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13.01.2003

17:13 Uhr

Autos mit Hybridantrieb sparen Sprit

Toyota und GM kündigen neue Antriebe für den US-Markt an

VonJOSEF HOFMANN

Der Kraftstoffverbrauch in den USA steigt seit Jahren. Doch die Besitzer Sprit fressender Fahrzeuge sehen sich wachsender Kritik ausgesetzt.Ein Ausweg aus dem Dilemma heißt Hybrid-Motor.

DETROIT. Spätestens wenn die Army in den Vereinigten Staaten in eine Technologie investiert, wird klar, dass diese gepuscht werden soll. Genau dies passiert zurzeit bei den Hybridantrieben - bei Fahrzeugen, die sowohl mit konventionellem Verbrennungsmotor als auch mit Elektromotor ausgestattet sind. Auf der Detroit Motor Show, die zurzeit läuft, kündigten der US-Autoriese General Motors und die US-Army die gemeinsame Entwicklung des Army-Trucks der Zukunft an.

Der Truck soll von einem Dieselmotor angetrieben werden, der von einem Elektromotor unterstützt wird. Als Energiequelle dient eine Brennstoffzelle. Der Vorteil dieser Kombination liegt auf der Hand: geringer Treibstoffverbrauch - aber vor allem die Möglichkeit, fast lautlos und ohne große Wärmeentwicklung zu fahren, so dass solche Fahrzeuge schwerer als bislang geortet werden können.

Was sich futuristisch anhört, ist im Grunde ausgereifte Technik. Allerdings findet sich im klassischen Hybridmotor keine Brennstoffzelle, sondern eine Batterie. Mit dieser Technik versuchen sich seit mehreren Jahren die japanischen Hersteller Honda und Toyota vor allem auf dem US-Markt zu etablieren - mit mäßigem Erfolg. Das könnte sich nun ändern, denn die Ablehnung gegenüber den beliebten - aber Sprit fressenden - Super-Geländefahrzeugen und Sportwagen nimmt in der US-Gesellschaft zu. Käufer großvolumiger Autos werden inzwischen sogar in Fernsehspots der Unterstützung des Terrorismus bezichtigt, da mit den Ölgeldern antiamerikanische Organisationen unterstützt würden.

Die besten Chancen, von dem Stimmungswandel zu profitieren, hat Toyota. Das Unternehmen hat nun schon drei Modelle mit benzin-elektrischem Antrieb auf dem Markt. 30 000 dieser Wagen werden jährlich weltweit verkauft. Diese Zahl soll sich bis 2005 verzehnfachen, kündigte das Unternehmen in Detroit an. Um dies zu erreichen, will Toyota-Präsident Fujio Cho bis Ende 2004 auch den neuen Geländewagen der Luxusmarke "Lexus" mit Hybridantrieb ausstatten.

Außerdem soll eine neue Generation von Hybridmotoren den Erfolg sichern. Diese sollen den Benzinverbrauch um weitere 10 % bis 20 % senken. Zusätzlich sollen die Antriebe leistungsstärker werden - rund 50 % mehr PS haben als die bisherigen Hybridmotoren. Ein Benzin-Frontmotor und zwei Elektromotoren - einer je Achse - treiben das Fahrzeug je nach Fahrsituation einzeln oder gemeinsam an.

Die Ankündigungen des japanischen Herstellers haben die Branche aufgeschreckt, denn Toyota gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Automobilfirmen der Welt. Ford-Chef William sagte in Detroit, sein Unternehmen müsse auf einen Wandel in der öffentlichen Meinung vorbereitet sein und verwies auf Fortschritte bei der Entwicklung des Hybridfahrzeugs Ford Escape. Auch GM kündigte an, dass Unternehmen werde den alternativen Antrieb mit Stromversorgung aus der Batterie bis 2007 für ein Potenzial von mehr als einer Million Fahrzeuge - beziehungsweise für sieben Modelle - anbieten.

Darunter sind auch die Spritschlucker in der Modellpalette. Die Benzinersparnis könne bei der neuen bis 2005 zur Serienreife entwickelten Generation von Hybridmotoren bei bis zu 50 % liegen, so der Hersteller optimistisch. Das erste serienreife Hybrid-Auto dieser Art will GM Ende des Jahres vorstellen. Die Kosten für ein Hybridauto lägen allerdings etwa 1 000 bis 5 000 Euro höher als bei einem konventionellen Antrieb, hieß es bei GM.

Auch Chrysler ist dabei, eine Hybrid-Variante für den Dodge Pickup Ram vorzubereiten. Doch Chrysler-Chef Dieter Zetsche macht keinen Hehl daraus, dass er die Dieseltechnologie für den sinnvolleren Weg hält: "Das Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag ist bei Hybrid-Fahrzeugen nicht das Beste", sagte er in Detroit. Einzig unter Marketing-Aspekten mache ein Hybrid-Fahrzeug Sinn. Der Hype bei Hybrids sei vergleichbar mit der Internetblase der vergangenen Jahre, sagte er der Fachzeitschrift "Automotive News".

Damit stößt Zetsche ins gleiche Horn wie die meisten deutschen Hersteller. "Die deutschen Firmen bremsen den Hybrid-Antrieb, weil dieser ein Kompromiss ist - und Kompromisse mögen deutsche Ingenieure nicht", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen. "Die deutschen Autobauer setzen stattdessen auf den Brennstoffzellen-Antrieb mit Wasserstoff. Doch der wird erst ab 2015 voll einsetzbar sein."

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