Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2010

10:02 Uhr

Zweiter Anlauf

Die Brennstoffzelle vor dem Comeback

Eigentlich hatten Skeptiker die Brennstoffzellen-Technologie schon längst abgeschrieben. Doch jetzt erlebt die „kalte Verbrennung“ von Wasserstoff im Auto ein Comeback. Industrie, Politik und Energieversorger haben eine Reihe von Initiativen gestartet, die der Brennstoffzelle den Weg in die Serie ebnen soll.

Eines der größten Probleme für die Brennstozellen-Technik ist der Mangel an Wasserstoff-Tankstellen. Pressebild

Eines der größten Probleme für die Brennstozellen-Technik ist der Mangel an Wasserstoff-Tankstellen.

dpa OFFENBACH/BERLIN. Auch wenn alle Welt vom Elektroauto spricht: Angesichts noch immer geringer Akkuleistung steht der endgültige Durchbruch des Batterieantriebs nach wie vor aus. Die Brennstoffzellentechnologie hingegen sei „der ultimative Antrieb mit all seinen Vorteilen“, sagt Thomas Brachmann aus dem Honda-Entwicklungszentrum in Offenbach.

Um die Entwicklung voranzutreiben, haben Industrie, Politik und Energieversorger eine Reihe von Initiativen gestartet, die der Brennstoffzelle den Weg in die Serie ebnen soll. Ein knappes Dutzend Fahrzeughersteller zum Beispiel hat eine Absichtserklärung zur Entwicklung und Markteinführung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzelle veröffentlicht. Sie gingen dabei ab 2015 von mehreren Hunderttausend Fahrzeugen weltweit aus, erklärt Daimler in Stuttgart.

Derzeit kosten die oft handgefertigten Fahrzeuge noch mehrere hunderttausend Euro und wären im freien Handel nahezu unverkäuflich. Doch funktionieren die Prototypen im Alltag bereits weitgehend reibungslos: Aus dem unter Hochdruck gelagerten Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle den Strom für einen Elektromotor, der die Fahrzeuge flott und flüsterleise durch die Stadt surren lässt.

„Als einziges Abgas entsteht dabei Wasserdampf“, erläutert Sachito Fujimoto, der für Honda den FCX Clarity entwickelt hat. Einem batterieelektrischen Fahrzeug sind solche Modelle mit Brennstoffzelle überlegen: Sie fahren in der Regel schneller und vor allem weiter. „Reichweiten von mehr als 400 Kilometer sind kein Problem. Und statt mehrere Stunden an die Steckdose, müssen sie nur für ein paar Minuten an die Wasserstoff-Zapfsäule“, sagt Honda-Experte Brachmann.

Das ist der Knackpunkt: Während man Strom an jeder Ecke bekommen könnte, liegt die Infrastruktur für Wasserstoff noch im Argen. Zwar ist Deutschland Vorreiter in Europa. Doch den Tausenden Zapfsäulen für Benzin und Diesel stehen nur 30 für Wasserstoff gegenüber, von denen nur sieben in einem öffentlichen Betrieb integriert sind. Dabei ist für „die erfolgreiche Einführung von Wasserstoff-Fahrzeugen der Aufbau einer öffentlichen Wasserstoff-Infrastruktur entscheidend“, sagt Mercedes-Sprecher Matthias Brock.

Versorger und Politik haben daher ein stärkeres Engagement versprochen. Während neue Tankstellen geplant werden, baut die Industrie ihre Testflotten aus und holt mehr Normalkunden hinters Steuer. So hat der VW-Konzern je zwei Tiguan und Caddy maxi sowie zwei Audi Q5 mit Brennstoffzelle an die Clean Energy Partnership in Berlin übergeben.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

net-worker

04.01.2010, 15:51 Uhr

Mich würde mal interessieren wo der Wasserstoff für die Elektrofahrzeuge mit brennstoffzellen herkommen soll (auf der iAA sagte ein Mitarbeiter auf dem Daimler Stand, dass sehr viel Wasserstoff bei chemischen Prozessen quasi als Abfallprodukt anfällt).
Wie sind bei dieser Antriebsart (voraussichtlich) die Kosten pro km im Vergleich zum benziner/Diesel/ EV mit batterien.
Für die Öl und Gas Firmen auf jeden Fall eine Möglichkeit um "im Geschäft" zu bleiben. Die stellen
dann aus Erdgas und aus Erdöl dann den Wasserstoff her. Und die Autofirmen können ihr bisheriges Geschäftsmodell beibehalten.
Wenn die alle zusammenlegen, könnten bestimmt ganz fix viele Wasserstofftankstellen gebaut werden.
Und die Verbraucher zahlen dann brav alles.

Max

04.01.2010, 16:30 Uhr

in Manila auf den Philippinen fährt seit vielen Jahren ein Filipino mit selbstgebastelter gut funktionierenden brennstoffzelle herum.
Er tankt nur WASSER ohne den ganzen Firlefanz welcher uns hier untergeschoben und als nötig weißgemacht wird.
Mal davon abgesehen gibt es bereits sehr effektive MAGNETMOTOREN/Generatoren !
Energieverbrauch NULL !!!
Aber das wird uns dummen Schafen ja nicht gesagt, geschweige denn das wir es nutzen dürften.
Korruption, Lug, Trug, Geld und Machtgier verhindern das.
Frohes Neues Jahr !

skeptiker

04.01.2010, 16:49 Uhr

Hallo Max,
gibt es dazu nähere technische Detailinformationen wie das das Wasser in dem Fahrzeug in mechanische Energie umgewandelt wird ?
Das würde mich und bestimmt alle Physiker dieser Welt brennend interessieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×