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19.06.2000

15:15 Uhr

dpa FRANKFURT/M. Der Autohersteller Opel steckt auch 2000 in der Verlustzone. Der aggressive Preiskampf in der Branche und deutliche Einbußen auf dem Heimatmarkt Deutschland machen der Adam Opel AG weiter schwer zu schaffen. Hinzu kommt der schwierige Umbau, den die Rüsselsheimer wegen der Allianz zwischen der Konzernmutter General Motors (GM) und Fiat bewerkstelligen müssen. Nur wenn sich die schwache Automobilkonjunktur in Deutschland nachhaltig bessere, bestehe überhaupt eine Chance, schon im laufenden Jahr wieder Gewinne zu erzielen, äußerte sich der Vorstand am Montag in Frankfurt skeptisch.

Opel-Vorstandsvorsitzender Robert Hendry versicherte jedoch, er werde nicht vorzeitig seinen Chefsessel räumen. Am Wochenende waren Spekulationen aufgekommen, Hendry werde von GM im Oktober abgelöst, weil die Kooperation mit Fiat bei Opel eine Krise einschließlich massiver Arbeitsniederlegungen ausgelöst habe. "Ich bleibe bei Opel, um dieses 138 Jahre alte deutsche Unternehmen auch weiterhin mit allen Kräften auf seinem Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu unterstützen", beteuerte der Amerikaner.

Obwohl 1999 der Umsatz mit plus 5,8 Prozent auf 32 Mrd. DM einen Rekordwert erreichte, blieb unter dem Strich ein Verlustloch. Der Betriebsverlust erreichte bei der AG 225 Mill. DM nach 334 Mill. DM im Vorjahr. Ohne die Gewinnabführung der Töchter beträgt das operative Minus sogar 649 (802) Mill. DM. Bis Ende 2001 soll allerdings wieder ein dreistelliger Millionen-Gewinn erzielt werden. Dazu ist eine weiterer Abbau der Belegschaft und eine Senkung der Verwaltungskosten geplant.

Die Allianz zwischen Fiat und GM dürfte bereits mittelfristig zu einer weiteren Verringerung des Opel-Einflusses innerhalb des weltweiten GM-Imperiums führen. Die Italiener und die Amerikaner wollen noch im Sommer Gemeinschaftsunternehmen für die wichtigen Bereiche Einkauf sowie Antrieb (Motoren und Getriebe) etablieren. An diesen Holdings werden sich beide Partner mit jeweils 50 Prozent beteiligen. Daran angehängt werden dann auf nationaler Ebene die jeweils ausgegliederten Abteilungen. Die wichtige Sparte Antrieb soll dabei von einem Fiat-Manager besetzt werden. Die Holding für den gemeinsamen Einkauf wird an der Spitze von GM geführt.

In Deutschland werden aus allen drei Opel-Standorten mehr als 4 500 Beschäftigte in die gemeinsamen Töchter ausgelagert. Davon allein 1 500 aus dem Internationalen Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Über die genaue Beteiligung von Opel an den Holding- Gesellschaften wollte Hendry keine Aussage machen. Bei der Sparte Entwicklung und Antrieb dürfte der Einfluss von Opel allerdings von derzeit 40 auf 20 Prozent zurückgehen, war im Management zu hören.

Obwohl Betriebsräte und Belegschaft die Absicherung der Einkommen und der sozialen Standards durchsetzen konnten, herrscht unverändert eine große Unsicherheit bis hinauf in die Führungsebenen. Den Fiat - Managern wird größeres Verhandlungsgeschick und eine bessere Öffentlichkeitsarbeit bescheinigt. Als entscheidender Nachteil im internen Machtgerangel wird gesehen, dass nach dem Ausscheiden von Horst Borghs aus dem Vorstand kaum noch ein klassischer Opel-Manager an der Spitze steht. Hendry, der Ende 1998 die Serie amerikanischer Opel-Chefs fortsetzte, spricht nicht einmal die deutsche Sprache.

Angesichts des wiederum ausgesprochen schwachen Resultates 1999 verlangen die Arbeitnehmervertreter nun "Maßnahmen zur Verbesserung des Markenimages". Die Allianz mit Fiat dürfe die Eigenständigkeit des Unternehmens nicht einschränken. Vor allem in den noch immer nicht überwundenen Belastungen aus der Vergangenheit sieht der Gesamtbetriebsrat die Ursache für die schwierige Lage im Inland. Statt wie angekündigt die Position zu verbessern, ist in den ersten fünf Monaten 2000 der Marktanteil nochmals zurückgegangen, und zwar auf gerade noch 12,2 (1999: 13,5) Prozent. Im Gesamtjahr 1999 musste bereits ein Rückgang von 14,3 auf 13,8 Prozent hingenommen werden.

Dies trifft nicht zuletzt die Belegschaft, die weiter abgebaut wird. Zum Jahresende 1999 waren bei Opel 42 317 Personen beschäftigt. Bis Ende Dezember 2000 sollen es 2 000 weniger sein. Vorstandschef Hendry betonte ausdrücklich, die Allianz mit Fiat sei nicht mit dem Ziel gegründet worden, "um Arbeitsplätze abzubauen". In drei Jahren soll die Kooperation mit einem Fahrzeugabsatz von vier Mill. Pkw pro Jahr und einem Einkaufsvolumen von mehr als 30 Mrd. $ aber schon Einsparungen von 2,5 Mrd. DM einbringen. Nach fünf Jahren sei mit jährlichen Kostensenkungen von vier Mrd. DM zu rechnen, kündigte Hendry an.

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