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15.02.2002

00:04 Uhr

Automobilhersteller könnten hinter Angebot stecken

Kirch ist Ecclestones Angebot zu niedrig

Während die Formel-1-Stars ihre Testrunden für die am 3. März beginnende Saison drehen, wird hinter den Kulissen heftig um die Vormacht in der PS-Branche gestritten. Die neueste Wendung im Poker um TV-Rechte und Gewinn-Ausschüttungen: Bernie Ecclestone soll wieder in den Renn-Zirkus einsteigen und seine Anteile an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC von der angeschlagenen Kirch-Gruppe zurückkaufen. In Branchenkreisen wird das aber als Finte angesehen. Hinter dem Kaufangebot sollen die großen Automobilhersteller stecken, die Kirch ausbremsen und seine finanziellen Probleme nutzen wollen.

dpa MÜNCHEN. Offiziell hüllen sich noch alle Seiten in Stillschweigen, weder die Automobilhersteller noch Ecclestone waren am Donnerstag zu einer Stellungnahme bereit. "Uns liegt noch kein Angebot vor", sagte am Donnerstag ein Kirch-Sprecher. Die Höhe, nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" 800 Mill. ? (rund 1,6 Mrd. DM), wäre "aus unserer Sicht auch nicht ernst zu nehmen". Der Kaufpreis lag mit rund 1,6 Mrd. ? doppelt so hoch.

Kirch steht finanziell unter Druck. Diese Chance könnten die Hersteller nun nutzen und frühzeitig an die Macht kommen. Sie sitzen dabei am längeren Hebel, denn 2008 können sie mit ihrer eigenen Serie unter dem Namen Grand Prix World Championship (GWPC) an den Start gehen. BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault haben dafür schon in den Niederlanden eine GWPC-Holding gegründet. Da die Rechte also spätestens in sechs Jahren wertlos würden, kommt keine andere Vermarktungsagentur als Käufer für Kirchs SLEC-Anteile in Frage.

Ecclestone scheint daher nur vorgeschoben, um die Anteile für die Hersteller zu kaufen. Er selber kommt als Käufer kaum in Frage. "Er hat seinen Rückzug mehrfach angekündigt und wäre sicher keine langfristige Lösung", heißt es bei einem der großen Hersteller. Ecclestone besitzt nach Kirch-Angaben über den Bambino Trust noch 25 % der SLEC. Die KirchGruppe hält ihre 75 % über die Beteiligungsgesellschaft Speed, bei der das Medienunternehmen EM.TV noch Minderheitsgesellschafter ist.

Bei der Auseinandersetzung zwischen der Kirch-Gruppe und den Automobilunternehmen geht es um TV-Übertragungen und die Aufteilung von Gewinnen. Die Hersteller fürchten zum einen, dass Kirch die Formel 1 an Pay-TV-Sender verkaufen will. In Deutschland etwa läuft der Fernseh-Vertrag mit RTL 2004 aus, danach könnte Kirchs Bezahl- Sender Premiere World die Exklusivrechte bekommen. Zum anderen wollen die Unternehmen am Vermarktungsgewinn teilhaben. Bei der eigenen Hersteller-Serie hat die GWPC eine Ausschüttung von 85 % angekündigt.

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