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22.01.2003

07:01 Uhr

Autokonzern tut sich mit Lastwagen im Reich der Mitte schwer – Sorgen um eigene Technologie

Daimler verliert Lkw-Partner in China

VonN. Bastian (B. Bertram)

China ist für Daimler-Chrysler ein Land mit Hindernissen. Zwei Jahre hat der Konzern mit dem größten heimischen Anbieter FAW verhandelt - die Gespräche sind jetzt gescheitert. Die Suche nach einem Ersatz läuft. Unterdessen stimmen die Stuttgarter die China-Strategie mit ihrer japanischen Tochter Fuso ab.

STUTTGART/TOKIO. Bis zum Jahresende wollte Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes die Gespräche mit First Automotive Works (FAW) zu einem Abschluss führen. Geplant war die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für die Produktionen von schweren Nutzfahrzeugen in China. Die Gespräche sind jetzt zu Ende - allerdings mit negativem Ergebnis, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren hat. Der Stuttgarter Autokonzern wird mit dem größten chinesischen Autokonzern FAW nicht zusammenarbeiten. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler wollte das Scheitern der Gespräche nicht kommentieren. Die Autosparte des weit verzweigten FAW-Konglomerats arbeitet seit Jahren mit Volkswagen und dem japanischen Marktführer Toyota zusammen.

Zwei Jahre lang hat Daimler-Chrysler, weltweit die Nummer eins bei Nutzfahrzeugen, mit FAW als größtem Nutzfahrzeughersteller der Volksrepublik verhandelt. Heute urteilen Beobachter, die Stuttgarter hätten sich damals mit den Chinesen sofort einigen sollen. Während der langen Verhandlungszeit habe die technisch rückständige FAW enorm aufgeholt und entsprechend selbstbewusst verhandelt. Gescheitert sind die Gespräche jetzt offenbar daran, dass FAW nicht bereit war, sich mittelfristig auf eine Minderheitsposition zurückzuziehen. Daimler-Vorstand Cordes hatte gesagt, dass Daimler mittelfristig die Mehrheit haben wollte, um Herr über die eingebrachte Technologie bleiben zu können. Die Absicherung des eigenen Know-Hows ist für die westliche Industrie eines der fundamentalen Probleme in der Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen.

Trotzdem ist China neben Japan und Korea nicht nur einer der drei wichtigsten Märkte in Asien, ihm wird auch das größte Wachstumspotenzial gegeben. Denn die Hälfte des weltweiten Nutzfahrzeugumsatzes erzielen die Hersteller in Asien. Japan, Korea und China machen zusammen drei Viertel des asiatischen Automobilmarktes aus. Daimler will bei Nutzfahrzeugen wie in Amerika und Europa auch in Asien langfristig eine gute Position erreichen und Marktanteile von 20 bis 40 % gewinnen.

Aus dem Daimler-Umfeld in China ist zu hören, dass der Konzern bereits Gespräche mit anderen chinesischen Autofirmen führe. Das Problem hier: Die chinesische Regierung muss der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmen mit einem kleineren Autounternehmen zustimmen. Dieses Placet zu erhalten, gilt als schwierig.

Dennoch ist der Stuttgarter Konzern 2002 bei seiner Asienstrategie vorangekommen. Für Japan und Korea hat der Konzern eine Lösung gefunden. Mitsubishi Motors (MMC), an dem Daimler mit gut 37 % beteiligt ist, hat Anfang Januar seine Nutzfahrzeugsparte Fuso ausgegliedert. Im März wird sich Daimler an Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corporation mit 43 % beteiligen und damit dort der größte Einzelaktionär. In Korea beteiligt sich Daimler zudem mit 50 % an der Lastwagentochter von Hyundai.

Daimler-Chrysler muss die China-Strategie jetzt schnell mit den neuen Lkw-Beteiligungen Fuso und Hyundai abstimmen. Dabei dürfte auch eine gemeinsame Produktion der drei Hersteller in China ins Kalkül gezogen werden. Der neue Präsident des japanischen Marktführers Fuso, Wilfried Porth, sagte am Dienstag, dies könne eine Option sein. "Wir wissen, wir haben nicht allzu viel Zeit. Die Frage brennt uns auf den Nägeln." Um auf dem chinesischen Markt mit starken heimischen LKW-Produzenten erfolgreich zu sein, was derzeit noch keiner der drei Firmen gelungen sei, bräuchten die Unternehmen eine sehr gute Strategie. "China ist eines unserer künftigen Highlights", sagte Porth.

Fuso ist in Japan mit einem schrumpfenden Marktvolumen und heftiger Konkurrenz konfrontiert und will vor allem in Amerika und Europa das Geschäft in Zusammenarbeit mit Daimler-Chrysler deutlich ausbauen. So wird der Konzern auch über die Einführung des neuen Canters, einem offenen Kleinlaster, entscheiden. Spekulationen, dieser könne den Sprinter verdrängen, wies Porth zurück. Die beiden Fahrzeuge deckten ein völlig anderes Kundensegment ab. Vor allem in Osteuropa sieht Fuso Potenzial. Es sei denkbar, dass dort an Stelle von Mercedes-Lkw Laster von Fuso auf den Markt kämen.

Quelle: Handelsblatt

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