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23.06.2011

14:12 Uhr

Wasserstoofantrieb für Autos

Mit Volldampf in die Sackgasse?

Quelle:dpa

So ganz genau weiß vermutlich niemand, wie das Auto der Zukunft fährt. Alle Welt redet vom Elektroauto mit Batterie, aber war da nicht noch etwas anderes? Genau: Per Wasserstoff in die Zukunft - oder in eine Sackgasse?

Das Unternehmens ETH Zürich testet wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Ob sich das durchsetzt, ist noch unklar. dpa

Das Unternehmens ETH Zürich testet wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Ob sich das durchsetzt, ist noch unklar.

BerlinWer eine Automesse besucht, könnte meinen, gleich mit dem nächsten Elektroauto davonfahren zu können. So ausgereift lässt die Branche ihre Prototypen gerne erscheinen. Dabei ist noch längst nicht klar, welche Technik auf lange Sicht das Rennen macht - das Elektroauto mit Batterie oder doch das Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle? Wobei auch das Wasserstoffauto eigentlich ein Elektroauto ist, nur dass der Strom aus Wasserstoff gewonnen wird. Klar ist nur: Vor allem Daimler macht Druck in Sachen Brennstoffzelle. Doch über die Aussichten wird eifrig gestritten.

«Wir gehen in die Zukunft mit den elektrischen Antrieben», betont der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Dabei werden sich die Batterie und die Brennstoffzelle seiner Ansicht nach ergänzen - «wobei langfristig die Bedeutung der Brennstoffzelle stark steigt». Die «richtigen Serien» erwartet Dudenhöffer erst etwa 2025, wobei Daimler, die Opel-Mutter General Motors (GM) und Toyota führend seien.

Doch es könnte auch alles viel schneller gehen: Denn Daimler steigt immerhin ein Jahr früher als vorgesehen in die Serienproduktion von Brennstoffzellenautos ein - nämlich schon 2014.

Tatsächlich behebt die Brennstoffzelle das entscheidende Manko der Elektroautos mit Batterie: «Je nach Fahrweise und Streckenprofil erzielen Brennstoffzellenfahrzeuge heute bereits Reichweiten von 400 bis 750 Kilometer», erklärt der Innovationschef des Münchner Technologiekonzerns Linde, Andreas Opfermann. Mit Batterie kommen die E-Mobile gerade einmal auf etwa 150 Kilometer. Aber auch bei der Wasserstoff-Betankungstechnik hat sich viel getan. «Eine Betankung ist heute in nur drei Minuten möglich - was absolut im Rahmen konventioneller Fahrzeuge liegt», sagt Opfermann.

Zudem sinkt der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids - um so stärker, je mehr Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energie gewonnen wird. Bislang wird Wasserstoff überwiegend aus dem fossilen Rohstoff Erdgas erzeugt. Doch Linde will den Treibstoff künftig etwa aus Biomasse - wie schon heute in einer Pilotanlage in Leuna - herstellen. Und dann ist das Brennstoffzellenauto laut Dudenhöffer genau dies: «Die Lösung für die nächsten 5000 Jahre.»

Oder doch nicht? Nach Einschätzung des Autoexperten Frank Schwope von der Norddeutschen Landesbank (NordLB) kommt der Brennstoffzelle grundsätzlich keine Bedeutung zu. Verschiedene Autobauer hätten sich aus der Entwicklung weitgehend zurückgezogen. Langfristig werde sich nur ein neuer Standard durchsetzen, sagt er. Nämlich das Elektroauto. Und weil es parallel den Verbrennungsmotor zunächst weiter geben werde, sei für eine dritte Technologie schlicht kein Platz.

Kommentare (6)

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Kraeftemangel

23.06.2011, 14:25 Uhr

Mein Tipp: Brennstoffzelle. Oder wer will denn tonnenweise Batterien umherfahren, um im Winter mal die Heizung und im Sommer mal die Klimaanlage anstellen zu können. Es geht doch nicht nur um Kilometer sondern auch um Komfort. Die Brennstoffzelle ist heute schon betriebsbereit, technologisch (Kosten, Leistung) aber noch lange nicht ausgereizt. Um Sie billiger zu machen ist noch jahrelange Forschung nötig. In 10 Jahren fahre ich ein Auto mit Brennstoffzelle oder schon früher. Das lasse ich mir auch ein paar Tausend Euro mehr kosten. Einen schönen Tag.

Schoko

23.06.2011, 17:16 Uhr

So wie ich das sehe wird auch das nichts, denn selbst wenn man es schaffen sollte, allen Wasserstoff regenerativ herzustellen, dann wird eben der Wasserdampf das Problem. Manche Quelle nennt Wasserdampf als den groessten Beitrag zum Treibhauseffekt, schlimmer noch als CO2 und das alles. Und weil dann bei der Brennstoffzelle die Leute wieder zu Deppen werden und glauben, nu' koennen sie ja fahren wie verrueckt, es macht ja nichts, wird halt eben dadurch das Klima zerstoert.
Im Endeffekt waere Moderation und v.a. eine drastische Reduktion der Weltbevoelkerung der einzig wahre Ausweg. Aber das wird wohl nicht passieren, zumindest nicht ohne vorherige globale Katastrophe.

MaWo

23.06.2011, 19:11 Uhr

Hallo,
auch wenn das nichts werden kann - ist die Lobbyarbeit nur stark genug wird der größte Blödsinn umgesetzt, warum also nicht auch das "Waserstoffauto".

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