Metern bot der Schwede im Kofferraum nicht viel mehr Platz als ein Kompaktklässler. Zwischen 417 und gut 1300 Litern sind knapp, auf der Rückbank sieht es aber besser aus. Wobei man dem V50 optisch ohnehin nicht viel vorwerfen kann. Schlicht, aber modern wirkte er eigentlich noch immer.

Mit 74 kW/100 PS startet das Leistungsspektrum des V50 bei den Benzinern, Schluss ist erst bei 169 kW/230 PS aus einem 2,5 Liter großen Fünfzylinder. Die Diesel leisten zwischen 80 kW/109 PS und 132 kW/180 PS. Daneben gibt es gleich zwei FlexiFuel-Versionen, die mit Benzin oder Bio-Ethanol betrieben werden können. Ein 1,8-Liter-Motor leistet 125 kW/177 PS, eine Version mit 2,0 Liter großem Motor kommt auf 107 kW/145 PS.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Die Gebrauchtpreise für den V50 starten bei knapp über 4500 Euro für Modelle aus dem ersten Baujahr 2004. Dabei ist der V50 2.4 mit 103 kW/140 PS laut Schwacke mit rund 4550 Euro tendenziell etwas günstiger als der V50 1.6 mit nur 74 kW/100 PS für rund 4650 Euro. Die Laufleistung liegt in beiden Fällen bei etwa 150 800 Kilometern. Wer einen gut ausgestatteten V50 1.8 Summum von 2009 sucht, muss mit etwa 11 150 Euro kalkulieren (90 800 Kilometer). Für den sportlichen V50 T5 RDesign von 2010 werden 13 450 Euro fällig (78 800 Kilometer).

Dieselfahrer sollten für einen V50 1.6D Kinetic von 2007 circa 6450 Euro einplanen (150 200 Kilometer), für einen moderneren und etwas kräftigeren D2 Momentum von 2010 rund 10 200 Euro (103 400 Kilometer). Ein D4 Summum desselben Baujahres steht bei gleicher Laufleistung für 12 800 Euro in der Schwacke-Liste. Wer eine FlexiFuel-Variante mit 1,8-Liter-Motor sucht, wird ab 6600 Euro fündig (Baujahr 2007, 114 800 Kilometer).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×