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06.05.2017

10:22 Uhr

VW Polo im Gebrauchtwagen-Check

Solide, aber nicht problemlos

VonMax Friedhoff
Quelle:Spotpress

Vor allem bei jüngeren Käufern ist der VW Polo beliebt. Das aktuelle Modell ist seit 2009 auf dem Markt. Doch auch, wenn der Polo großteils solide ist, gibt es einige heikle Punkte beim Gebrauchtkauf zu beachten.

Gebrauchtwagen-Check: VW Polo - Solide aber nicht problemlos VW

Gebrauchtwagen-Check: VW Polo

Der VW Polo gewann 2009 das Goldene Lenkrad und wurde 2010 zum Auto des Jahres gewählt. Besonders die DSG-Getriebe und das auf Wunsch adaptive Fahrwerk machen den Kleinwagen zu einem hochwertigen Begleiter

Der Polo ist neben dem Golf der zweite große Dauerbrenner im Portfolio von Volkswagen. Die mittlerweile fünfte Generation des Kleinwagens ist seit 2009 auf dem Markt und erfreut sich besonders bei jüngeren Fahrerinnen und Fahrern großer Beliebtheit.

Wir verraten, welche neuralgischen Stellen es beim Kauf eines Gebrauchten zu beachten gibt und welche Ausstattungs- oder Motor-Varianten sich besonders lohnen.

Karosserie und Innenraum: Der Polo ist sowohl mit drei als auch mit fünf Türen zu haben. Er basiert auf der gleichen Plattform wie die Konzern-Brüder Audi A1 und Seat Ibiza. Im Vergleich zum etwas runderen Vorgängermodell ist er zwar länger und breiter, allerdings auch etwas niedriger geworden.

Großgewachsene Menschen fühlen sich nur auf den vorderen Sitzen wohl, im Fond wird es recht eng.

Der Innenraum des Polo ist ansprechend verarbeitet VW

Blick in den Polo

Der Innenraum ist ansprechend verarbeitet

Der Kofferraum fasst 280 Liter, bei umgelegter Rückbank passen 952 Liter in den Polo. Optisch orientiert sich der Kleinwagen an seinem großen Bruder – der sechsten Generation des VW Golf. Beim Facelift 2014 wurden Front- und Heckschürze sowie die Rücklichter überarbeitet. LED-Scheinwerfer ersetzten die optionalen Bi-Xenon-Einheiten.

Motoren: Auf der Motorenseite ist der Polo sehr breit aufgestellt. Die Benziner gibt es als Dreizylinder mit 44 kW/60 PS und 51 kW/70 PS sowie als Vierzylinder von 63 kW/86 PS bis zum GTI mit 132 kW/180 PS. Das Sondermodell Polo R WRC Street setzt noch einen drauf und schöpft aus einem Zweiliter-Turbo satte 162 kW/220 PS.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Allerdings gibt es vom WRC-Modell nur 2.500 Exemplare. Bei den Dieseln reicht die Bandbreite der Drei- und Vierzylinder von 55 kW/75 PS bis 77 kW/105 PS. Die neuesten Motoren sind der 1,4-Liter-Dreizylinder-Diesel und der 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, die mit dem Facelift 2014 Einzug hielten.

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