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06.12.2012

10:21 Uhr

Volvo V60 D5 im Handelsblatt Autotest

Ich will doch nur fahren!

VonFlorian Kolf

Er fährt sich toll, er sieht gut aus, er schreibt Sicherheit groß. Eigentlich wäre der Volvo V60 der perfekte Dienstwagen – wenn der Schwede mit chinesischen Eltern nicht bei so vielen Details nerven würde.

Der V60 verbindet modernes Design und traditionelle Markenwerte von Volvo. Sebastian Schaal

Der V60 verbindet modernes Design und traditionelle Markenwerte von Volvo.

DüsseldorfKennen Sie das, wenn Sie Ihre Mutter (und das egal wie alt Sie sind) regelmäßig ermahnt, doch auf jeden Fall eine Mütze anzuziehen, sobald das Thermometer unter die 20-Grad-Marke sinkt? Oder wenn ihnen die Nachbarin immer wieder Ihren selbstgekochten, leider viel zu sauren Holundersaft aufdrängt, weil der doch so gesund ist? Und wenn Sie beim zehnten aufdringlichen Angebot dann nicht mehr ganz so freundlich ablehnen, ein beleidigtes „War doch nur gut gemeint“ kommt?

Dann haben Sie ungefähr das Gefühl erfasst, das mich in meinem Volvo V60 nach kurzer Zeit beschlich. Kaum traut man sich noch, mal kräftig Gas zu geben oder die Spur zu wechseln. Denn sofort blinkt irgendwo eine Warnlampe, ertönt ein Klingelton, vibriert das Lenkrad. Und das ist natürlich immer nur gut gemeint.

Sicherheit ist bei Automobilen von Volvo Teil des Markenversprechens. Die schwedische Marke hat 1959 als erster die Drei-Punkt-Sicherheitsgurte einführt, vor allen anderen 1968 Kopfstützen eingebaut und als erster einen nach hinten gerichteten Kindersitz entwickelt. Auf seiner Website wirbt der Hersteller mit dem Satz: „Wer sich für einen Volvo entscheidet, kann sich darauf verlassen, dass er eines der weltweit sichersten Automobile erwirbt.“ Und das scheint sich mit der Übernahme der traditionsreichen Schweden-Marke durch den chinesischen Autobauer Geely nicht geändert zu haben.

Doch in meinen Volvo V60 D5 Summum, ausgestattet mit allem was die Sicherheitsingenieure so erdacht haben, haben sie es eindeutig übertrieben. Und sie scheinen nicht akzeptieren zu wollen, wenn ich mal ein bisschen weniger bemuttert werden will.

Das größte Nervpotenzial dabei hat ein Feature, das sich hinter der kryptischen Abkürzung BLIS versteckt. Das „Blind Spot Information System“, erkennt über Kameras, die an den Seitenspiegeln angebracht sind, wenn ein Auto auf der Nebenspur im toten Winkel fährt und warnt den Fahrer mit einer Blinklampe vor einem Spurwechsel im falschen Moment. Theoretisch ja hilfreich. In der Praxis aber leuchtet es fast permanent, weil es nicht nur auf andere Autos reagiert, sondern zuweilen auch auf Lärmschutzwände oder spiegelnde Pfützen auf der Straße. Und der Schulterblick muss ja trotzdem noch sein.

Das „Blind Spot Information System“, erkennt über Kameras, wenn Autos auf der Nebenspur im toten Winkel sind. Sebastian Schaal

Das „Blind Spot Information System“, erkennt über Kameras, wenn Autos auf der Nebenspur im toten Winkel sind.

Wer nun meint, man könne das System doch einfach abschalten, hat die Rechnung ohne das Helfersyndrom von Volvo gemacht. Zwar hat der Hersteller die verwirrende Vielzahl von 38 Tastschaltern und sechs Drehreglern allein in der Mittelkonsole untergebracht, aber angesichts der vielen Funktionen des Testwagens war leider kein Platz fürs BLIS. Also muss der Fahrer tief in die Menüstruktur des Bordcomputers eintauchen, um es zu deaktivieren. Und Überraschung: Bei der nächsten Fahrt ist es zuverlässig wieder aktiv.

Kommentare (9)

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kellhar

06.12.2012, 12:04 Uhr

Wenn der Wagen mit umgeklapptem Fahrersitz eine Ladelänge von 1,75 m hat, ist das bestimmt sehr gut, aber wie soll man dann fahren?

Karim

06.12.2012, 12:08 Uhr

1,75m mit umgeklapptem Vordersitz ist ein Witz!
Und das mit dem ABS schlagt ihr besser nochmal nach, sonst gibt's Ärger von Bosch!
Vielleicht konzentriert ihr euch besser wieder auf Finanz-Nachrichten und überlasst Auto-Themen denen, die davon Ahnung haben!

Account gelöscht!

06.12.2012, 12:14 Uhr

Danke für den Hinweis. Ich meinte natürlich den Beifahrersitz, wie man sich ja denken konnte. Der Fehler ist korrigiert. Gruß, Florian Kolf

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