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08.08.2012

15:14 Uhr

VW Lupo als Gebrauchter

Wenig Durst und viele Mängel

Quelle:dpa

Es gab schon einmal ein Drei-Liter-Auto, doch das verschwand sang- und klanglos vom Markt: der VW Lupo 3L TDI. Vielleicht war er seiner Zeit voraus. Oder waren es die Mängel des Sparmodells?

Kein ruhmreiches Kapitel bei VW: Der verbrauchsarme Kleinstwagen Lupo. PR

Kein ruhmreiches Kapitel bei VW: Der verbrauchsarme Kleinstwagen Lupo.

BerlinWomöglich fand der VW Lupo 3L TDI keine große Gegenliebe bei den Autofahrern, weil er laut dem TÜV sehr anfällig ist. Der ADAC zählt ebenfalls für die gesamte Baureihe des verkürzten VW Polo Mängel auf, die den Kleinstwagen nicht gerade zu einem Geheimtipp auf dem Gebrauchtwagenmarkt machen - im Gegensatz zu seinem Nachfolger Fox, der ein beliebtes Auto bei Fahranfängern ist. Der Münchener Autoclub verzeichnet in seiner Pannenstatistik auffällig oft defekte Anlasser und Magnetschalter über die gesamte Bauzeit.

Bei 1,0- und 1,4-Liter-Motoren fror nach ADAC-Angaben häufig die Kurbelgehäuseentlüftung ein, diesem Problem begegnete VW mit der Nachrüstung eines Heizelements auf Kulanzbasis. Auch gab es Ärger wegen durchgebrannter Sicherungen des Kühlerlüfters und rubbelnder Bremsen. Speziell der 3L gilt laut dem TÜV als sehr anfällig bei Zahnriemen, Kupplung und Getriebe. Auch die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig, wie im «TÜV Report 2012» nachzulesen ist: Sitze wackeln, Schiebedächer klappern, Wischergestänge hängen sich aus, elektrische Fensterheber geben den Geist auf.

Tipps für ein langes Auto-Leben

Öl regelmäßig wechseln

Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

Inspektionen nach Wartungsplan

Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

Langsam "Warmfahren"

Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

Motor abkühlen lassen

Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

Drehzahlen im Auge behalten

Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

Durchlüftung

Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

Reinigung

Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

Hohlraumkonservierung

Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

"Reifenschonend" fahren

Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Im Juni 1998 läuft im Wolfsburger VW-Werk die Produktion des 3,53 Meter langen Lupo an. Gut ein Jahr später kommt die Sparversion 3L TDI mit Dreizylinderdiesel auf den Markt, der sich im Normzyklus mit 3 Litern begnügt. Dieses «erste Dreiliterauto der Geschichte», so der Hersteller, wiegt dank Aluminiumbauteilen nur 839 Kilogramm und hat eine Start-Stopp-Automatik sowie ein automatisiertes Schaltgetriebe an Bord. Der 34-Liter-Tank fasst laut VW genug Kraftstoff für mehr als 1000 Kilometer.

Im Jahr 2000 folgt der Benzindirekteinspritzer FSI mit 4,9 Litern Normverbrauch. 2005 wird der Lupo durch den Fox abgelöst. Stärkster Lupo ist der GTI mit 92 kW/125 PS. Daneben leisten die Benzinmotoren des Kleinstwagens je nach Baujahr und Ausführung zwischen 37 kW/50 PS und 77 kW/105 PS, die der FSI entwickelt. Dieselseitig kommen Drei- und Vierzylinder zum Einsatz, die eine Leistungsspanne von 44 kW/60 PS bis 55 kW/75 PS abdecken.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt beginnen die Preise für einen Lupo 1.2 TDI 3L mit 45 kW/61 PS vom Baujahr 2000 laut der Schwacke-Liste bei rund 2700 Euro. Ein solches Auto hat im Durchschnitt allerdings schon 191 100 Kilometer hinter sich. Wer mit 5150 Euro knapp das Doppelte zahlt, kann ein Exemplar von 2005 bekommen, das etwa 113 100 Kilometer gelaufen ist. Ein 1.4 FSI mit 77 kW/105 PS von 2003 kostet rund 5100 Euro und hat im Schnitt 89 250 Kilometer auf dem Tacho. Für den Lupo 1.6 GTI von 2002 sollten rund 5300 bei 98 250 Kilometern kalkuliert werden.

Kommentare (2)

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WWCarp

05.08.2012, 17:29 Uhr

Wie der ADAC bereits 1991 feststellen kann, dass Kraftstoffpumpenrelais versagen ist mir schleierhaft, da das Modell erst 1998 auf den Markt kam...

Oskar414

05.08.2012, 19:04 Uhr

ich hatte einen und bin damit 270tausend Kilometer
gefahren. Der Motor ist Super. Das Getriebe ist anfangs etwas anfällig gewesen. Das sollte beim Nachfolger (hoffentlich gibt es einen) nicht mehr der Fall sein.

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