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03.04.2014

08:33 Uhr

VW Golf Variant im Handelsblatt-Test

Der Nette von nebenan

VonFrank G. Heide

Mit dem Golf Variant verhält es sich wie mit einer gutbürgerlichen Nachbarschaft. Man kennt sich, man schätzt sich. Man weiß, was man aneinander hat. Und natürlich wird gelästert. Aber nur ein bisschen und ganz leise.

VW Golf Variant, Generation VII: Der macht als genügsames Lastentier und großer Familientransporter eine gute Figur. Beim Preis für den großen Turbodiesel mit Highline-Ausstattung muss man sich aber erst mal setzen. Sebastian Schaal

VW Golf Variant, Generation VII: Der macht als genügsames Lastentier und großer Familientransporter eine gute Figur. Beim Preis für den großen Turbodiesel mit Highline-Ausstattung muss man sich aber erst mal setzen.

DüsseldorfDie Konkurrenz der Anbieter ist in der Auto-Kompaktklasse besonders groß, das gilt auch für die Kombivarianten: Chevrolet Cruze Station Wagon, Ford Focus Turnier, Hyundai i30 cw, Kia cee´d, Opel Astra Touring, Toyota Auris, und Peugeot 308 sw sind nur einige der Herausforderer, die gegen den Standard in dieser Klasse antreten. Der heißt immer noch Golf Variant. Auf die Pelle rücken ihm aber auch die immer schöner und praktischer werdenden Konzernbrüder namens Seat Leon ST und Skoda Octavia Combi, die starke Preisargumente auffahren.

Lange Zeit hatte Volkswagen den praktischen Variant vernachlässigt, doch nun präsentiert sich auch die Kombi-Variante des Generationen-Autos Golf in der siebten Generation ganz auf der Höhe der Zeit. Das ist den Wolfsburgern wichtig, immerhin entscheidet sich rund jeder fünfte Golf-Käufer für diese Langversion.

Deren wichtigste Änderungen im Vergleich zum Vorgänger: Rund 100 Kilo weniger Gewicht, mindestens 100 Liter mehr Stauraum. Natürlich sind neue, bessere Assistenz- und Sicherheitssysteme mit an Bord, wenn man die entsprechenden teuren Kreuzchen auf der Optionsliste gesetzt hat.

Wichtige Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Auf jeden Fall. Der Wagen ist übersichtlich, bietet mehr Stauraum als das Vorgängermodell und der kräftige Turbodiesel ist sparsam.

Das schönste Detail?

Die zwei Hebel im Kofferraum für das Umklappen der Rücksitzlehnen zur Ladefläche. Schnell, sauber, praktisch.

Enttäuschend?

Dass einige Assistenzsysteme sich viel zu sehr aufdrängen und für Verdruß und Ablenkung statt Sicherheit sorgen.

Ist er's wert?

Das liegt im Auge des Betrachters. Mir sind im Testwagen zu viele Extras und Assistenten an Bord. Weniger wäre für mich mehr. Das gilt auch für den Preis von mehr als 42.000 Euro.

Sound?

Glänzt durch An- und Abwesenheit. Im kalten Zustand hört man den Diesel wenig, warm kaum noch. Im Sportmodus röhrt er ein bisschen bei höheren Drehzahlen. Im Alltag glänzt er vor allem durch gute Geräuschdämmung und Ruhe im Innenraum.

Wie grün ist das Auto?

Offiziell, sprich beim Normverbrauch sehr grün. Die Effizienzklasse heißt A, angeblich kann man den 2-Liter Turbodiesel mit 4,5 Liter im Durchschnitt bewegen. Ich habe das im Alltag allerdings nie geschafft. Mein Langstreckenverbrauch lag bei mehr als 6 Liter,

Vorbildlich?

Das unaufdringliche, bürgerlich-freundliche Image und die Restwertentwicklung im Vergleich zu den Wettbewerbern (siehe Testende).

Was sagt der Nachbar?

Er sieht ihn zunächst nur von der Seite und fragt: „Was ist daran jetzt neu?“

Wer guckt?

Nur andere Golf-Variant-Fahrer: Sie beurteilen an den Details, was am Neuen besser gefällt.

Wie fährt er sich?

Unspektakulär, meist komfortabel, ruhig und einigermaßen sparsam. Das Fahrwerk überrascht bei sportlicher Gangart aber sehr positiv.

Wo gehört er hin?

In den Carport des Reihenhauses.

Von außen ist der Variant trotz dezent neuen Designs aber zunächst mal ein unaufdringliches Fahrzeug, der sogar seinem großen Bruder Passat schon recht nahe kommt. Nur drei Zentimeter länger ist der neue Golf Variant geworden, trotzdem wirkt er größer und gleichzeitig dynamischer als der Vorgänger.

Im direkten Vergleich mit seinen Konzernbrüdern Skoda Octavia Combi und Seat Leon ST muss ich ihm aber auch eine gewisse Biederkeit bescheinigen. Im Vergleich zum kantig-sportlichen Spanier ist er so was wie der freundliche, aber unauffällige Herr Schmidt von nebenan. Einzige Ausnahme: Der dezent-aggressive Blick der neuen Scheinwerfer-Front.

Eine Klasse für sich

Die wahre Größe sowie der Anspruch, den Titel des Klassenprimus zu verteidigen, zeigt sich innen. Wer gewaltige Einkäufe und lange Reisen vor hat, wird sich über mindestens 605 Liter Laderaum freuen, die schnell und einfach auf bis zu 1.620 Liter erweitert werden können, wenn man den Variant bis unters Dach vollpackt.

Zum Vergleich: Im Seat Leon ST sind es 587 / 1.470 Liter, im Skoda Octavia Combi 610 / 1.740 Liter. Selbst der Passat schafft nur rund 100 Liter mehr, so macht der Golf vor dem Baumarkt, dem Super- und Getränkemarkt eine wirklich gute Figur.

Richtig praktisch finde ich die beidseitig innen im Kofferraum untergebrachten Hebel zum Umklappen der Rücksitzlehnen. Leider ergibt sich zwar keine ganz gerade Ladefläche, aber immerhin passen Gegenstände bis 1,83 Meter Länge hinein. Wer den Golf als Lastentier für wirklich Langes braucht, wird über die Comfortline-Ausstattung nachdenken: Sie beinhaltet eine umklappbare Beifahrersitz-Rückenlehne, so dass sich sogar 2,67 Meter lange Gegenstände verfrachten lassen.

Etwas mehr Platz als im Vorgänger gibt es auch für die Passagiere. Sechs Zentimeter mehr Radstand sind die Basis dafür.

Die Insassen werden sich im neuen Variant wohl auch deshalb wohlfühlen, weil die Verarbeitungsqualität absolut keine Wünsche offen lässt. Alle Instrumente sind gut ablesbar, das Fahrzeug ist übersichtlich, die Materialauswahl im Testwagen darf man schon beinahe edel nennen. „Die geben sich richtig Mühe“, sagt ein Kollege nach einem kritischen Blick in den Innenraum. „Das ist ja fast Audi-Niveau.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.04.2014, 12:16 Uhr

Schon gewußt?
Golf Variant - Made in Mexico

Account gelöscht!

03.04.2014, 12:46 Uhr

@Zork:
Nicht gewusst? Ihre Informationen sind veraltet. Der Vorgänger kam aus Mexiko, der aktuelle Variant kommt aus Zwickau.

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