Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2005

09:45 Uhr

Test + Technik

Vor 25 Jahren erschien der Audi quattro

Sportwagen sollen ihren Fahrer möglichst flott von einem Punkt zum nächsten befördern. Neuwagenbesitzer sportlicher Autos ordern daher häufig Allradantrieb. Zu verdanken ist das unter anderem Audi.

Audi quattro

Das Audi Coupé gab es 1980 auch als „quattro“. (Bild: Audi/dpa/gms)

dpa/gms INGOLSTADT. Denn die Ingolstädter Autobauer brachten vor 25 Jahren mit dem quattro das erste sportliche Serienauto mit Allradantrieb auf die Straße. Was zu einer kleinen Revolution im Automobilbau wurde, begann unspektakulär. Im Winter finden sich die Testfahrer der Autokonzerne in Skandinavien ein, um neue Fahrzeuge unter unwirtlichen Bedingungen zu prüfen. Auch Audi hatte Anfang 1977 ein Team in den Norden geschickt. Das hatte auch einen in Ingolstadt entwickelten Geländewagen dabei, den Iltis.

Wie bei geländegängigen Fahrzeugen üblich, hatte der Iltis einen Allradantrieb, von dem man bislang glaubte, seine Vorteile würden sich auf besseres Vorankommen auf Sand und Geröll beschränken. Als Jörg Bensinger, Leiter des Fahrwerksversuchs bei Audi, das Steuer des Iltis übernahm, stellte er jedoch etwas Ungewöhnliches fest: Der mit einem 75 PS starken Motor bestückte Iltis war unter den winterlichen Bedingungen das schnellste Auto der Testflotte.

Zurück in Süddeutschland berichtete Bensinger seinem Chef Ferdinand Piech von dem Erlebten. Piech war damals Vorstand für Fahrzeugentwicklung und mit dem Plan angetreten, Audi vom betulichen Image zu befreien. Bensinger überzeugte ihn zumindest soweit, dass ein Team beauftragt wurde, auf Basis eines Audi 80 einen Prototypen mit Allradantrieb und einem Fünfzylinder-Turbomotor zu bauen.

1978 war das Projekt so weit gediehen, dass man die Fähigkeiten des Autos den Bossen des Mutterkonzerns Volkswagen vorführen wollte. Als auf einer ebenso steilen wie verschneiten Strecke in Österreich Winterreifen und Schneeketten getestet wurden, ließ Audi einen Allrad-Prototypen vor den Augen eines Volkswagen-Vorstands die Steigung erklimmen - und zwar auf Sommerreifen.

Im Frühjahr 1980 stand schließlich auf dem Genfer Automobilsalon das Audi quattro genannte Endprodukt. Die Basis bildete das überarbeitete Audi Coupé. Äußerliche Merkmale waren die „dicken Backen“ - auffällig verbreiterte Kotflügel - und ein Frontspoiler. Unter der Haube saß ein Fünfzylinder-Motor mit 2,1 Litern Hubraum, den ein Turbolader auf 147 kW/200 PS brachte. Damit erreichte der quattro 222 Stundenkilometer (km/h) und beschleunigte in erstaunlichen 7,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Was die Tester der Fachzeitschriften aber am meisten beeindruckte, war nicht die schiere Leistung. Vielmehr setzten die vier angetriebenen Räder neue Maßstäbe für das flotte Durcheilen von Kurven, das Handling oder die Fahrbarkeit auf rutschigen Straßen. Trotz Großserienbasis lag der Einstandspreis bei etwa 50 000 Mark. Später verlangte man sogar mehr als 70 000 Mark für den quattro.

Bei Audi selbst war man überzeugt, dass ein routinierter Fahrer mit einem quattro so ziemlich alles in Grund und Boden fahren könnte. Also reifte der Plan, den Wagen bei der Rallye-WM einzusetzen. Mit Erfolg: Während die Konkurrenz noch mit zwei angetriebenen Rädern über die Pisten pflügte, zeigte Audi, was ein quattro möglich macht. Der erste Sieg wurde 1981 eingefahren, in den folgenden vier Jahren sicherte man sich zwei Marken- und Fahrerweltmeisterschaften.

Der Rallye-Sport bildete auch den Hintergrund für das wohl ungewöhnlichste Mitglied der quattro Familie. Der Gedanke, das Auto zu optimieren, führte Ende 1983 zum Sport quattro. Um die Wendigkeit zu verbessern, hatte man den Radstand des Urmodells um 30 Zentimeter gekürzt. Immerhin entschädigte dafür ein 225 kW/306 PS starker Motor, der den Wagen in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigte.

Auch beim Urquattro blieb die Entwicklung nicht stehen. Die rechteckigen Doppelscheinwerfer wichen breiteren Einzelscheinwerfern, im Innenraum kamen statt der üblichen Uhren zeitweise Digitalinstrumente zum Einsatz - es gab sogar einen Sprachcomputer, der auf technische Probleme hinwies. 1989 wurde die Zahl der Ventile im Zylinderkopf verdoppelt: Der quattro 20 V leistete 162 kW/220 PS.

Mittlerweile waren auch die Preise weiter gestiegen - und zwar auf mehr als 95 000 Mark. Als der Urquattro 1991 auslief, hatten gerade einmal 11 452 Exemplare den Weg zum Kunden gefunden. Doch dem Allradantrieb hatte der quattro zum Durchbruch verholfen. Audi baute ihn längst auch in andere Modelle ein - und im November 2000 lief der einmillionste Audi mit Allradantrieb vom Band.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×