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10.01.2002

00:00 Uhr

B2B-Handelsplätze werden Dienstleistungszentren

Der reine Marktplatz-Betrieb ist selten profitabel

Nur neun Prozent aller B2B-Marktplätze in Deutschland arbeiten mit Gewinn. Dies geht aus einer Studie hervor, die Berlecon Research veröffentlichte. Die Betreiber der Internet-Händelsplätze ergänzen deshalb ihre Business-Modelle: Dienstleistungen rund um die Auftragsvergabe und Abwicklungs-Service sollen Mehrwert bieten.

fgh DÜSSELDORF. Die Zahl der Business-to-Business-Marktplätze steigt in Deutschland deutlich langsamer als im Vorjahr. Der Rückgang an Neugründungen geht einher mit einer Umorientierung im Business-Modell: zusätzliche Fulfillment- und Integrationsfunktionen gewinnen an Bedeutung. Dies geht aus einer Untersuchung der Berlecon Research hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Potenzial sehen die Berliner Wirtschaftsforscher für Integrationsplattformen und vertikale Nischenmarktplätze. Gingen im ersten Halbjahr 2000 noch durchschnittlich zwei Marktplätze pro Woche an den Start, sind jetzt erste Marktaustritte und Umorientierungen zu beobachten.



Berlecon-Geschäftsführer Thorsten Wichmann: "Build and they will come - das Motto des B2B-Marktplatz-Booms im vergangenen Jahr - hat sich nicht bewährt. Die 183 aktiven deutschen B2B-Marktplätze stehen jetzt vor der großen Herausforderung, ein profitables Geschäftsmodell zu finden, Teilnehmer zu gewinnen und langfristig zu binden."



"Die Marktplätze haben erkannt, dass allein das Zusammenführen von Handelspartnern keine schwarzen Zahlen bringt und erschließen jetzt zusätzliche Einnahmequellen. Die Provisionseinnahmen sind zwar noch immer der größte Posten, aber im Vergleich zum Vorjahr ist ihr Anteil von 56% auf 38% zurückgegangen.



"Das Angebot von Fullfillment-Diensten und Software-Lizensierung wird zum wesentlichen Erfolgsfaktor", erläutert die Senior Analystin Dorit Spiller. So führen zum Beispiel bereits 51 %der Marktplätze Bonitätsprüfungen ihrer Teilnehmer durch; innerhalb der nächsten sechs Monate wollen 87 % diesen Dienst anbieten. Versicherungen sowie Logistik.-Funktionen gehören ebenfalls zu den ergänzenden Dienstleistungen, die mit dem eigentlichen E-Busienss nichts zu tun haben.



Der in den meisten Fällen wichtigste Mehrwert, den B2B-Marktplätze bieten können, sind quantifizierbare Kosteneinsparungen durch elektronische Integration und Prozessunterstützung. Eine Anbindung der Marktplätze an firmeninterne Software für Enterprise Ressource-Planning (ERP) ist bereits zu beobachten.



Die Berliner Analysten rechnen bis zum Jahr 2004 mit 300 bis 400 B2B-Marktplätzen in Deutschland. Dies entspricht in etwa dem konservativen Szenario der letzten Studie. Pro Branche könnten sich nach dieser Rechnung durchschnittlich ein bis zwei Marktplätze etablieren. Chancen sehen die Wirtschaftsforscher insbesondere für Integrationsplattformen. Hierzu gehören solche, die sich die Verknüpfung mittelständischer Unternehmen zum Ziel gesetzt haben.



Ein weiteres Potenzial sollen Konsortialmarktplätze bieten, die auf Grund von Komplexitätsproblemen in mehrere private Marktplätze aufbrechen könnten. Darüber hinaus könnten weitere vertikale Marktplätze in Branchen mit noch geringer E-Commerce-Durchdringung und damit mit Potenzial für Effizienzsteigerung entstehen. Typische Anwendungen sind branchenspezifische Beschaffungsprozesse.



Keine Chance mehr für neue Anbieter bestehen laut Berlecon bei Prozes orientierten, horizontalen Marktplätzen, besonders dann, wenn Anwendungen bereits technisch verwirklicht sind, etwa B2B-Auktionen. Auch das Potenzial für Produkt orientierte, horizontale Marktplätze wird als "relativ begrenzt" eingeschätzt.

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