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07.01.2003

08:25 Uhr

Autoindustrie

Analyse: In Detroit überwiegt Zweckoptimismus

VonCarsten Herz

Auf Bernd Gottschalk ist eigentlich Verlass. Der Präsident des Automobilverbandes VDA gilt als Berufsoptimist seiner Branche. Doch selbst Gottschalk malt die Aussichten der deutschen Schlüsselindustrie in diesem Jahr in trüben Farben. Auf ein "Kampfjahr" müsse sich die Autoindustrie einstellen, glaubt der VDA-Präsident.

Auf ein deutliches Signal für einen Aufschwung wird man deshalb auf dem ersten wichtigen Branchentreffen in diesem Jahr, der Motor-Show in Detroit, vergeblich warten.

Auch wenn die Hersteller in der US-Autometropole erneut keinen Aufwand scheuen, um ihre neue Modelle ins rechte Scheinwerferlicht zu rücken - das Lächeln der Manager auf den Ständen in Detroit wird hinter den Kulissen von Sorgenfalten verdrängt. In Detroit überwiegt Zweckoptimismus. Denn die Autokonzerne rollen 2003 auf ein weiteres schwieriges Jahr zu.

Auf dem deutschen Markt dürften sich dieses Jahr erneut kaum mehr als rund 3,24 Millionen Neuwagen verkaufen lassen - das wäre das vierte schlechte Jahr in Folge. Auf den wichtigen Märkten in Westeuropa müssen sich die Autobauer sogar auf sinkende Verkaufszahlen einstellen. Auch für Nordamerika müssen die Manager in diesem Jahr mit weniger verkauften Autos kalkulieren. Der Markt dürfte auf rund 16,5 Millionen Fahrzeuge zurückfallen. Dennoch wollen die deutschen Hersteller auf dem wichtigsten Automarkt der Welt auch dieses Jahr gegen den Markttrend weiter zulegen. Das US-Geschäft ist der Hoffnungsträger der deutschen Schlüsselbranche.

Eine Hoffnung, die vor allem auf eins aufbaut: neuen, auf den US-Geschmack zugeschnittenen Modellen. Niemals zuvor präsentierten die deutschen Autokonzerne eine solche Fülle an maßgeschneiderten Autos nach dem Motto "Big is beautiful" für den US-Markt wie in Detroit. Ultimativer Ausdruck dieser amerikanischen Autokultur ist derzeit der Hummer 2, ein wuchtiger Geländewagen und ziviler Bruder des US-Militärjeeps: "Ein Bunker auf Rädern" zeigte sich die Tageszeitung "Detroit News" begeistert und wählte ihn zum "Truck des Jahres".

Vor allem den nach wie vor wachsenden Markt der "Light Trucks" haben die Deutschen verstärkt ins Visier genommen. Porsche fährt in Detroit den Geländewagen Cayenne auf, Volkswagen hält mit dem Pendant Touareg dagegen, und BMW zieht mit seiner Studie für den neuen Geländewagen X3 nach. Fest bauen die Deutschen darauf, dass die Amerikaner nur Autos lieben, die in kaum eine deutsche Parklücke passen.

Die hiesigen Hersteller müssen allerdings beten, dass diese amerikanische Rechnung aufgeht. Denn vom heimischen Markt ist vorerst nicht viel zu erwarten. Erst in der zweiten Jahreshälfte könnte sich das Blatt wieder wenden. Im Herbst sollen der neue VW Golf sowie die Vorstellung des neuen Opel Astra die Nachfrage anschieben. Die Automanager setzen zudem auf aufgeschobene Ersatzkäufe. Das Durchschnittsalter der deutschen Autos ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dieser Nachholbedarf trifft in der zweiten Jahreshälfte auf ein Feuerwerk von Modellneuheiten - vom neuen BMW-5er bis zum Opel Vectra Kombi. Erst das nächste Jahr, so hoffen viele Manager, könnte das erwünschte Ende der langen Durststrecke bringen.

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