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09.01.2014

08:03 Uhr

Volvo XC60 im Handelsblatt Autotest

Der schwedische Gentleman

VonSebastian Schaal

Elegantes Design, ein hochwertiger Innenraum, souveräne Fahrleistungen und eine vorbildliche Sicherheitsausstattung: Der Volvo bringt alles mit, um ein wahrer Gentleman zu sein – allerdings nur für solvente Fahrer.

Für das Modelljahr 2014 haben die Schweden den XC60 überarbeitet. Sein Kleid ist aber nach wie vor zeitlos elegant. Sebastian Schaal

Für das Modelljahr 2014 haben die Schweden den XC60 überarbeitet. Sein Kleid ist aber nach wie vor zeitlos elegant.

Was kennzeichnet einen Gentleman? Der englische Dichter Geoffrey Chaucer beschrieb bereits im 14. Jahrhundert einen Gentleman als einen tugendhaften und zurückgezogenen Mann, der in dem Bestreben lebt, Gutes zu tun. Mit einigen kleinen Anpassungen passt diese Beschreibung auch auf den Volvo XC60.

Der erste Eindruck von Volvos Kompakt-SUV bestätigt die Zurückgezogenheit. Mit seinem zeitlosen und eleganten Design – skandinavisch nüchtern könnte man auch sagen – drängt sich der XC60 nie in den Vordergrund, ist dennoch präsent im Auftritt - und wirkt dabei stets sympathisch.

Auch auf Menschen, die seiner SUV-Gattung sonst ablehnend gegenüberstehen, scheint eine gewisse Art Demut zu wirken. Statt in die üblichen Parolen auszubrechen („Wozu braucht man solche Pseudo-Geländewagen eigentlich?“, „Der ist doch viel zu schwer und verbraucht viel mehr, ich fahre lieber einen Kombi.“) fallen Worte wie „schick“ und „gefällt mir“.

Für das Modelljahr 2014 hat Volvo den XC60 umfassend renoviert, ein Gentleman ist schließlich stets angemessen gekleidet. Doch alles, was die Designer geändert haben, ist mit einer gewissen Anmut geschehen. Er zeigt noch genügend Anleihen vom altväterlichen XC90, um seine Herkunft zu demonstrieren. Mit seiner Reduktion auf das Wesentliche wirkt er aber keinesfalls aus der Zeit gefallen.

Dass er aber nicht jeden Trend direkt mitgeht, zeigt sich beim XC60 unter der Haube. Hier verrichtet in unserem Testwagen ein etwas althergebrachter Fünfzylinder-Turbodiesel seinen Dienst. Das Triebwerk stammt in Grundzügen noch aus Zeiten, als Volvo zu Ford gehörte. Doch auch ein Gentleman kann sich dem Zeitgeist nicht ganz versagen: Demnächst wird der Fünf- durch einen moderneren Vierzylinder abgelöst.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Volvo XC60

Alltagstauglich?

4,64 Meter lang, übersichtliche Sitzposition, zwischen 495 und 1.455 Liter Kofferraumvolumen. Ja, alltagstauglich ist der XC60. Für die Familie taugt er aber nur mit kleinen Kindern: Die Beinfreiheit ist für Mitfahrer auf der Rückbank doch sehr eingeschränkt.

Das schönste Detail?

Der XC60 ist trotz des chinesischen Volvo-Eigentümers ein echter Skandinavier: Alle wichtigen Tasten am Lenkrad sind so groß, dass man sich auch bei arktischer Kälte noch mit Handschuhen bedienen kann. Und die Stand- und Lenkradheizung machen den XC60 auch in Deutschland zu einem prima Winterauto – falls denn mal Winter ist.

Enttäuschend?

Der Blick auf die Preisliste. Gerade habe ich mich mit dem Schweden-SUV angefreundet, seinen nüchtern-eleganten Innenraum zu schätzen gelernt, auch dem Fünfzylinder-Diesel verzeihe ich sein Knurren. Doch 69.465 Euro sind eindeutig zu viel.

Ist er's wert?

Um ehrlich zu sein: Nein. Der XC60 ist ein gutes Auto, aber für das getestete Fahrzeug verlangt Volvo satte 69.465 Euro. In dieser Preisklasse greifen die meisten Kunden dann doch eher zu Audi, BMW und Co. Oder aber zu einem Auto der 300-PS-Klasse.

Sound?

Fünfzylinder sind allgemein für einen etwas raueren Lauf bekannt. Doch ob beim XC60 jetzt vier, fünf oder sechs Kolben auf und ab rasen, merkt man kaum – so gute Manieren haben die Ingenieure dem Diesel angewöhnt. Nur nach dem Kaltstart knurrt er etwas laut vor sich hin.

Wie grün ist das Auto?

Im Testschnitt gönnte sich der 215-PS-Diesel rund 7,5 Liter auf 100 Kilometer. Das scheint auf den ersten Blick in Ordnung, doch der Porsche Cayenne S Diesel – 500 Kilo schwerer und 167 PS mehr Leistung – braucht nur 0,7 Liter mehr. Das relativiert den Verbrauch des Volvo wieder.

Vorbildlich?

Es ist ein Volvo: Rund ums Thema Sicherheit lässt der XC60 fast keine Wünsche offen.

Was sagt der Nachbar?

Er grüßt freundlich, mustert den weißen Volvo – und sagt nichts. Bei dem geradezu schon unauffälligen Äußeren scheint im spontan kein passender Spruch eingefallen zu sein.

Wer guckt?

Außer ein paar Passanten am Zebrastreifen ist mir während den Testfahrten niemand aufgefallen, der sich offensichtlich für den Volvo interessiert hat.

Wie fährt er sich?

Während der Fahrt werden sie nur an der erhöhten Sitzposition merken, dass Sie in einem SUV Platz genommen haben. Ansonsten fährt sich der XC60 fast wie ein Mittelklasse-Kombi.

Wo gehört er hin?

Trotz des Allrad-Antriebs würde ich mit dem XC60 nicht ins Gelände fahren, schlechte Schotterwege oder verschneite Pisten sind aber kein Problem. Den Alltag auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt beherrscht der Volvo mühelos.

Mit 215 PS und 420 Newtonmetern steht der Turbodiesel gut im Futter, ist aber von der Maßlosigkeit so mancher Konkurrenten weit entfernt. Statt das hohe Drehmoment meist für eine satte Beschleunigung zu nutzen, verwendet es die Automatik zur Vermeidung unnötiger Schaltmanöver. Will der Fahrer aber dennoch die volle Leistung abrufen, knurrt der Diesel kurz etwas unwillig angesichts dieser unnötigen Hektik, um dann aber doch zügig in Richtung Begrenzer zu drehen.

Die Untugend der Völlerei kann man ihm angesichts eines Testverbrauchs von rund 7,8 Litern zwar nicht vorwerfen, eine vorbildliche Mäßigung sieht aber anders aus. Mein Kollege Florian Kolf kam bei seinem Test des Kombis V60 mit demselben 215-PS-Diesel auf unter sieben Liter, ein rund 500 Kilo schwerer und 167 PS stärkerer Porsche Cayenne S Diesel kam auf 8,2 Liter.

Krieg der Knöpfe: Die Tasten am Lenkrad sind noch alle angenehm groß und logisch angeordnet. Für diejenigen in der Mittelkonsole gilt das nur eingeschränkt. Sebastian Schaal

Krieg der Knöpfe: Die Tasten am Lenkrad sind noch alle angenehm groß und logisch angeordnet. Für diejenigen in der Mittelkonsole gilt das nur eingeschränkt.

Kommentare (5)

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elchfahrer

09.01.2014, 08:35 Uhr

Der Test ist recht ausgewogen. natürlich findet man immer was zu Mäkeln. Den XC60 mit einem A4 zu vergleichen hinkt. Da sollte dann lieber der Q5 genommen werden. Dieser ist teurer und hat manche Sicherheitssysteme nicht einmal in der Aufpreisliste.
Die Ladekante ist der Fahrzeugform geschuldet, da ergibt eine niedrigere Ladekante keinen Sinn.
Der 5-Zylinder ist eine Entwicklung von Volvo und debütierte in seiner Urform im 850 - da gehörte Volvo noch nicht zu Ford.

Account gelöscht!

09.01.2014, 11:20 Uhr

Die viel zu hohen Flanken lassen ihn aussehen wie ein Schuhkarton. Zudem beeinträchtigen die viel zu kleinen Fensterflächen auch die Rundumsicht. Hier wurde mal wieder versucht dynamische Erscheinung um jeden Preis zu erzwingen. Dies ist kräftig nach hinten los gegangen denn Schönheit und damit auch Dynamik ist immer das Ergebnis guter Proportionen, die zudem auch noch der Ergonomie zu gute kommen.

Account gelöscht!

09.01.2014, 11:47 Uhr

@MJM1605
Der Schuhkarton-Vergleich hinkt. Der Wagen hat zwar hohe Flanken aber eine ausgesprochene Keilform. Erzwungen scheint mir die Dynamik auch nicht, vielmehr ist sie innerhalb des SUV-Segments sogar noch eine der am besten gelungenen.

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