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10.02.2016

18:26 Uhr

VW, Daimler, BMW und Audi

Airbag-Rückruf trifft deutsche Autobauer

Das Airbag-Debakel des Zulieferers Takata nimmt gigantische Ausmaße an: 24 Millionen Fahrzeuge wurden seit dem ersten Rückruf vor zwei Jahren zurückgeholt. Nun zieht der Skandal auch deutsche Konzerne in Mitleidenschaft.

Wegen Dieselgate hat VW ohnehin schon mit erheblichen Problemen in den USA zu kämpfen. dpa

Baustelle Volkswagen

Wegen Dieselgate hat VW ohnehin schon mit erheblichen Problemen in den USA zu kämpfen.

HamburgAuch Volkswagen muss in den USA Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurückrufen. Betroffen seien insgesamt 680.000 Fahrzeugmodelle der Marke VW, die zwischen 2006 und 2014 gebaut wurden, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Zu den Kosten des Rückrufs machte VW keine Angaben. Dies solle mit Takata geregelt werden.

Daimler beorderte in den USA 840.000 Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags in die Werkstätten und stellte für die Kosten 340 Millionen Euro zurück. BMW rief ebenfalls 840.000 Fahrzeuge zurück, die VW-Tochter Audi 170.000 Autos. Honda beorderte vor wenigen Tagen weitere 2,2 Millionen Autos in Nordamerika in die Werkstätten. Von dem von der US-Sicherheitsbehörde NHTSA angeordneten Rückruf sind insgesamt 5,1 Millionen Fahrzeugen in den USA betroffen.

Das Problem mit womöglich defekten Gasgeneratoren, durch die Airbags explodieren und Metallteile im Wagen herumfliegen können, nimmt gigantische Ausmaße an. Weltweit stehen zehn Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung, neun davon in den USA. Rund hundert Menschen wurden verletzt. Seit dem ersten Rückruf vor knapp zwei Jahren hat ein gutes Dutzend Hersteller bereits 24 Millionen Fahrzeuge zurückholen müssen. Die US-Behörde hatte den aktuellen Rückruf im Januar angeordnet. Auslöser war ein tödlicher Unfall mit einem Ford -Pickup im Dezember.

Eine Daimler-Sprecherin erklärte, bei den betroffenen Vans und Pkw-Modellen aus dem Zeitraum 2005 bis 2014 sei bisher kein Defekt aufgetreten. „Die Ursache für das beschriebene Fehlerbild ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt“, ergänzte sie. Die Anzahl der betroffenen Fahrzeuge könne sinken, sobald sich aus den Untersuchungen der NHTSA Details zu Ursachen und genauen Produktionschargen ergäben. Von den ersten Rückrufrunden 2014 seien die Schwaben nicht betroffen gewesen, da es sich um ein anderes Modell des Gasgenerators gehandelt habe. Die NHTSA hatte damals als Ursache die Chemikalie Ammoniumnitrat ausgemacht, die zu einer Explosion bei Feuchtigkeit führen kann. Die Behörde hatte angeordnet, dass Takata eine andere Chemikalie einsetzt.

Daimler nimmt wegen der Kosten, für die Takata später in Regress genommen werden könnte, Einbußen an seinem Rekordergebnis 2015 in Kauf. Das Konzernergebnis verringere sich deshalb auf 8,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,3 Milliarden Euro). „Das laufende Geschäftsjahr bleibt davon unberührt, das ist die Hauptbotschaft für uns“, sagte Jürgen Pieper, Analyst vom Bankhaus Metzler. Abzuwarten bleibe, ob der Rückruf sich auf Europa ausdehne. Die Daimler-Sprecherin sagte, über betroffene Modelle außerhalb der USA sei nichts bekannt. Auch sei der vorsorgliche Rückruf wegen der spezifischen gesetzlichen Vorgaben in den USA notwendig.

Volkswagen hat auch ohne den Rückruf bereits mit erheblichen Problemen in den USA zu kämpfen. Die Wolfsburger hatten Diesel-Abgaswerte mit einer Software manipuliert und müssen mit hohen Strafen und Schadensersatzforderungen rechnen. Fast 600.000 Fahrzeuge sind davon in den USA betroffen, weltweit sind es rund elf Millionen.

Von

rtr

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