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07.01.2001

16:16 Uhr

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Autokonzerne stemmen sich in Detroit gegen Abschwung

Unter ungünstigeren Bedingungen als vor Jahresfrist präsentieren sich ab Montag die Autokonzerne in Detroit bei der wohl wichtigsten Fahrzeugmesse für den US- Markt. Mit neuen Modellen wollen sich vor allem die drei großen US-Hersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler gegen die erwartete Abkühlung der Nachfrage auf dem US-Markt wappnen. Denn Branchenexperten sind sich einig, dass der größte Automarkt der Welt im diesem Jahr schrumpfen wird. Daran wird nach ihrer Einschätzung auch die jüngste Zinssenkung durch die US- Notenbank nichts ändern.

Reuters DETROIT. DaimlerChrysler teilte am Wochenende unter Verweis auf getrübte Aussichten für die Gesamtwirtschaft mit, die US-Tochter Chrysler werde die Produktion im ersten Quartal um rund ein Viertel drosseln. Ford und GM hatten bereits im Dezember massive Produktionssenkungen angekündigt.

Die Veranstalter der North American International Auto Show in Detroit haben 17 Weltpremieren von Serienfahrzeugen angekündigt - eine weniger als vergangenes Jahr. Von Montag bis Mittwoch präsentieren die Konzerne ihre neuesten Modelle der Presse. Am Samstag öffnet die Ausstellung für die Öffentlichkeit.

Unter der bereits in den Schlussmonaten 2000 schwächeren Nachfrage haben vor allem die drei US-Autogiganten gelitten. Im Dezember schrumpfte der US-Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge um 7,6 % auf 1,244 Mill. Fahrzeuge. Der Absatz der US-Marken von GMging zum Vorjahresmonat um 18,1 % zurück, Ford verzeichnete ein Minus von 14,6 % und Chrysler von 14,8 %. Insgesamt ergab das Jahr 2000 für den Markt zwar einen Rekordabsatz von 17,4 Mill. Fahrzeugen, jedoch sind sich viele Analysten einig, dass dies angesichts gebremster Konjunktur und hoher Zinsen nur durch Preisnachlässe der US-Hersteller erreicht wurde.

Für 2001 gehen Branchenbeobachter von einem Absatzminus in den USA von bis zu fünf Prozent und für das kommende Jahr von weiteren Rückgängen aus. Peter Engelhard vom Prognose Marketing Systems-Institut etwa erwartet, dass der US-Markt mittelfristig auf ein Normalniveau von 15 bis 15,5 Mill. Pkw und leichten Nutzfahrzeugen sinken werde. Engelhard rechnet für 2001 mit einem Marktrückgang um zwei Prozent und mit noch stärkeren Einbußen im nächsten Jahr. "Leitzinssenkungen können den Trend insgesamt nicht umkehren. Im Prinzip haben sie aber einen positiven Einfluss", sagte er.



Chrysler wird die Schlagzeilen bestimmen

Auf der Detroiter Messe dürften die Probleme bei Chrysler viele Schlagzeilen bestimmen. Immerhin hat die US-Sparte nach den bisherigen Prognosen des Stuttgarter Konzerns im vierten Quartal 2000 einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro eingefahren. Im November hatte DaimlerChrysler Dieter Zetsche als neuen Chef bei Chrysler eingesetzt, und in Detroit wird Zetsche seinen ersten Auftritt auf einem großen Autosalon haben. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wie das Umstrukturierungsprogramm für Chrysler aussehen wird. Doch schon zuletzt hatte DaimlerChrysler betont, das Konzept werde erst Ende Februar veröffentlicht.

Chrysler kündigte am Wochenende an, um Lagerbestände abzubauen, würden in den ersten drei Monaten 2001 voraussichtlich 678 700 Fahrzeuge produziert und damit 25,9 % weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. GM hatte für das Auftaktquartal 2001 bereits eine Produktionsrücknahme in Nordamerika um 14,5 % und Ford um 17 % angekündigt.

Auf der Messe in Detroit stellt Chrysler das Geländewagen- Modell Jeep Liberty vor, das in einem neuen und mit viel Fertigungs-Know-how von Mercedes ausgestatteten Werk in Toledo (Ohio) gebaut werden soll. Zudem sei eine Überraschung für ein neues Serienfahrzeug geplant. Die deutsche Pkw-Sparte von DaimlerChrysler stellt in Detroit das neue Kombi-Modell der erfolgreichen Mercedes C-Klasse der Öffentlichkeit vor. Das neue T-Modell soll ab September auch in den USA verkauft werden.

Volkswagen will nach Angaben aus Firmenkreisen neben neuen Modellen wie dem überarbeiteten Passat eine Studie eines Transporters vorstellen, die äußerlich nostalgisch gestaltet sei und an die ersten VW-Transporter mit der Bezeichnung "Bulli" erinnere. Technisch sei die Studie sehr modern, angetrieben werde das Fahrzeug von einem Sechs-Zylinder-Benzinmotor. BMW stellt leistungsstarke Modelle wie die M-Version des Cabrios der 3er-Reihe und den Geländewagen X5 High Performance vor, die von Motoren mit mehr als 340 PS angetrieben werden. Der in den USA sehr erfolgreiche Sportwagenbauer Porsche präsentiert mit dem 911 GT2 ein neues Spitzenmodell. Der Motor des GT2 ist mit 462 PS um 42 PS stärker als der des bisherigen Topmodells 911 Turbo. Der GT2 soll ab Mai zunächst in Deutschland verkauft werden und dort 339 000 Mark kosten.

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