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23.02.2017

07:10 Uhr

Volvo V90 D5 AWD im Handelsblatt-Test

Souveränes Flaggschiff der Flotte

VonFrank G. Heide

Wer gegen die üblichen Premium-Verdächtigen in der oberen Dienstwagen-Liga einen Stich bekommen will, der muss schon was ganz Besonderes vorfahren. Für Volvo ist das gar kein Problem, dank des Lifestyle-Kombi V90.

Wer sich den V90 von Volvo leisten möchte, wird ein Sparschwein schlachten müssen. Der Testwagen kam bei einem Basispreis von 61.400 Euro dank schöner Extras auf stolze 85.910 Euro. Dafür vermittelt er schon auf den ersten Blick einen souveränen Eindruck. Frank G. Heide

Volvo V90 D5 AWD Inscription

Wer sich den V90 von Volvo leisten möchte, wird ein Sparschwein schlachten müssen. Der Testwagen kam bei einem Basispreis von 61.400 Euro dank schöner Extras auf stolze 85.910 Euro. Dafür vermittelt er schon auf den ersten Blick einen souveränen Eindruck.

DüsseldorfKeine Frage, es läuft super bei Volvo: 543.332 verkaufte Autos in 2016 weltweit, das ist ein Rekordergebnis. Zwar wird der Absatzerfolg von den größten und wichtigsten Märkten getragen, den USA (+18,1%) und China (+11,5%). Doch müssen Volvo-Fans hierzulande keine Sorge haben, dass die Schweden unter chinesischer Regie nicht auch sehr „deutsche“ Dienstwagen im Angebot hätten, ganz klassisch in der Verbindung Premium, Kombi und Diesel.

Wir haben uns nach dem Test der S90-Limousine als Turbo-Benziner den V90 D5 AWD vorgenommen, also den 235-PS-Diesel mit Allradantrieb. Dass ein solches Fahrzeug kein billiges Vergnügen sein kann, zeigt schon die souveräne Präsenz des elegant gebügelten Schwedenstahls im Stand. Er parkt erst kurz in meiner Einfahrt, als schon der erste Nachbar ankommt und begeistert fragt, ob er eine Runde mitfahren kann.

Als er einsteigt wird ihm schnell klar: Mit 61.400 Euro (für die Inscription-Ausstattung) schon kein billiges Basisfahrzeug, hat Volvo den Testwagen mit einigen modernen und komfortablen Extras ohne Probleme auf stramme 85.900 Euro aufgerüstet. Wer würde da noch von Mittelklasse sprechen...

Was bekommt man für das Geld? Äußerlich vor allem ein mit knapp fünf Metern sehr langes Fahrzeug, mit glasklarer, knackiger Linienführung. Modern, nordisch-sachlich und in Silbergrau ein wenig unterkühlt kommt der V90 daher, eine sehr stattliche Erscheinung mit klarer Präsenz. Das eigenwillig geformte LED-Tagfahrlicht namens „Thors Hammer“ ist bei allem zur Schau getragenen Understatement ein echter Blickmagnet. Angeberische Elemente sind ihm aber völlig fremd.

Innen geht es mit Echtholzeinlagen und hellem Leder vor allem großzügig zu, im V90 gibt es keine billigen Plätze. Die Raumverhältnisse sind überall üppig. Kein Wunder, denn der Radstand misst fast drei Meter, der Kombi ist mit 4,93 Meter aber sogar drei Zentimeter kürzer als die Limousine. Die Ledersitze sind nicht nur komfortabel, und extrem gut auf alle Körpermaße und Positionswünsche einstellbar. Sie verwöhnen auch mit zupackenden bis entspannenden Sitzmassagefunktionen, die vor allem Kilometerfresser zu schätzen wissen werden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

In puncto Zuladung, Stauraum, Komfort und Sicherheit auf jeden Fall. Wegen der geringen Agilität des langen Schweden ist dieser Kombi aber eher was für Landstraßen- und Autobahn-Vielfahrer.

Das schönste Detail?

Die kleine Hochtöner-Kugel von Bowers & Wilkins mitten auf dem Armaturenbrett.

Enttäuschend?

Der abschließende Blick auf die Preisliste. Man hatte ja schon damit gerechnet, sein Sparschwein schlachten zu müssen. Aber dass es dann immer noch nicht reicht ...

Ist er`s wert?

Rund 83.000 Euro, das ist schon eine echte Ansage. Man bekommt natürlich viel Auto dafür, aber eben auch viel Wertverlust.

Sound?

Der Diesel ist nur im kalten Zustand und bei Vollgas zu hören. Ansonsten prädestiniert die gute Geräuschdämmung den V90 zum Reisewagen. Und die 1400-Watt-HiFi-Anlage ist eine Klasse für sich.

Wie grün ist das Auto?

Die Prüfstandwerte des Top-Diesel mit Allradantrieb haben wir im Alltag nicht erreicht. Im Test lag der V90 D5 AWD meist zwischen 8 und 9,5 Liter Durchschnittsverbrauch. Auf Langstrecke aber auch unter 7 Liter.

Vorbildlich?

Die souveräne Außenwirkung der Karosse. Große Show und Zurückhaltung gehen hier Hand in Hand. Jeder Betrachter empfindet diesen Volvo als etwas Besonderes.

Was sagt der Nachbar?

„Der sieht ja klasse aus! Nehmen Sie mich mal eine Runde mit?“

Wer guckt?

Alle, bei denen auch 5er-Touring, E-Klasse T-Modell und A6 Avant im Beuteschema liegen. Und nicht nur die.

Wie fährt er sich?

Ruhig und souverän, bei hohem Tempo ein echtes Brett. Im stressigen Alltagsverkehr die ideale Vaterfigur unter den Kombis. Das Flaggschiff der Flotte, das über Provokationen erhaben ist.

Wo gehört er hin?

Auf den Dienstwagen-Parkplatz des modernen Nonkonformisten, der gepflegtes Understatement zeigen möchte.

Edel gebürstetes Leichtmetall wechselt sich mit wunderschönen Echtholzeinlagen ab, der wie gehämmertes Silber wirkende Start-Stop-Knopf und der in gleicher Optik gehaltene Wahlschalter für die Fahrmodi sind besondere Highlights. Man fasst sie einfach immer wieder gerne an, sie wirken wie kleine, individuelle Schmuckstücke. Auch hier macht Volvo es technisch anders als andere: Ein Drehschalter, den man drücken muss, wählt zwischen den Fahrmodi „Eco“, „Comfort“ und „Dynamic“. Er muss aber zwei mal betätigt werden. Unnötig kompliziert, aber sicher.

Super gelungen sind auch die Lautsprecher-Abdeckungen aus feinem Leichtmetallblech mit aufwändigem Lochmuster, das immer wieder neugierige Blicke auf die dahinterliegende Technik zieht. Man kann sich in den ersten Stunden mit diesem Testwagen an diesen Details gar nicht sattsehen, obwohl letztlich der Eindruck bleibt: Hier hat jemand mit ausgezeichnetem Geschmack eingerichtet, und dabei großen Wert auf Ordnung gelegt.

Verarbeitung und Materialqualität lassen keine Wünsche offen, vor allem die Echtholz-Applikationen unterstützen den Lounge-Charakter des Fahrzeugs. Frank G. Heide

Edle Hölzer, schimmerndes Metall, weiches Leder

Verarbeitung und Materialqualität lassen keine Wünsche offen, vor allem die Echtholz-Applikationen unterstützen den Lounge-Charakter des Fahrzeugs.

Das Raumgefühl ist fast wie in einer Lounge, denn das dezente Leuchten von Holz und hellem Leder, das ich als Hundebesitzer im Alltag niemals kaufen würde, wird noch durch ein riesiges Panoramaglasdach betont, so dass man fast komplett mit Sack und Pack in dieses Auto einziehen möchte.

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