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10.09.2012

11:52 Uhr

Wegen höherer Kraftstoffpreise

Diesel-Fahrzeuge amortisieren sich jetzt schneller

Quelle:Handelsblatt Online

Nach Berechnungen des ADAC sind manche Dieselautos schon ab 8.000 Kilometer Fahrleistung im Jahr billiger als vergleichbare Benzinmodelle. Das hat ein aktueller Vergleich von 379 Paarungen ergeben.

Durch die gestiegenen Treibstoffpreise lohnt sich die Anschaffung eines Diesel-Pkw oft schon bei geringer durchschnittlicher Jahresfahrleistung. MID

Durch die gestiegenen Treibstoffpreise lohnt sich die Anschaffung eines Diesel-Pkw oft schon bei geringer durchschnittlicher Jahresfahrleistung.

München/DüsseldorfDa per Dieselmotor angetriebene Autos deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen als Benziner, muss mit ihnen seltener zur Tankstelle gefahren werden, was vor allem Vielfahrern zugute kommt. Diese Binsenweisheit ändert sich durch das aktuelle Niveau der Kraftstoffpreise, die in den vergangenen Monaten deutlich angezogen haben. Nun kann sich ein Diesel gegenüber einem Benziner bereits ab einer durchschnittlichen Fahrleistung von 8.000 Kilometern pro Jahr lohnen, das hat der ADAC errechnet. Der Autoclub hat für die Gegenüberstellung von 379 direkt vergleichbaren Paarungen die Kosten für Kauf, Wertverlust, Werkstatt und Betrieb (Kraftstoff) sowie Kfz.-Steuer und Versicherung ermittelt.

Bislang wurde in der Regel davon ausgegangen, dass der Wert zur Amortisierung der etwas höheren durchschnittlichen Anschaffungskosten und der höheren Steuerbelastung bei etwa 15.000 Kilometern lag. Der deutlich geringere Kraftstoffverbrauch eines Dieselmotors gegenüber einem an Leistung vergleichbarem Benzinmotor ist aber inzwischen so wirksam als Größe der Vergleichsrechnung, dass sich der Diesel schon bei weniger Jahreskilometern lohnt.

Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt

Steuern und Einkaufspreis

Der Benzinpreis an der Tankstelle setzt sich überwiegend aus Steuern und dem Einkaufspreis am europäischen Großmarkt für Ölprodukte in Rotterdam zusammen.

Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer

Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,5 Cent Mineralölsteuer fällig, außerdem werden 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben.

Deckungsbeitrag

Zieht man noch den Einkaufspreis ab, der im Januar - dies sind die neuesten Daten - durchschnittlich bei 56,1 Cent lag, bleibt in der Rechnung des Branchenverbandes der sogenannte Deckungsbeitrag (Januar: 10,8 Cent). Daraus müssen auch die Kosten für die Tankstelle, Transport, Lagerung, Werbung, Verwaltung und die Beimischung von Biokomponenten gedeckt werden.

Gewinnerwartung der Konzerne

Als Gewinn streben die Ölgesellschaften einen Cent je Liter an.

Erhöhung der Bruttomarge

In der aktuellen Studie des Energieexperten Steffen Bukold wird geschrieben, dass sich die Bruttomarge der Mineralölwirtschaft (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) von 11,5 Cent Ende November 2011 auf 16,3 Cent je Liter Superbenzin Anfang März erhöht habe. Darin ist nicht nur der Gewinn der Tankstellen enthalten, sondern ebenso die Marge der Raffinerien. Bei der abweichenden Darstellung der Mineralölwirtschaft ist der Gewinn der Raffinerien in der Position der Einkaufskosten enthalten.

Mit einem BMW 320d Efficient Dynamics muss man laut den Berechnungen des Autoclubs nur 8.000 Kilometer pro Jahr fahren, um geringere Kosten zu haben als mit dem vergleichbaren BMW 320i. Im Vergleich des VW Golf 1.2 TSI Trendline mit seinem Selbstzünder-Bruder 1.6 TDI Blue Motion liegt der Diesel ab 9.300 Kilometer im Jahr günstiger.

Basis für die Kraftstoffkosten waren die Preise im August, als der Liter Benzin durchschnittlich 1,70 Euro und der Diesel 1,55 Euro pro Liter kostete. Klar ist damit aber auch, dass sich diese o.g. Grenzen verschieben, wenn Benzin- und Diesel-Kraftstoff näher als 15 Cent aneinanderrücken.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Benziner rechnen sich aber für Wenigfahrer, stellt der ADAC weiter fest. Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt, kommt in 19 Prozent der untersuchten Modellpaare - also bei fast jedem fünften Auto - mit einem Benziner kostenmäßig besser weg als mit einem Diesel. Bei dieser Kilometerleistung siegt der Diesel in 81 Prozent der Diesel-Benziner-Paarungen. Steigt die Fahrleistung, geht die Rechnung pro Diesel natürlich noch schneller auf.

Der ADAC empfiehlt, beim Autokauf genau auf das Modell der Wahl zu achten, da es auch Ausnahmen vom generellen Trend gibt. Ein Ausreißer bei den Dieselautos ist beispielsweise der Hyundai ix55. Mit ihm müssen erst 40.000 Kilometer im Jahr gefahren werden, bevor er günstiger wird als sein Benziner-Pendant.

Die wichtigsten Auto-Steuern

Kfz-Steuer

Bei Pkw bemisst sich die Höhe nach dem Hubraum des Fahrzeugs, der Art des Motors und dem Schadstoffausstoß. Bei Benzinern, die bis zum 4. November 2008 erstmals zugelassen wurden, reicht die Steuer von 6,75 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum (Euro 3) bis 25,36 Euro - bei Dieselmotoren von 15,44 bis 37,58 Euro. Seit dem 1. Juli 2009 spielt bei Neuwagen der CO2-Ausstoß für die Berechnung eine größere Rolle. Seit Anfang 2012 gilt ein Grenzwert von 110 Gramm pro Kilometer (zuvor 120 Gramm). Wer darunter liegt, wird von der Steuer befreit. Für jedes Gramm oberhalb dieser Schwelle fallen zwei Euro an - zusätzlich zum Kfz-Steuer-Sockelbetrag, der sich aus Kraftstoffart und Hubraum ergibt.

Mineralölsteuer

Beim Tanken an der Zapfsäule kassiert der Staat kräftig mit. Mit einem jährlichen Aufkommen von rund 40 Milliarden Euro stellt die Mineralölsteuer die bedeutendste Verbrauchsteuer dar. Unabhängig vom Preis an der Zapfsäule beträgt die Steuer pro Liter 65,4 Cent bei Benzin/Super und 47 Cent bei Diesel. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

Ökosteuer

Mit der Ökosteuerreform verteuerten sich die Kraftstoffe erstmals im April 1999. Der überwiegende Teil der dem Bund zustehenden Ökosteuer-Einnahmen dient zur Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung.

Kommentare (3)

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hedgehog

10.09.2012, 13:54 Uhr


Es handelt sich im Artikel um eine reine Kostenvergleichsrechnung. Der Begriff "amortisieren" bezieht sich hingegen auf die dynamische oder statische Amortisationsrechnung, bei der die Investitionen in Relation zum Mittelrückfluss gestellt wird. Wir haben allerdings bei der Anschaffung i.d.R. keine Mittelrückflüsse, die oberhalb der Investitionen liegen.

Abmahner

11.09.2012, 13:08 Uhr

hat schon jemand mal darüber nachgedacht, das derzeit die ölkonzerne ein übles spielchen mit den autofahrern betreiben? der euro war mal bei 1,22 $ und nun bei über 1,27 €. Die Sorte WTI war in etwa stabil gebliben beim Preis je barrel. trotzdem steigen die benzinpreise in neue höhen? und kommt mir nicht mit der staatsnummer, der ja so böse ist und steuern darauf verlangt. der steuersatz bleibt immer gleich, auch wenn natürlich der staat daran mitverdient, wenn die preise steigen. schaut mal genau auf die kurse von rohöl und euro/dollar, dann sollte es endlich klar sein, das uns die ölmultis verarschen.

Harald45

07.01.2013, 05:13 Uhr

hallo interessanter Artikel. Ich will mir demnächst einen Neuwagen kaufen und möchte bei der Ausstattung darauf achten das diese wenigstens einigermaßen Wertstabil ist. Klimaautomatik, Kurvenlicht und eine Lederausstattung sollten zum Werterhalt beitragen. Eine Zusammenstellung an Ausstattung welche als Werstabil gibt habe ich auch auf der Seite http://www.kfz-wert.info/autopkwbewertung.html unter dem Abschnitt "Elche Ausstattung ist Werstabil" gefunden.

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